Europäische Sommer-Universität Ravensbrück. Erinnerung und Medienbiographien.

27. August 2012 -
31. August 2012
10:30 - 00:00 Uhr
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; in Kooperation mit dem Institut für Kunst und visuelle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; dem Institut für Kunst im Kontext an der Fakultät Bildende Kunst der Universität der Künste Berlin; der Université du Luxembourg, Universität Luxemburg dem Internationalen Freundeskreis der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V.

27.08.2012-31.08.2012, Fürstenberg/Havel, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg

Deadline: 15.08.2012

Für die mediale Repräsentation der Geschichte des Nationalsozialismus und der nationalsozialistischen Massenverbrechen sind zwei Entwicklungen von besonderer Bedeutung: Die sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus sind nicht nur durch verschiedene, sich wandelnde mediale Repräsentationsformen (Film, Radio, Fernsehen, Computer und

Internet) geprägt, sondern auch durch den Wandel von großpolitischen Konstellationen, damit verbundenen Kriegen und Terror. Zusammengenommen bilden diese beiden Dimensionen einen »Referenzrahmen« für öffentliches und privates Erinnern.


Unter dem Begriff »Erinnerungs-Medienbiografien« soll die Europäische Sommer-Universität Ravensbrück 2012 den Fokus darauf richten, inwiefern die Formen der Erinnerung an die nationalsozialistischen Massenverbrechen nicht nur durch ihre sich stetig erweiternden Formen ihrer medialen Vermittlung geprägt sind, sondern auch durch die mediale Vermittlung großpolitischer Ereignisse, die ihre Spuren in der generationellen Wahrnehmung hinterlassen (haben). Das bietet auch die Möglichkeit, vielfach unhinterfragte Vorstellungen zu generationellen Verortung mit Blick auf den Nationalsozialismus und die nationalsozialistischen Massenverbrechen zu überprüfen, sie in ihren eigenen historischen und gesellschaftlichen Kontext zu setzen und auf ihre analytische Wirksamkeit hin zu untersuchen. Die TeilnehmerInnen der Sommer-Universität sollen dabei in selbstreflexiven Seminarelementen in ihrer eigenen »Zeitzeugenschaft« Gelegenheit haben, die theoretische, deskriptiv-analytische Auseinandersetzung mit generationellen Verortungen von auf  Nationalsozialismus und die nationalsozialistischen Massenverbrechen bezogenen  »Erinnerungs-Medienbiografien« auf eigene Erfahrungen, identitäre Konstruktionen und wissenschaftliche Praxis zu beziehen. Dabei erscheint uns die nicht nur auf Wissenschaftsdisziplinen und Internationalität, sondern auch die auf das Lebensalter der Teilnehmenden bezogene Heterogenität der Teilnehmenden eine hervorragende Voraussetzung für eine reflexive Schärfung der Begriffe.


Die Thematik der geplanten Sommeruniversität ist in Grenz- und Überschneidungsbereichen von interdisziplinärer Forschung (Geschichte,

Medien- und Kulturwissenschaften, Kunst), historischer Vermittlung und selbstreflexiven Prozessen angesiedelt. Dies soll sich in den Arbeitsweisen widerspiegeln, in denen theoretische und wissenschaftlich empirische Perspektiven sowie die konkrete Rekonstruktion und Reflexion eigener »Medienbiografien« Hand in Hand gehen soll.


Eine zentrale Ausgangsthese des Konzeptes für die Sommeruniversität im Jahr 2012 ist, dass das mit den Kriegen und Konflikten der Nachkriegszeit verbundene Ansichtig-Werden von - medial vermittelter - systematischer Gewalt, von entgrenzter staatlicher und terroristischer Gewalt, die Blicke auf und Fragen an die Geschichte beeinflusst, dass dadurch Umdeutungen und »Reaktualisierungen« evoziert werden, eben auch diejenige eines als singulär geltenden historischen Ereignisses wie der nationalsozialistischen Massenverbrechen und des Holocaust.


Wir wollen folgenden Fragen nachgehen:


- Gibt es für den historischen Referenzpunkt »Holocaust« / nationalsozialistische Massenverbrechen eindeutige, generationell zu fassende Wahrnehmungsformen?

- Lassen sich spezifische (Neu-/Um-)Deutungen dieses historischen Geschehens im Kontext jeweils zeitgenössischer, generationell verortbarer und wirksamer politischer Großereignisse und deren medialer Vermittlung ausmachen?

- Erzeugen Medien beschreibbare generationenspezifische »Erinnerungsskripte« - oder evozieren sie trans-/intergenerationelle »Erinnerungsskripte«, die sich als - bewusste oder unbewusste - Konventionalsierungen oder Verhandlungsprozesse markieren, beschreiben und deuten lassen?

- Begründen Veränderungen medialer Techniken und Kompetenzen Veränderungen medialer Repräsentanz, Wahrnehmung und Produktion der Erinnerung an die nationalsozialistischen Massenverbrechen?

- Was folgt daraus für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Bildern, die im medialen Gedächtnis bereit gehalten sind bzw. sich überlagern?


Diese Fragestellungen sollen auch aus heuristischen Gründen auf historische »Knotenpunkte« fokussiert werden,  an denen sich mediengeschichtliche Umbrüche mit politischen Großereignissen (Krieg, systematische staatliche Gewalt und Terror) überschneiden. Hier soll die Frage nach signifikanten geschichtspolitischen und erinnerungskulturellen »Reartikulationen« der  nationalsozialistischen Massenverbrechen bzw. des »Holocaust« konkretisiert und geschärft werden.


»Gender« - die Art und Weise, in der Geschlechterentwürfe in die

Gegenwarts- und Vergangenheitsrepräsentationen eingeschrieben sind oder auch umgeschrieben werden, erscheint uns auch hier als eine zentrale Dimension bei der analytischen Schärfung der Begriffe von »Generationalität« und »Medienbiographien« in ihrer jeweiligen

historischen und gesellschaftlichen Rahmung.  


Ausgangspunkt in der Betrachtung von Geschichtsdiskursen und Erinnerungsprozessen sind somit nicht primär die Zäsuren in der Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und des »Holocaust« wie z.B. der Auschwitz-Prozess oder die Ausstrahlung der Fernsehserie »Holocaust« (auch wenn diese in ihrem Zusammenwirken mit den im Zentrum des Interesses stehenden Ereignissen in den Blick genommen werden können). Stattdessen wird der Blick auf jene historischen Konstellationen gerichtet, in denen nach 1945 kriegerische Gewalt in neuer Weise medial und weltweit vermittelt wurde.

Dies steht im Einklang mit der grundlegenden gedächtnistheoretischen Einsicht der Rekonstruktivität jeder Erinnerung - der Tatsache also, dass jede Hinwendung zur Vergangenheit aus einer bestimmten Gegenwart heraus geschieht und durch deren Fragestellungen, Deutungsmuster und kulturelle Repräsentationsweisen geprägt ist.


Vorbereitungsgruppe:

Katja Anders - Katja Baumgärtner - Arnold Dreyblatt - Insa Eschebach - Andrea Genest - Juliane Heise - Christiane Hess - Matthias Heyl - Katja Jedermann - Sonja Kmec - Johanna Kootz - Claudia Lenz - Janna Lölke - Silke Wenk


Die Teilnahmekosten von von 135 EUR [Mo-Fr] bzw. 159,50 EUR


[So-Fr bei vorheriger Anreise] decken die Unterkunfts- und


Verpflegungskosten in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte | Jugendherberge Ravensbrück. Die Unterbringung erfolgt in Mehrbettzimmern.


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Montag, 27.8.2012

Anreise


10:30 Uhr Eröffnung


Begrüßung

Insa Eschebach

Matthias Heyl


Intro

Silke Wenk

Claudia Lenz


Vortrag & Diskussion - Mediale Repräsentanz nationalsozialistischer Massenverbrechen

Input: Tobias Ebbrecht

Chair: Silke Wenk


13:00-14:30 Uhr Mittagspause


14:30-15:30 Uhr Vortrag & Diskussion - Women of Ravensbrück. A Film by Loretta Walz, Germany, 2005. Mosaic of Memory. Gender Critical Reflections

Input: Katja Baumgärtner

Chair: Christiane Hess


16:00-17:30 Uhr Meta-Führungen - Ravensbrück - der Ort als Medium Matthias Heyl Thomas Kunz Angelika Meyer


17:30-18:00 Uhr Tagesreflexion . critical friend


Dienstag, 28.8.2012

8:00-9:00 Uhr Frühstück


9:00-10:30 Uhr Vortrag & Diskussion - »Holocaust @ Youtube«

Input: Adalbert Wagner und Till Hilmar

Chair: Matthias Heyl


10:30-11:00 Uhr Kaffee-/Teepause


11:00-13:00 Uhr Vortrag & Diskussion - Die schwierigen Gefühle im NS-Gedenken (Arbeitstitel)

Input: Gudrun Brockhaus

Chair: Silke Wenk


13:00-14:30 Uhr Mittagspause


14:30-15:00 Uhr Vorstellung der vorbereitenden Seminargruppen aus Oldenburg, Berlin, Luxemburg und den Pädagogischen Diensten der Gedenkstätte Ravensbrück


15.00-17:30 Uhr Workshops der vorbereitenden Seminargruppen

15.00-17:30 Uhr Workshops mit den Referent_inn_en

darin: 15:30-16:00 Uhr Kaffee-/Teepause


17:30 Uhr Tagesreflexion . critical friend


18:00-19:30 Uhr Abendessen


20:00 Uhr Werkschau - Ravensbrückerinnen im Film

Input: Loretta Walz

Eva Hohenberger

Chair: Janna Lölke



Mittwoch, 29.8.2012

8:00-9:00 Uhr Frühstück


9:00-13:00 Uhr Präsentation & Diskussion - HistoryMediaJukeBox

Input:  TeilnehmerInnen

Chair: Matthias Heyl

darin: 10:30-11:00 Uhr Kaffee-/Teepause


13:00-14:30 Uhr Mittagspause


14:30-17:30 Uhr Forschungsbörse über Call for Papers

darin: 15:30-16:00 Uhr Kaffee-/Teepause


17:30 Uhr Tagesreflexion . critical friend


18:00-19:30 Uhr Abendessen


20:00 Uhr Forschungsbörse - Screenings von FilmemacherInnen und BIldproduzentInnen


Donnerstag, 30.8.2012

8:00-9:00 Uhr Frühstück


9:00-10:30 Uhr Vortrag & Diskussion - Missing Pictures and Forgotten

Perpetrators: Constructing Gendered Cultural Memory in Hungary

Input: Andrea Petö

Chair: Insa Eschebach


10:30-11:00 Uhr Kaffee-/Teepause


11:00-13 Uhr Vortrag & Diskussion - Generationalität und Wahrnehmung nationalsozialistischer Massenverbrechen

Input: Astrid Messerschmidt

 Chair: Christiane Hess


13:00-14:30 Uhr Mittagspause


15.00-17:30 Uhr Workshops der vorbereitenden Seminargruppen

15.00-17:30 Uhr Workshops mit den Referent_innen

darin: 15:30-16:00 Uhr Kaffee-/Teepause


17:30-18:00 Uhr Tagesreflexion . critical friend


18:00-19:30 Uhr Abendessen


20:00 Uhr Informelles Get-Together - »Networking Time«


Freitag, 31.8.2012

8:00-9:00 Uhr Frühstück


9:00-10:30 Uhr Präsentation der Workshopergebnisse Tagungsreflexion . critical friends


10:30-11:00 Uhr Kaffee-/Teepause


11:00-13:00 Uhr Plenardiskussion & Feed Back

Chair: Insa Eschebach

Claudia Lenz

Silke Wenk


13:00 Uhr Mittagspause


Abreise


Homepage <http://www.ravensbrueck.de>


URL zur Zitation dieses Beitrages

<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=19336>