Erste Geschichtsschreiber – Über die Anfänge der jüdischen Holocaustforschung

18. Juni 2010
09:00 - 00:00 Uhr
Ort: Goldschmidtstr. 28, 04103 Leipzig, Veranstaltungsraum
Veranstalter: Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur e. V., Universität Leipzig Leipzig

Viele Jahre war die Auffassung notorisch, die geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung des Holocaust sei nach langer Latenzphase erst Anfang der 1960er Jahre in Gang gekommen, wesentlich ausgelöst von den damals einsetzenden Gerichtsverfahren wie dem Ulmer Einsatzgruppenprozess, dem Eichmann-Prozess in Jerusalem und dem Frankfurter Auschwitz-Prozess. Inzwischen hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt, weil vornehmlich jüngere Forscherinnen und Forscher die Arbeit und die Bedeutung der Jüdischen Historischen Kommissionen in den Blick nahmen. Diese hatten bereits in der Endphase des Krieges wie unmittelbar danach sowohl mit der Sammlung und Publikation von Dokumenten als auch mit ersten historischen Darstellungen begonnen. Die aus Überlebenden der Shoah sich zusammensetzenden Kommissionen bildeten die erste Generation von Holocaustforschern. In den folgenden Jahren versuchten sie, das Thema in die Öffentlichkeit derjenigen Länder zu tragen, in denen sie sich nach dem Krieg niederließen: in Polen, Frankreich, Israel, den Vereinigten Staaten und Deutschland.

Der Workshop möchte exemplarische Fallstudien zu diesen ersten Anfängen vergleichend untersuchen. Ziel ist es, einen vertieften Blick auf diejenigen Personen und deren Werke zu werfen, die doch lange Zeit vernachlässigt worden waren und/oder an Universitäten oder generell in der akademischen Öffentlichkeit keine Anerkennung fanden. Dem präzisen, reichen und vielgestaltigen historiographischen Erbe dieser frühen jüdischen Holocaustforscher ist – so die zu überprüfende These des Workshops –, ein Erfahrungswissen eigen, das aus heutiger Perspektive in vielerlei Hinsicht die späteren Forschungen vorwegnimmt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer möchten den Versuch einer ersten und vorläufigen Bilanz dieser Anfänge unternehmen.


 

  • 9.00 Uhr

    Opening remarks: Dan Diner (Leipzig/Jerusalem)

  • 9.15 Uhr

    Introduction: Klaus Kempter (Leipzig)

    From Testimony to History

    Chair: Nicolas Berg (Leipzig)

  • 9.30 Katrin Stoll (Bielefeld/Warschau)

    Szymon Datner:

    Witnessing German Extermination Policy in Poland

  • 10.15 Franz Hocheneder (Linz)

    H. G. Adler:

    Historiographical and Poetic Representation of the Holocaust

  • 11.00 Coffee break

    From Historical Commissions into Written History

    Chair: Klaus Kempter (Leipzig)

  • 11.30 Natalia Aleksiun (New York)

    Philip Friedman:

    A Precursor of Holocaust Research

  • 12.00 Roni Stauber (Tel Aviv)

    The Constitutional Fifties:

    First Israeli Studies and Chronicles on the Holocaust

  • 13.00 – 14.00 Lunch break

    Institutionalizing Historiography

    Chair: Sebastian Voigt (Leipzig)

  • 14.15 Laura Jockusch (Beer Sheva)

    At First Glance:

    Early Jewish Holocaust Research in France and Germany

  • 15.00 Katharina Stengel (Frankfurt/Main)

    Hermann Langbein:

    Vom Auschwitz-Komitee zur Geschichtsschreibung

  • 15.45 Coffee break

    Joseph Wulf in Germany

    Chair: Elisabeth Gallas (Leipzig)

  • 16.15 Klaus Kempter (Leipzig)

    Facing the Public:

    Joseph Wulf in the Federal Republic

  • 17.00

    Gerd Kühling (Jena)

    Against the Current:

    Joseph Wulf and the Reluctance of the Academic Establishment