„Erst Adenauer hat unsere Entlassung erwirkt …“ – Zeitzeugen- und Expertengespräch in der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam lädt alle Interessierten am Mittwoch, 14. Oktober 2015, um 18 Uhr zu einer Abendveranstaltung aus Anlass des 60. Jahrestages der Rückkehr deutscher Inhaftierter aus der Sowjetunion ein. Der Berliner Journalist Alfred Eichhorn wird diesem Ereignis in einem Gespräch mit dem Zeitzeugen Ernst-Friedrich Wirth und dem Potsdamer Historiker Sebastian Nagel nachgehen. Ernst-Friedrich Wirth wurde 1952 mehrere Monate im Gefängnis Leistikowstraße festgehalten und erst Anfang 1956 aus einem sowjetischen Strafarbeitslager entlassen. Die persönlichen Erinnerungen an dieses Schicksal wird der Osteuropa-Experte Sebastian Nagel in den historischen Kontext einbetten.
Ernst-Friedrich Wirth, 1923 in der thüringischen Kleinstadt Meuselwitz geboren, besuchte dort die Friedrich-Engels-Oberschule. Auf Initiative eines Lehrers entstand 1948 ein illegaler Diskussionskreis, der heute unter dem Namen „Meuselwitzer Gruppe“ bekannt ist. Die angehenden Abiturienten lasen Texte mit humanistischem und pazifistischem Inhalt, aber auch verbotene westliche Literatur sowie antikommunistische Flugblätter. Vermutlich aufgrund einer Denunziation wurde Ernst-Friedrich Wirth viele Monate später, am 20. April 1952, vom sowjetischen Geheimdienst festgenommen. Dieser vermutete, dass der ehemalige Meuselwitzer Schülerkreis eine aktive illegale Gruppe bilde. Auch Spionagetätigkeit und Anschläge auf sowjetische Militärangehörige wurden ihnen fälschlicherweise vorgeworfen. Nach der Untersuchungshaft mit seinen ehemaligen Schulkameraden im Gefängnis Leistikowstraße Potsdam verurteilte ihn ein Sowjetisches Militärtribunal am 16. Juli 1952 zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen. Im August 1952 wurde er nach Moskau verbracht und dort zu 20 Jahren Strafarbeitslager begnadigt. Nach drei Jahren Zwangsarbeit im Bergbau in den berüchtigten Lagern Workuta und Inta wurde Ernst-Friedrich Wirth als einer der letzten Gefangenen im Januar 1956 nach Deutschland entlassen.
Die so genannte „Heimkehr der Zehntausend“ gehört nach wie vor zu den zentralen Bestandteilen der deutschen Erinnerungskultur. Mit seiner Moskau-Reise im September 1955 erwirkte Bundeskanzler Konrad Adenauer die Freilassung der verbliebenen deutschen Gulag-Gefangenen. Neben Kriegsgefangenen sowie NS- und Kriegsverbrechern waren auch die von sowjetischen Gerichten zu langjährigen Haftstrafen verurteilten Zivilisten wie Ernst Friedrich Wirth betroffen.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Mittwoch, 14. Oktober 2015, 18 Uhr
„Erst Adenauer hat unsere Entlassung erwirkt …“
Zeitzeugen- und Expertengespräch mit Ernst-Friedrich Wirth (ehem. Häftling Gefängnis Leistikowstraße) und Sebastian Nagel (Historiker)
Moderation: Alfred Eichhorn (Journalist)
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Leistikowstraße 1, 14469 Potsdam
Telefon: 0331-2011540
E-Mail: mail@gedenkstaette-leistikowstrasse.de
Information: www.gedenkstaette-leistikowstrasse.de