Am Sonntag, 12. Juni 2016, wird um 14 Uhr in der Gedenkstätte Sachsenhausen die Sonderausstellung „Geraubte Kinder - vergessene Opfer“ eröffnet, die sich dem Schicksal der von den Nationalsozialisten zur „Eindeutschung“ verschleppten Kinder widmet. Bei der Eröffnung im Neuen Museum der Gedenkstätte werden der Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Roger Bordage, und Ausstellungskurator Christoph Schwarz zu den Anwesenden sprechen. Zu dieser Veranstaltung sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
„Was an gutem Blut überhaupt auf der Welt vorhanden ist, an germanischem Blut, das haben wir zusammen zu holen“, postulierte Heinrich Himmler 1942 auf einer Tagung der SS- und Polizeiführer. So raubten Himmlers SS-Schergen in ganz Europa „rassisch wertvolle“ Kinder mit dem Ziel, sie „einzudeutschen“. Die Kinder wurden rigorosen Umschulungsprogrammen unterzogen und später an deutsche Pflegefamilien vermittelt.
Auch nach dem Krieg blieb die Situation der Kinder schwierig - viele waren verwaist, sprachen ihre Muttersprache nicht mehr und wurden in ihren Heimatländern als „Feindkinder“ eingestuft. Die Ausstellung zeigt das System des Kinderraubs während der NS-Zeit auf, legt aber bewusst einen besonderen Schwerpunkt auf Einzelschicksale der betroffenen Kinder.
Für die Präsentation der Wanderausstellung in der Gedenkstätte Sachsenhausen hat Kurator Christoph Schwarz das bisher weitgehend unbekannte Schicksal der Bewohner des norwegischen Fischerdorfes Telavåg ergänzt. Als Vergeltung für Widerstandsaktivitäten wurde das idyllisch an der Küste gelegene Dorf 1942 von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleich gemacht. 268 Männer zwischen 16 und 60 Jahren wurden in das KZ Sachsenhausen verschleppt, die Mütter und Kinder in ein Lager nach Bergen. Die „arischen“ Kinder ab 6 Jahren sollten zur Zwangsadoption vermittelt werden. Doch dank glücklicher Umstände und des Geschicks norwegischer Ärzte blieb ihnen dieses Schicksal erspart.
Sonntag, 12. Juni 2016, 14 Uhr
Eröffnung der Sonderausstellung „Geraubte Kinder - vergessene Opfer“
Begrüßung: Dr. Horst Seferens, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Ansprachen: Roger Bordage, Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees
Christoph Schwarz, Ausstellungskurator