Sprechen wir über das kollektive Berliner Gedächtnis, dann bleiben die Geschichten vieler Minderheiten häufig unberücksichtigt. Mit der Abschlusstagung des Projekts »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten« werden global- und stadthistorische Ereignisse und Narrative aus der Perspektive von Schwarzen Deutschen, Jüd*innen, Sinti und Roma/Romnja* und Sintezza* und anderen People of Color in Berlin in ihrer Verwobenheit thematisiert. Professor Michael Rothberg (University of California, Los Angeles) führt mit einer Programmrede in seinen Ansatz der »Multidirectional Memory« ein und beleuchtet Perspektiven auf Erinnerungs- und Gedächtniskulturen. Im Abschlussgespräch wird diskutiert, wie marginalisierte Geschichten erzählt und sichtbar gemacht werden können.
Die Tagung findet in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin statt.
Das Projekt »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten« wird vom Institut für angewandte Forschung (IFAF Berlin) gefördert und ist an der Alice Salomon Hochschule Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Iman Attia angesiedelt. Es wird in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Prof. Thomas Bremer), dem August-Bebel-Institut, der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Berlin Postkolonial e.V. und Solidaritätsdienst International e.V. durchgeführt. Mehr zum Projekt finden sie unter: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/erinnerungsorte/
9:00 Uhr Grußworte
Dr. Rosa Fava, Leiterin Akademieprogramme, Jüdisches Museum Berlin
Prof. Dr. Bettina Völter, Alice Salomon Hochschule Berlin, Prorektorin für Forschung und Kooperation, Leiterin des Kompetenzzentrums Integration und Gesundheit des Instituts für angewandte Forschung (IFAF Berlin)
9:30 Uhr Projektvorstellung »Erinnerungsorte«: Biographien und Orte in ihrer Verwobenheit mit Berliner Geschichte
Prof. Dr. Iman Attia, Iman Al Nassre, Olga Gerstenberger, Diane Izabiliza, Ozan Keskinkılıç, Erinnerungsorte, Alice Salomon Hochschule Berlin
11:00 Uhr Kaffeepause
11:30 Uhr Keynote Multidirectional Memory – Prof. Dr. Michael Rothberg, University of California, Los Angeles (UCLA)
Moderation: Serpil Polat, Jüdisches Museum Berlin
13:00 Uhr Mittagspause
14:30 Uhr Parallele Panels
W. Michael Blumenthal Akademie, Saal:
Stadtgeschichte in Lernkontexten – Zur Relevanz des stadthistorischen Erkundens
Dr. Noa Ha, Berlin als postkoloniale Stadt kartieren, Technische Universität Berlin
Saraya Gomis, King Code Projekt und Black Diaspora School
Hajdi Barz, Stadtrundgang Gestern mit den Augen von heute sehen
Christian Kopp, Just Listen – Globalgeschichte von unten und zivilgesellschaftlicher Dialog und Erinnerungsorte, Berlin Postkolonial
Altbau 2. OG, Großer Saal / Altbau EG, Auditorium:
Geschichte autor/isieren – neue Realitäten erschaffen: Zur Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien
Diane Izabiliza, Erinnerungsorte
Melanie Weiß, Dikhen amen! Seht uns!
Nicola Lauré al-Samarai, Homestory Deutschland und Erinnerungsorte
Moderation: Judith Rahner, Vergessene Biografien
16:00 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr Abschlussdiskussion:
Wie können marginalisierte Geschichten erzählt und sichtbar gemacht werden?
Prof. Dr. Iman Attia, Erinnerungsorte, Alice Salomon Hochschule Berlin
Dr. Alina Gromova, Jüdisches Museum Berlin
Aischa Ahmed, Arabische Präsenzen in Berlin, Freie Universität Berlin
Isidora Randjelović, RomaniPhen
Silke Güç, EOTO – Each One Teach One
Moderation: Dr. Manuela Bauche, Museum für Naturkunde Berlin / Humboldt-Universität zu Berlin
18:00 Uhr Pause
18:30 Uhr Kulturelles Abendprogramm
Stadtgeschichte in Lernkontexten – Zur Relevanz des stadthistorischen Erkundens
Dieses Panel führt mit interaktiven Methoden aus der Perspektive von Jugendlichen und Erwachsenen die Teilnehmenden an die gesellschaftspolitische Relevanz des stadthistorischen Erkundens heran. Im Zentrum steht die Methode des Erkundens von städtischen Räumen für die aktive Aneignung von stadthistorischen Prozessen, Narrativen und Räumen, die bisher vernachlässigt, unterschlagen oder verbaut wurden. Die vier Referent*innen werden in zwei Tandems der Frage nachgehen, inwiefern historische Verwobenheiten sich im städtischen Kontext für die praktische und politische Bildungsarbeit fruchtbar machen lassen und von konkreten Erfahrungen aus unterschiedlichen Lernkontexten berichten. In den zwei Gruppen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich anhand von Übungen aktiv einzubringen.
Geschichte autor/isieren – neue Realitäten erschaffen: Zur Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien
Ausgehend von verschiedenen Projekten, in denen marginalisierte Lebensgeschichten eine zentrale Rolle spielen, wird das Begriffskonzept »Geschichte autor/isieren« diskutiert. Im Vordergrund stehen Fragen, die einerseits ungleichberechtigte Sprechpositionen kritisch in den Blick nehmen und andererseits das sichtbare Potential von Selbstzeugnissen und Biografien ausloten: Welche Funktionen erfüllen individuelle Lebensgeschichten innerhalb von Communities und innerhalb von dominanzgesellschaftlichen Kontexten? Wer erzählt wessen Geschichte warum und wie? Inwieweit können Lebensgeschichten neue Realitäten erschaffen? Von besonderem Interesse sind mögliche Fallstricke, die – je nach Sprechposition – in der Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien zutage treten, sowie verschiedene Spannungsfelder, die zwischen kollektiver Wertschätzung und dominanzgesellschaftlicher Aneignung pendeln.
Wo
W. M. Blumenthal Akademie, Saal und Altbau 2. OG, Großer Saal
Eintritt
frei
Anmeldung
Tel: +49 (0)30 25 993 488
Kontakt
Monika Starke
Tel: +49 (0)30 259 93 378
Fax: +49 (0)30 259 93 411