ERINNERUNGSORT SOPHIENTERRASSE

14. Mai 2014
18:30 - 00:00 Uhr
Ort: Staatliche Jugendmusikschule, Mittelweg 42
Veranstalter: Bündnis 90/ DIE GRÜNEN Hamburg

Es ging durch die deutsche Presselandschaft: Das denkmalgeschützte ehemalige Generalkommando der Wehrmacht an der Sophienterrasse wird derzeit in einen Komplex von Eigentumswohnungen umgebaut. Außer der Fassade ist von dem Gebäude kaum noch etwas übrig. Die öffentliche Hand hat es versäumt, bei Verkauf an den Investor Vorgaben für den baulichen Umgang mit dem Gebäude zu machen. Das Gebäude ist sowohl denkmalgeschütztes Zeugnis der NS-Bauarchitektur als auch Erinnerungs-und Gedenkort an die Zeit des NS, die Verbrechen der Wehrmacht und der NS-Militärjustiz. Wie soll eine Stadt mit solchen Gebäuden verfahren?

Wir werden mit Historikern und Experten der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sowohl über den aktuellen Forschungsstand zur Sophienterrasse als auch über die Entwicklungen zum Denkmal für Deserteure und Opfer der NS-Militärjustiz sprechen. Das Unternehmen Frankonia Eurobau ist als Investor des Areals auch eingeladen. Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Monats des Erinnerns“ in Eimsbüttel.

Hintergrund:

Das Gebäude des ehemaligen Generalkommandos des X. Armeekorps der Wehrmacht an der Sophienterrasse 14 in Harvestehude wurde in den Jahren 1935 bis 1937 errichtet, diente außerdem als Wehrkreisverwaltung des 1935 neu geschaffenen Wehrkreises X.

Das Gebäudeensemble ist im Oktober 2000 als maßgebliches Beispiel eines staatlichen Repräsentationsbaus der NS-Zeit in die Hamburger Denkmalsliste eingetragen worden, ist sowohl denkmalgeschütztes Zeugnis der NS-Bauarchitektur als auch Erinnerungs- und Gedenkort an die Zeit des NS, die Verbrechen der Wehrmacht und der NS-Militärjustiz. Bis 2006 im Besitz des Reichsfiskus bzw. Bundes, wurde es 2006 an einen privaten Investor verkauft. Die zuständige Behörde hat im Auslobungsverfahren durch den Bund angeregt, einen Ausstellungsraum für den Ort und die Geschichte zu installieren. Es heißt, die zuständige Behörde setzt sich bis heute für eine Kontextualisierung des Hauses ein (Drs.20/9704). Bisher weist der private Investor in keiner Form auf den historischen Kontext des Hauses hin.

Die Stadt hat ein öffentliches Interesse an der Erhaltung und Kontextualisierung von Erinnerungs- und Gedenkorten an die Zeit des Nationalsozialismus von 1933-1945 und muss sicherstellen, dass stadtraumprägende Zeugnisse der NS-Zeit nicht aus dem Stadtbild verschwinden, sondern als Gedenkorte für kommende Generationen erhalten bleiben und angemessen historisch kontextualisiert werden.

Die Bürgerschaft setzt sich auf Initiative der GRÜNEN interfraktionell dafür ein, dass an der Sophienterrasse 14 ein dauerhafter, öffentlich zugänglicher Erinnerungsort entsteht. Dieser soll in Abstimmung mit der Projektentwicklung “Gedenkort für Deserteure und Opfer der NS-Militärjustiz“ realisiert werden.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des „Monats des Erinnerns“. Einen ganzen Monat lang – von Mitte April bis Mitte Mai 2014 – präsentieren Initiativen, Kultureinrichtungen, Kirchengemeinden, Stadtteilvereine, Schulen, Gruppen und Institutionen Projekte der lokalen Eimsbütteler Erinnerungskultur: ein buntes Spektrum der Gedenkarbeit, in der (auch) ehrenamtlich geforscht und vergessene, an den Rand gedrängte Geschichte der lokalen Aufmerksamkeit (wieder) zugänglich gemacht wird.