Eine blonde Provinz - Polen und der deutsche Rassenwahn

Film
11. Mai 2010
20:00 - 00:00 Uhr
Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Veranstalter: Stiftung Topographie des Terrors

Dokumentation, RBB/ARTE 2008, 52 min

Topographie des Terrors | Auditorium | Niederkirchnerstr. 8 | Berlin-Kreuzberg

Eintritt frei

Für die Podiumsdiskussion nach dem Film wurden die Zeitzeugen Dieter Bielenstein (Deutschland), Henryk Jaszcz (Polen) und Zwi Steinitz (Israel), die Historikerin Prof. Dr. Isabel Heinemann sowie die Regisseure Jacek Kubiak und Klaus Salge eingeladen, Moderation: Dr. Petra Lidschreiber (RBB)

Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurden Tausende Polen vertrieben, deportiert und umgebracht. In den folgenden Monaten nahmen die Nazis im neugeschaffenen „Reichsgau Wartheland“ eine ethnische Neuordnung vor; Hunderttausende Vertriebene mussten den „Volksdeutschen“ weichen, die vor allem aus der sowjetischen Einflusszone „heimgeholt“ wurden. Für die jüdischen Polen begann ein Leidensweg, der für die meisten in den Vernichtungslagern endete.

Der Film stellt drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen/Poznan verbunden ist: Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reiste, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen suchte und dessen Weg in den Widerstand führte. Und Dieter Bielenstein, der als 12jähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.

Dieter Bielenstein, 1931 in Mitau (lettisch Jelgava) in Lettland geboren, lebte von 1940-1945 in Posen. Er studierte Jura, Geschichte und Soziologie in Göttingen und Bonn, war als Journalist und viele Jahre im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig, u.a. als Leiter des Büros in Tokyo.

Henryk Jaszcz, 1922 geboren, wurde mit seiner seine Familie aus Posen in das Generalgouvernement ausgesiedelt. Er schloss sich dort der Armia Krajowa, der polnischen Untergrundarmee, an. Noch heute ist er im Verband der Veteranen der Armia Krajowa tätig.

Zwi Steinitz, 1927 geboren, wurde 1939 mit seiner Familie aus Posen vertrieben. 1941 kam die Familie ins Krakauer Ghetto, die Eltern und sein Bruder wurden 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet. Über die Lager Plaszow, Auschwitz und Buchenwald kam er 1945 in das KZ Sachsenhausen und wurde im April 1945 bei Schwerin befreit. 1946 erreichte er mit einem Schiff Palästina.

Isabel Heinemann, 1971 geboren, ist seit Juniorprofessorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie promovierte 2001 über das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die nationalsozialistische Rassenpolitik im besetzten Europa 1939-1945.

Jacek Kubiak, 1957 geboren, Mitbegründer von Solidarność in Po. Er ist seit 1989 journalistisch tätig, inzwischen mit einer eigenen TV-Produktion in Poznan. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind eines der Hauptthemen seiner Arbeit.

Klaus Salge, 1965 geboren, ist seit 1979 Regisseur und Autor von Dokumentarfilmen im  Fernseh- und Kinobereich. Es entstanden Filme mit Mikis Theodorakis, Harry Mulisch, Peter Schneider, sowie Dokumentationen zum Fall der Mauer und zur Geschichte der militanten linken Gruppen in Deutschland (mit Klaus Stern).

Petra Lidschreiber, 1951 geboren, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte u.a. Wirtschaftswissenschaften. Sie leitete das ARD-Studio in New York, moderierte das ARD-Magazin „Kontraste“ und hat seit 2006 die Ressortleitung Mittel- und Osteuropa beim Rundfunk Berlin Brandenburg inne.