Vom 27. März bis 3. Mai 2012 wird in der Gedenkstätte KZ Osthofen in Kooperation mit der Rheinhessen-Fachklinik Alzey und der Arbeitsgruppe NS-Psychiatrie in Alzey und Rheinhessen die Ausstellung "Die Rheinhessen-Fachklinik Alzey – Rückblick auf die NS-Zeit" gezeigt. Die Eröffnung der Ausstellung findet am 27. März 2012, 18 Uhr, statt.
„Ich habe mit sehr großem Interesse – und Entsetzen - ihren Beitrag über die Zeit des Nationalsozialismus in der Broschüre ‚100 Jahre Rheinhessen-Fachklinik Alzey’ gelesen. Es hat eine persönliche Betroffenheit erneut wachgerufen und trifft einen ‚blinden Fleck’ in unserer Familiengeschichte. Die Schwester meines Großvaters ist in der NS-Zeit gestorben ... über die Umstände wurde meiner Mutter lange nichts erzählt ... später hieß es dann, sie sei ‚von den Nazis umgebracht worden’“.
Eine Rückmeldung, beispielhaft für Anfragen von Angehörigen, die die Verantwortlichen der Klinik und die Macher der Ausstellung meist von der Generation der Enkel erreichen. Das Schicksal von Hunderten Opfern wurde in vielen Familien betrauert und verdrängt. Zwangssterilisierten und ermordeten geistig oder seelisch Kranken hat die Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang die Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus verweigert. Am Beispiel der Geschichte der damaligen Landes- Heil- und Pflegeanstalt Alzey, heute Rheinhessen-Fachklinik Alzey, wird das Schicksal dieser Opfer beispielhaft dargestellt. Sie kamen aus fast allen rheinhessischen Gemeinden. Die Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels deutscher Geschichte, deren Akteure Ärzte, Pflegepersonal, Hebammen, Lehrer, Richter und Verwaltungskräfte waren, begann erst Mitte der 1970er Jahre. Die Geschichte der heutigen Rheinhessen-Fachklinik Alzey wurde ab 1994 in einer Arbeitsgruppe von Alzeyer Bürgern und Mitarbeitern der Klinik unter Federführung des Museums Alzey erarbeitet und 2000/2001 in einer Ausstellung und einem Begleitband der Öffentlichkeit gezeigt, zum 100jährigen Jubiläum der Klinik 2008 aktualisiert. Im Mittelpunkt der in Osthofen gezeigten Ausstellung stehen die Planung und Durchführung der Zwangssterilisation und die tausendfachen als „Gnadentod“ verschleierten Krankenmorde 1933-1945 sowie deren rassenideologische Vorgeschichte.
Ergänzt werden die Ausstellungstafeln von künstlerischen Arbeiten zu Opferbiographien aus der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Alzey, die bei Projekttagen mit Jugendlichen und Auszubildenden in der Gedenkstätte KZ Osthofen entstanden sind.
Die Ausstellung ist während der üblichen Öffnungszeiten der Gedenkstätte zu besuchen.
Flyer zur Ausstellung (mit Anmeldebogen zur Ausstellungseröffnung und zur Begleitveranstaltung)