Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939. Antisemitismus bei der Eisenbahn in der Vorkriegszeit

Buchpräsentation
21. Februar 2012
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Veranstalter: Stiftung Topographie des Terrors

Vortrag: Dr. Alfred Gottwaldt, Berlin

Moderation: Dr. Susanne Kill, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium

Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg

Eintritt frei

Im Kontext der vom NS-Regime betriebenen Ermordung der Juden Europas kam dem Einsatz der Deutschen Reichsbahn beim Transport der Opfer zentrale Bedeutung zu. Doch ihre Einordnung in die Judenpolitik des „Dritten Reichs“ hatte bereits bald nach Hitlers Machtantritt begonnen: Entlassung ihrer jüdischen Eisenbahnbeamten, Boykott jüdischer Lieferanten, „Arisierung“ von Grundstücken aus jüdischem Besitz und Diskriminierung jüdischer Fahrgäste kennzeichneten schon die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg bei der Staatsbahn unter ihrem Generaldirektor Julius Dorpmüller. Hinzu kamen bereits zu Friedenszeiten zahlreiche Transporte in Konzentrationslager sowie erste Deportationen polnischer und deutscher Juden vor und nach dem 9. November 1938, nicht zu vergessen zahllose Sonderzüge in die Emigration.

In seinem Vortrag beschreibt Alfred Gottwaldt diese historischen Fakten aufgrund jüngster Forschungen und skizziert dabei eine Reihe von Biographien. Er geht vielen Details antisemitischer Vorgänge bei der Eisenbahn vor dem 1. September 1939 nach, die sich als Wurzeln des späteren Unheils begreifen lassen.

Alfred Gottwaldt, 1949 geboren, absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und der Neueren Geschichte und ist seit 1983 Leiter der Abteilung Eisenbahnwesen im Deutschen Technikmuseum Berlin. Er hat zahlreiche Publikationen vorgelegt, darunter die gemeinsam mit Diana Schulle verfasste Studie Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941–1945. Eine kommentierte Chronologie (2005), Dorpmüllers Reichsbahn. Die Ära des Reichsverkehrsministers Julius Dorpmüller 1920–1945 (2009), Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945 (2009) sowie zuletzt Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939. Antisemitismus bei der Eisenbahn in der Vorkriegszeit (2011).

Susanne Kill, 1959 geboren, ist Leiterin der Konzerngeschichte/Historische Sammlung der Deutschen Bahn AG. Zu den Veröffentlichungen der Historikerin gehört der gemeinsam mit Andreas Engwert herausgegebene Band Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn (2009), eine Begleitdokumentation zu der seit 2008 präsentierten gleichnamigen Wanderausstellung der Deutschen Bahn AG. Erarbeitet wurde die Ausstellung in Kooperation mit Beate und Serge Klarsfeld, dem Deutschen Technikmuseum Berlin sowie der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.