In der Diskussion über Ausmaß und Systematik der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen Sinti und Roma spielt der deutsche Überfall auf
die Sowjetunion und die grausame Okkupationspolitik eine Schlüsselrolle.Ungeachtet dessen gab es lange Zeit gerade über das Schicksal der Roma in den besetzten Ostgebieten nur geringe Kenntnisse.
In seinem Vortrag präsentiert Martin Holler die Ergebnisse seiner Forschungen in deutschen, russischen und ukrainischen Archiven. Dabei zeigt sich, dass insbesondere in den militärisch verwalteten Gebieten spätestens ab Frühjahr
1942 der Völkermord an den sowjetischen Roma einen systematischen Charakter annahm. Die Konfrontation deutscher Quellen mit sowjetischen Nachkriegsermittlungen und Zeugenaussagen sowie Dokumenten der Vorkriegszeit ermöglicht es ferner, die klischeehaften, diskriminierenden Bilder
von „umherziehenden Spionen“, „Partisanenhelfern“ und „asozialen Elementen“, welche die Wehrmacht und SS in ihren Berichten über sowjetische
„Zigeuner“ zeichneten, kritisch zu diskutieren.
Martin Holler ist Historiker und Autor zahlreicher Beiträge zur Geschichte der Roma in der Sowjetunion, darunter die Monographie „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma in der besetzten Sowjetunion (1941–1944)“.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.