Die „Nasjonal Samling” in Norwegen

Vortrag/Vorlesung
5. Juli 2016
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Veranstalter: Stiftung Topographie des Terrors

Vortrag: Dr. Tor Einar Fagerland, Trondheim

Moderation: Prof. Dr. Ralph Tuchtenhagen, Berlin

Für den Vortrag in englischer Sprache wird eine Simultanübersetzung angeboten.

Topographie des Terrors, Auditorium

Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg

Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Faschismus in Europa 1918–1945

(Gemeinsam mit Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin)

Im Mai 1933 gründete der frühere Offizier Vidkun Quisling in Norwegen die „Nasjonal Samling”. Zu ihren ersten Mitgliedern gehörten sowohl radikale Antisemiten als auch eine konservativ-christliche Fraktion, die den zunehmenden Antisemitismus jedoch ablehnte und die Partei schließlich verließ. Bei den Parlamentswahlen von 1936 erhielt die Partei nur 1,8 Prozent der Stimmen, und ihr Einfluss ging fortschreitend zurück. Nach dem deutschen Angriff auf Norwegen am 9. April 1940 versuchte die nationalsozialistische Führung zunächst, eine zivile Regierung einzusetzen. Mitglieder der „Nasjonal Samling”, die seither einen erheblichen Zuwachs verzeichnete, nahmen nun Schlüsselpositionen in der norwegischen Verwaltung ein, die eng mit den deutschen Besatzern kollaborierte. Am 1. Februar 1942 wurde Quisling zum Ministerpräsidenten ernannt.

In seinem Vortrag beschreibt Tor Fagerland die Entstehung der „Nasjonal Samling”, erläutert ihre zunächst sehr heterogene Zusammensetzung und legt ihr programmatisches Profil dar. Er lenkt den Blick auch auf die Zeit der deutschen Besatzungsherrschaft und die zunehmende Fixierung der norwegischen Faschisten auf den Nationalsozialismus.

Tor Einar Fagerland, 1968 geboren, ist Associate Professor für Geschichte und seit 2013 Leiter des Instituts für Historische Studien an der Norwegischen Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität (NTNU) in Trondheim. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Geschichte der Erinnerungskultur. Zu seinen neueren Veröffentlichungen in englischer Sprache gehören die Aufsätze The Norwegian Fascist Monu-ment at Stiklestad 1944–45 (2011), The Steilneset Memorial. An international pers-pective (2012) und Between Patriotism and Univeralism: Norwegian World War II Monuments and Memorials 1990–2014 from a Transnational Perspective (2014). 

Ralph Tuchtenhagen, 1961 geboren, ist Professor für Kulturwissenschaft/Ge-schichte am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Publikationen gehören der Aufsatz Quisling: Ein norwegisches Mysterienspiel (2006) und die Kleine Geschichte Norwegens (2009).