Die deutschen Bühnen sind im März/April 1933 nicht "gleichgeschaltet", sondern "erobert" worden. Diese Machtergreifung wurde durch einen 1919 einsetzenden erbitterten Kulturkampf gegen die Kunstmoderne vorbereitet,
dessen Träger christliche und deutschnational-nazistische Parteien waren. Diese protestierten gegen "sittenwidrigen Schmutz und Schund" bzw. gegen den "zersetzenden Einfluss des Judentums". Die NSDAP übernahm ab 1929 die Führung in diesem Kampf.
1933 lassen sich zwei Modelle der "Eroberung" ausmachen: Bei dem einen wurde die Politik der Gewalt der 1920er Jahre fortgesetzt, indem in speziellen NS-Formationen organisierte Teile des Ensembles die "jüdischen Theaterleitungen" absetzten oder vertrieben. Das andere Modell setzte auf den allmählichen "Umbau", der je nach regionalen Machtverhältnissen auch schon vor 1933 begann. Die Nazifizierung der Münchner Staatstheater wie der
Kammerspiele zeigt ein drittes Aktionsmuster, das beide Vorgehensweisen kombiniert hat.
Hannes Heer war Leiter des Ausstellungsprojektes "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" und ist seit 2006 wissenschaftlicher Leiter und Kurator der Ausstellung "Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der 'Juden' aus der Oper 1933 bis 1945".
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.