Als Adolf Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt wurde, nutzten die Nationalsozialisten die ihnen zufallenden Machtmittel, um mit großer Entschlossenheit und brutaler Gewalt gegen die politischen Gegner und – mit einer zeitlichen Verzögerung – gegen die jüdische Bevölkerung vorzugehen.
Wie im gesamten Reich wurden auch in Essen Hunderte von Kommunisten und Sozialdemokraten verhaftet und für viele von ihnen begann eine Zeit des Schreckens, in der sie von den SA- und SS-Männern gequält und erniedrigt wurden.
Der Boykott jüdischer Geschäfte am 8. März war der Auftakt der antijüdischen Aktionen in Essen, dem weitere folgen sollten. Der im April zum Oberbürgermeister ernannte Verleger Theodor Reismann-Grone jubelte: „Die Juden ernten Sturm mit Recht. 80 % unserer Arbeit ist Beseitigung der Juden.“ Entsprechend rigoros ging die Stadtverwaltung bei der Entlassung von Stelleninhaber*innen jüdischen Glaubens vor.
Niemand von denjenigen, die von den Boykotten und Berufsverboten betroffen waren, konnte sich vorstellen, dass dies erst den Beginn einer Leidensgeschichte darstellte, an deren Ende die Ermordung von mehr als 2500 Essener jüdischen Männer und Frauen stand.
Wie der Prozess der „Machtergreifung“ ablief und wie die „Entjudung“ der Gesellschaft in Essen vonstattenging, schildert Dr. Klaus Wisotzky anhand zahlreicher Einzelbeispiele.
Dr. Klaus Wisotzky ist in Gelsenkirchen-Buer-Erle aufgewachsen und studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Düsseldorf. Er promovierte zum Thema des Ruhrbergbaus im Dritten Reich, ließ sich zum Archivar ausbilden und kam über das Stadtarchiv Ratingen nach Essen, wo er das Haus der Essener Geschichte / Stadtarchiv bis Oktober 2018 leitete.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur modernen Stadt-, Sozial- und zur Archivgeschichte.