Die Justizgefangenenlager Rodgau. Strafvollzug und Zwangsarbeit 1938 bis 1945

Vortrag/Vorlesung
16. April 2015
20:00 - 00:00 Uhr
Ort: Museum der VG Eich, Hauptstr. 10, 67578 Gimbsheim
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

Neben den Konzentrationslagern in Osthofen 1933 bis 1934, in Neustadt an der Weinstraße 1933, dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert 1939 bis 1945 und verschiedenen KZ-Außenlagern gab es während der NS-Diktatur auch auf dem Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz weitere NS-Lager und Haftstätten, die nur wenig bekannt oder dem Vergessen anheimgefallen sind. Dies waren bspw. ehemalige Polizeihaftlager, die 1940 unter der Regie des SS-Sonderlagers Hinzert zur Disziplinierung und Bestrafung von Westwall- und Autobahnarbeitern fungierten. Nahezu völlig aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz geraten sind bislang die Gefangenenlager Rodgau, die unter der Regie der Generalstaatsanwaltschaft Darmstadt bestanden, die damals auch für den Bereich Rheinhessen zuständig war. Die hessische NS-Justiz sperrte verurteilte Personen nicht nur in die regulären Strafanstalten (Zuchthäuser, Gefängnisse) ein, sie bauten sich - parallel zur SS und Gestapo (Konzentrationslager, Polizeihaftlager) – ein eigenes Lagersystem auf. Das lag zum Einen an der enormen Zunahme an Gefangenen, die jedoch häufig nur gegen spezielle Bestimmungen verstoßen hatten, die von den Nationalsozialisten zur Umsetzung ihrer rassistischen Ideologie und menschenverachtenden Herrschaft erlassen worden waren. Zum anderen spielten aber auch wirtschaftliche Projekte (Meliorationsprogramme) eine Rolle, denn Strafgefangene wurden auch als Arbeitskräfte bei der Reichsbahn, in der Landwirtschaft und in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Die Haftbedingungen in den hessischen Gefangenenlagern Rodgau und auch die Arbeitseinsätze in verschiedenen „Außenarbeitsstellen“ waren für die Gefangenen oft ähnlich katastrophal und unmenschlich wie in anderen NS-Lagern.

Es freut uns, dass Dr. Heidi Fogel, die beste Kennerin der Gefangenenlager Rodgau, in ihrem Vortrag einen Überblick über diese Lager geben wird. Im Anschluss an den Vortrag wird Uwe Bader seitens der Gedenkstätte KZ Osthofen einen ersten Werkstattbericht über den Stand der bisherigen Recherchen zum sog. „Polenlager“ Eich geben. Das Lager in Eich wurde 1942 zum Stammlager III der Gefangenenlager Rodgau. Am Ende der Veranstaltung soll darüber gesprochen werden, ob und wie diese Lager und ihre Opfer auch in Rheinhessen und Südhessen dem Vergessen entrissen werden sollen. Wegen des regionalen Bezugs wird dieser Vortragsabend gemeinsam mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet und das Museum der Verbandsgemeinde Eich als Veranstaltungsort gewählt.

Begrüßung:Dr. Gunter Mahlerwein (Museum der Verbandsgemeine Eich)

Vortrag: „Die Gefangenenlager Rodgau. Strafvollzug und Zwangsarbeit 1938 bis 1945“ -  Dr. Heidi Fogel (Historikerin Neu-Isenburg)

Werkstattbericht: Bisherige Recherchen zum Stammlager III in Eich – Sollte man das Lager dem Vergessen entreißen? – Uwe Bader (Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz)