„Die Heimat erwartet Euch!” Die Repatriierung sowjetischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg

Vortrag/Vorlesung
23. Mai 2012
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide
Veranstalter: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide

Begrüßung: Dr. Christine Glauning, BerlinVortrag: Dr. Ulrike Goeken-Haidl, NürnbergModeration: Dr. Silvija Kavčič, Berlin

Die Heimführung von rund 5 Millionen Sowjetbürgern nach ihrer Befreiung aus Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und den von der Wehrmacht besetzten Gebieten war geprägt von den machtpolitischen Konstellationen des 20. Jahrhunderts: Als ehemalige Opfer des NS-Zwangsarbeits-systems geriet die Frage der Übergabe der von den Westalliierten befreiten 3 Millionen "Soviet Displaced Persons" in den sowjetischen Machtbereich zur Auseinandersetzung zwischen Washington, London und Moskau. In dem Maße, in dem die Westalliierten die Repatriierung nach den Wünschen der sowjetischen Besatzungsinstitutionen zu gestalteten versuchten, verdächtigte der Kreml seine ehemaligen Bündnispartner der Obstruktion.


Da die sowjetischen Institutionen die Heimkehrer unter kollektiven Kollaborationsverdacht stellten, schloss sich für einen beträchtlichen Teil der zurückkehrenden Sowjetbürger Isolations- und Bestrafungsmaßnahmen an. Im Zuge des Kalten Krieges gerieten dann diejenigen Heimkehrer wieder ins Visier Moskaus, die von den Westalliierten befreit worden waren. Eine aus München heimgekehrte Zwangsarbeiterin, die nach ihrer Rückkehr ihre Schuhe ausgerechnet in amerikanischem Zeitungspapier aufbewahrt hatte, wurde deshalb Ende der 1940er Jahr der angloamerikanischen Spionage bezichtigt. Die Rekonstruktion dieser Ereignisse ist nach Archivrecherchen in Moskau und Washington Ende der 90er Jahre möglich geworden. Dabei konnten Akten gesichtet werden, die heute wieder unter Verschluss sind.

Einladung