Vortrag: Prof. Dr. Dieter Pohl, Klagenfurt
Moderation: Dr. Peter Klein, Berlin
Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei
Kaum ein Bereich der Geschichtswissenschaft ist so breit institutionell verankert und so intensiv erforscht worden wie die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen. Allein der Bibliothekskatalog der Gedenkstätte Yad Vashem zählt momentan 127.000 Einträge. Dennoch fehlt es weithin an Synthesen, die nicht nur einen Überblick über den Verlauf des Mordes an den europäischen Juden geben, sondern auch die zahlreichen anderen Massenverbrechen und Opfergruppen angemessen berücksichtigen, so das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen, der Mord an Kranken und Behinderten, an Sinti und Roma, an Zivilisten im Rahmen des deutschen Anti-Partisanenkampfes und an vielen anderen Gruppen. Für eine umfassende Analyse des „Dritten Reichs”, aber ebenso für seine Einordnung in die allgemeine Geschichte, etwa für vergleichende Fragestellungen, erscheint eine Gesamtbetrachtung notwendig. In seinem Vortrag diskutiert Dieter Pohl den Stand der Forschung und die Probleme der Konstruktion einer solchen Synthese, aber auch die gängigen Interpretationen der NS-Verbrechen.
Dieter Pohl, 1964 geboren, ist Professor für Zeitgeschichte an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Von 1995 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte der nationalsozialistischen Besatzung und Verbrechen in Osteuropa, zur Geschichte kommunistischer Systeme und zur Geschichte der Ukraine vorgelegt, darunter Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941–1944. Organisation und Durchführung eines staatlichen Massenverbrechens (1996), Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945 (2003) und Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944 (2008).
Peter Klein, 1962 geboren, ist wissenschaftlicher Angestellter bei der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Er hat zu unterschiedlichen Aspekten der deutschen Besatzungspolitik in Osteuropa publiziert, darunter zum Schicksal der Juden in verschiedenen Ghettos und zur Partisanenbekämpfung der Wehrmacht in Weißrussland.