Vortrag von Dr. des. Tommaso Speccher
Um über den Holocaust zu sprechen, nachzu-denken und zu schreiben, bedarf es nicht nur der genauen Betrachtung eines breiten Spektrums an historischen Ereignissen, individuellen und kollektiven Repräsentationen sowie epochalen Fragestellungen. Nötig ist auch die Untersuchung von dessen physischer Darstellung, in Form von Memorialen, Gedenkstätten und Erinnerungs-architekturen.
Anhand der Analyse der politischen Themen und architektonisch-konzeptionellen Debatten, die den Aufbau zweier bedeutender nationaler Mahnmale der letzten Jahre (das Museum der Shoah in Rom und das Mahnmal für die ermor-deten Juden Europas in Berlin) begleitet haben, werden in dem Vortrag die politischen wie auch die philosophischen Kernfragen herausge-arbeitet, die sich hinter der Darstellung des Holocausts innerhalb der heutigen europäischen Erinnerungskultur definieren: Welche genaue politische Funktion haben diese Memoriale "dritter Generation"? Wie kann es sein, dass völlig unterschiedliche nationale Erinnerungskulturen sich auf eine allgemeine europäische Erinnerungskultur ausrichten?
Dr. des. Tommaso Speccher, Lehrer und Historiker, hat Philosophie in Italien studiert und seinen Doktortitel im Juli 2014 an der Freien Universität am Institut für Philosophie erworben. Er ist Autor mehrerer Bücher und Aufsätze über Erinnerungskultur, Ästhetik und Ethik.