"Der Russeneinsatz war ein vollkommener Fehlschlag". Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland 1941/42

Vortrag/Vorlesung
22. März 2012
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Gedenkstätte und Museum Trutzhain
Veranstalter: Gedenkstätte und Museum Trutzhain

Im Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion wurden von deutscher Seite das Völkerrecht und kriegswichtige Konventionen weitgehend missachtet. Den sowjetischen Kriegsgefangenen verweigerte die Wehrmacht eine Behandlung nach den Grundsätzen der Internationalen Genfer Konvention von 1929. Infolge unzureichender Versorgung, brutaler Behandlung, harter Arbeit und durch gezielte Mordaktionen kamen bis Ende des Krieges mindestens 2,6 Millionen sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam ums Leben.

Im Juli 1941 trafen die ersten Transporte mit sowjetischen Kriegsgefangenen im Reichsgebiet ein. Dort hatte die Wehrmacht besondere "Russenlager" eingerichtet. Von hier aus wurden die Gefangenen auf andere Lager und Arbeitskommandos weiter verteilt. Wie neuste Forschungsergebnisse belegen, kamen die ersten sowjetischen Gefangenen, die das STALAG IX A Ziegenhain erreichten, aus den Lagern IX B Sandbostel und X D Wietzendorf in Niedersachsen.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht das Schicksal der Gefangenen im Lager Wietzendorf und in den Lagern und Arbeitskommandos im Wehrkreis IX (Hessen/Thüringen). Fotos, Berichte von Zeitzeugen und Dokumente aus deutschen und russischen Archiven vermitteln einen anschaulichen Eindruck von den Geschehnissen. Mit seinen Untersuchungen liefert Keller einen wichtigen Beitrag zur Frage nach der Mitverantwortung der Wehrmacht an den Verbrechen im Nationalsozialismus.