"DER RHEIN FLIESST INS MITTELMEER"

Film
Diskussion/Gespräch
18. November 2024
19:30 Uhr
Ort: Filmhaus Köln, Maybachstraße 111, 50670 Köln
Veranstalter: Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.

Der Überfall der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war das schlimmste antisemitische Pogrom seit der Shoah – ein weiterer Tag des kollektiven Gedenkens, der in die Geschichte eingehen wird. In solchen Momenten wird die Verarbeitung von Traumata für die Nachfahren der Shoah-Überlebenden zu einer noch allgegenwärtigeren Herausforderung. Die Spirale von Feindseligkeiten und Gewalt scheint unaufhaltsam und die Hoffnung auf Heilung wird durch diese Ereignisse erneut erschüttert.

Offer Avnons Film Der Rhein fließt ins Mittelmeer verknüpft auf eindrückliche Weise die persönliche und kollektive Erinnerung. Er zeigt die schmerzhaften Widersprüche und Verdrängungen, die sowohl die jüdische als auch die nicht-jüdische Gesellschaft in Deutschland und Israel betreffen. Der israelische Regisseur spricht über verdrängte Gefühle, Antisemitismus und Hass. Der Film behandelt, wie historische Traumata in der Gegenwart aufbrechen – oft durch unerwartete Auslöser. Avnon, selbst Sohn eines Holocaust-Überlebenden, untersucht in seiner Dokumentation die Fragmente dieser Erinnerungen und zeigt, wie unvollständig oder widersprüchlich sie sich manifestieren. Avnon lässt den Zuschauerinnen und Zuschauern Raum für eigene Assoziationen, während er uns in einen Dialog zwischen den Gegensätzen zieht – zwischen Verdrängung und Erinnerung, zwischen Schuld und dem schwierigen Prozess des Verstehens.

Nach dem Film wollen wir mit dem Regisseur Offer Avnon und dem Arzt und Psychotherapeuten Dr. Peter Pogany-Wnendt ins Gespräch gehen, um gemeinsam nach Spuren und Gegenwart der Shoah in unserer heutigen Gesellschaft und unserem Bewusstsein zu suchen.

Kontakt: Katharina Pysmenna / pysmenna@nsberatung.de
BUNDESVERBAND INFORMATION & BERATUNG FÜR NS-VERFOLGTE e.V.
Genovevastraße 72 / 51063 Köln / Tel. +49 (0) 221 17 92 94 16

 

"DER RHEIN FLIESST INS MITTELMEER"
Dokumentarfilm, Israel, 2021, 95 Min., Regie: Offer Avnon, OmeU
In Anwesenheit des Regisseurs Offer Avnon
Moderation: Katja Garmasch


Eine Suche nach den Spuren und der Gegenwart der Shoah in unserer heutigen Gesellschaft und in unserem Bewusstsein.

Podiumsgast: Dr. Peter Pogany-Wnendt – Arzt und Psychotherapeut, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises für intergenerationale Folgen des Holocaust. In seiner Arbeit befasst er sich seit Jahren intensiv mit den intergenerationalen Folgen des Holocaust und Gefühlserbschaften.


„Als Sohn eines Holocaust-Überlebenden und als Mensch, der sich entschied, nach Deutschland zu emigrieren, suche ich nach den kognitiven Auswirkungen des Holocausts und dem möglichen Einfluss auf seine Wahrnehmung in unserer Gesellschaft. Die Interview-Sequenzen stellen einen inhaltlichen Rahmen für die Bilderwelten dar, die eine gewisse Autonomie entwickeln. Der subjektive Charakter des Films entsteht durch das starke Band zwischen uns und unserer Geschichte. Dass wir traumatisiert sind, erklärt sich von selbst. Das Thema, so persönlich und gefühlsgeladen es auch ist, enthält dennoch eine signifikante politische Bedeutsamkeit, die ersichtlich wird, wenn der Film fortschreitet, die Landschaft langsam von Deutschland nach Polen wechselt und sich meiner Heimatstadt Haifa nähert, in dem jüdischen und arabischen Menschen Seite an Seite leben.“ (Offer Avnon)

VVK ab Mitte Oktober über filmhaus-koeln.de/kino
 
Eine Veranstaltung vom Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.
Das Projekt “Welche Stimme haben wir?” wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.