Ende 1941 entwickelten die beiden Wiener Anthropologinnen Dr. Dora Maria Kahlich und Dr. Elisabeth Fliethmann ein „rassenkundliches“ Projekt zur „Erforschung typischer Ostjuden“. Dafür wurden 1942 in der deutsch besetzten polnischen Stadt Tarnów mehr als hundert jüdische Familien, insgesamt 565 Männer, Frauen und Kinder fotografiert.
Von diesen überlebten nur 26 den Holocaust und konnten später davon berichten. Erhalten geblieben sind rund 2.000 Fotos und Kurzbiografien der Ermordeten. Die anthropometrischen Zwangsporträts fertigte mit „kaltem Blick“ ein ambitionierter junger Fotograf an: Rudolf Dodenhoff aus Worpswede.
In den meisten Fällen sind es die einzigen Bilder der Menschen, die sich erhalten haben. Nach 1945 kehrte Rudolf Dodenhoff (1917-1992) nach Worpswede zurück und wurde ein einfühlsamer Porträtist und geschätzter Fotograf norddeutscher Moorlandschaften. Seinen Nachlass hat Dodenhoff von sämtlichen fotografischen Aktivitäten im Nationalsozialismus gereinigt.