Lesung mit Lorenz S. Beckhardt (Köln)
Die Geschichte einer ungewöhnlichen deutsch-jüdischen Familie – von aufstrebenden Kaufleuten im 19. Jahrhundert über den Großvater Fritz Beckhardt, den glühenden Patrioten und mutigen Piloten im Ersten Weltkrieg, bis zur Generation, die nach 1945 einen Neuanfang im Land der Täter wagt.
Lorenz S. Beckhardt, in einem katholischen Internat erzogen, erfuhr erst als Achtzehnjähriger, dass er Jude ist. Allmählich erhellte sich ihm das Leben seiner Vorfahren. Sein Großvater Fritz, gelernter Textilkaufmann, war aus dem Ersten Weltkrieg als der höchst dekorierte deutsche Jude zurückgekehrt. Nach 1933 wurde er wegen Rassenschande inhaftiert, kam aber mithilfe seines ehemaligen Geschwaderkameraden Hermann Göring frei und konnte emigrieren. Sohn Kurt und Tochter Hilde gelangten mit Kindertransporten nach England. Andere Verwandte wurden deportiert und ermordet. Nach dem Krieg pochte er auf die Einlösung des Versprechens, das er dem Schwiegervater beim Abschied gegeben hatte: „Papa, Hitler wird den Krieg verlieren. … wir kommen zurück; auch nach diesen ‚tausend Jahren‘ wird es noch Juden am Rhein geben.“ Selbst die Nazis hatten seine Kämpfernatur nicht gebrochen. Das vermochte erst die Wiedergutmachungsbürokratie der frühen Bundesrepublik.
Bewegend schildert Lorenz Beckhardt – Chemiker und Wissenschaftsjournalist bei WDR, ARD und 3sat - die Schicksale seiner Verwandten und die eigene Selbstfindung, die Folgen von Schweigen und Verdrängen sowie den schweren Neubeginn in der alten Heimat.
- in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Dorsten -