Vortrag von Dr. Alexa Stiller
Die ersten Personen, die die deutsche Wehrmacht und die
Sicherheitsorgane im Zuge der Besatzung Polens internierten,
deportierten und ermordeten, waren so genannte Aufständische.
Darunter subsumierten die militärischen und zivilen
Dienststellen die gesamte polnische und jüdische Intelligenzija,
d.h. nicht nur die staatliche, sondern auch die gesellschaftliche
und religiöse Funktionselite. In den Fokus der Verfolgung gerieten
darüber hinaus Personen, die als „Deutschenhasser“ galten,
in der Zwischenkriegszeit Zugewanderte und „rassisch Minderwertige“.
In ihrem Vortrag verdeutlicht Dr. Alexa Stiller, wie
diese Verfolgungsmaßnahmen mit den deutschen Annexions-,
Germanisierungs- und Siedlungsinteressen zusammenhingen.
Welche Formen der Massengewalt die verschiedenen deutschen
Akteure (Militär, Einsatzgruppen, Zivilverwaltung, Hilfspolizei/
„Volksdeutsche“, etc.) anwendeten, warum die frühen Massenerschießungen
beendet wurden und welche Konsequenzen
daraus für die weitere deutsche Besatzungsherrschaft erwuchsen,
sind weitere Vortragsschwerpunkte. Außerdem der weitere
Verlauf der deutschen Besatzungs- und Gewaltpolitik während
des Zweiten Weltkrieges .
Dr. des. Alexa Stiller ist wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl
für Zeitgeschichte in globaler Perspektive am Historischen
Institut der Universität Bern. Derzeit bereitet sie ihre Dissertation
„Germanisierung und Gewalt: Nationalsozialistische Volkstumspolitik
in den polnischen, französischen und slowenischen Annexionsgebieten,
1939-1945“ zum Druck vor. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten
zählen u.a. die Erforschung der Geschichte des
Nationalsozialismus, die Nürnberger Prozesse und Gewaltgeschichte
in vergleichender Perspektive.
Donnerstag, 01.09.2016, 19 Uhr | Haus der Region,
Hildesheimer Str. 18, 30169 Hannover, N 001
Veranstalter: Region Hannover, Gedenkstätte Ahlem