Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Der als Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg geplante Feldzug führte zu einer beispiellosen Brutalität in der Kriegsführung und der Besatzungspolitik. Der Überfall markierte zugleich den Beginn des Holocaust - die Ermordung der Jüdinnen und Juden in allen von Deutschland eroberten und besetzten Ländern.
Auch an der so genannten Heimatfront wurde der Krieg geführt: Mehrere Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und zivile Zwangsarbeiter*innen mussten unter menschenunwürdigen und todbringenden Bedingungen leben und arbeiten.
Es dauerte länger als drei Jahre, bis Deutschland diesen Angriffskrieg verloren hatte. Er kostete nach unterschiedlichen Schätzungen allein aus der Sowjetunion fast 30 Millionen Menschen oder mehr das Leben.
Die Vortragsreihe nimmt den 80. Jahresstag des deutschen Überfalls zum Anlass, verschiedene Aspekte dieses "Krieges im Krieg" zu beleuchten. Es bestimmt heute das Bild vom Zweiten Weltkrieg. Trotzdem ist das Wissen über ihn, vor allem seine Bedeutung für das Zentralverbrechen des Nationalsozialismus, den Judenmord, nur unzureichend präsent im öffentlichen Bewusstsein.
Die Einwahldaten bitte unter info@alte-synagoge-wuppertal.de anfordern; sie werden Ihnen am Nachmittag des jeweiligen Vortragstags zugeschickt.
Der deutsch-sowjetische Krieg 1941-1945 im Kontext
Vortrag von Prof. Dr. Dieter Pohl, Universität Klagenfurt
Der Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges und die Verbrechen der deutschen Besatzungsherrschaft sind inzwischen weithin bekannt. Freilich ist es notwendig, diesen epochalen Konflikt auch in größerer Perspektive zu sehen, nämlich als Versuch des deutschen Reichs, eine globale Hegemonie zu erreichen, als Teil des globalen Zweiten Weltkriegs, aber auch als zentrales Kapitel der Vernichtungspolitik NS-Deutschlands und der Gewalt der "Achsenstaaten".
Dieter Pohl ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Klagenfurt und Autor zahlreicher Publikationen zu den Themenfeldern "Holocaust" und "Vernichtungskrieg". Seine Forschungsschwerpunkte sind die nationalsozialistische Besatzungsherrschaft und Gewaltverbrechen, der Zweite Weltkrieg in Europa und Asien, die Geschichte der Sowjetunion, die Kriegsfolgen, die Geschichte kommunistischer Systeme nach 1945, Massengewalt im 20. Jahrhundert sowie die Zeitgeschichte Polens und der Ukraine.