Der Autor und ehemalige Journalist des Wochenmagazins „Stern“ Niklas Frank kommt am Dienstag, den 10. Juni 2014, ab 19 Uhr, auf Einladung der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain ins Stadtmuseum Riesa. In einer 45-minütigen Lesung stellt er neben seinem aktuellen Buch „Bruder Norman!“ auch die vorangegangenen Werke „Der Vater - Eine Abrechnung“ und „Meine deutsche Mutter“ vor und gibt dadurch einen eindrucksvollen Einblick in die Verstrickung seiner Familie in den Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945. Am Mittwoch, den 11. Juni 2014, wird vormittags zudem eine geschlossene Veranstaltung mit Schülern des Berufsschulzentrum Riesa stattfinden.
Niklas Frank wurde 1939 als Sohn von Hans Frank geboren, der zwischen 1939 und 1945 Generalgouverneur im besetzten Polen und überzeugter Anhänger Hitlers war. Als Chef der dortigen Zivilverwaltung trug er politisch die Mitverantwortung für die Vernichtung von Millionen Juden und Polen in den Vernichtungslagern Treblinka, Majdanek, Sobibor und Belzec. Im Nürnberger Prozess wurde er als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt und 1946 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Mutter Brigitte Frank, die selbsternannte „Königin von Polen“ und überzeugte Nationalsozialistin, bereicherte sich schamlos an Schmuck und Pelzen in Polen und zeigte niemals Reue, weder für ihr Verhalten noch für die von ihrem Mann und dem NS-Regime begangenen Verbrechen.
1987 sorgte Niklas Frank mit der literarischen Abrechnung mit seinem Vater national und international für Aufsehen. Gnadenlos setzte er sich mit seinem Vater und dessen Verbrechen auseinander. Fast zwei Jahrzehnte später schrieb er ein ebenso gnadenloses Buch über seine Mutter. Im letzten Jahr folgte dann mit „Bruder Normann! ‚Mein Vater war ein Naziverbrecher, aber ich liebe ihn‘“ der dritte Teil einer Art Familientrilogie. In einem unerbittlichen Dialog mit seinem Lieblingsbruder Norman, der seinen Vater, trotz der begangenen Verbrechen, zeitlebens verehrte, ringen die beiden um die Macht von Gefühlen, die Macht der Verdrängung und um die Frage, wie man als Sohn eines NS-Täters überlebt?
Niklas Frank hat aus seiner Familiengeschichte ein Lebenswerk gemacht. Als Täterkind hat er stellvertretend für andere Kinder von NS-Tätern das jahrzehntelange Schweigen gebrochen und eine bis heute andauernde Debatte über die Schuld in der eigenen Familie und die Frage nach dem Umgang der nachfolgenden Generation mit diesem schweren Erbe begonnen.
Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Stadtmuseum Riesa, dem LAP Riesa-Großenhain, der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain und dem Förderverein der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain organisiert. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Vor Ort gibt es die Möglichkeit das aktuelle Buch „Bruder Norman! ‚Mein Vater war ein Naziverbrecher, aber ich liebe ihn‘“ zu erwerben.
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Kontakt: | Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain | Öffentlichkeitsarbeit |
| Anett Dremel | Tel. 03525 510472 |
| Anett.dremel@stsg.smwk.sachsen.de | Fax 03525 510469 |
| www.ehrenhain-zeithain.de |
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