Damit die Welt es erfährt - Illegale Dokumente polnischer Häftlinge aus dem Konzentrationslager Ravensbrück

Lesung
30. September 2016
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Sanderstraße 8, Berlin-Neukölln
Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

In den Jahren 1939−1945 waren etwa 40.000 Polinnen in Ravensbrück gefangen, die aufgrund ihrer Tätigkeit im Widerstand, ihrer Zugehörigkeit zur polnischen Elite, als Jüdinnen oder als Zwangsarbeiterinnen festgenommen worden waren. Sie bildeten die größte nationale Haftgruppe unter den 120 000 Häftlingen aus 30 Ländern in dem Frauenkonzentrationslager.

Neben schwerer Zwangsarbeit und erbärmlichen Lebensbedingungen waren insbesondere die Polinnen von den Erschießungen in Ravensbrück betroffen sowie den medizinischen Experimenten, die im Lager durchgeführt wurden. Insbesondere die politischen Gefangenen führten im Lager ihre Widerstandstätigkeiten fort: So gelang es ihnen, durch illegale Korrespondenzen die Leitung der Untergrundarmee und die Exilregierung in London über die Verbrechen an den Häftlingen zu informieren: „Damit die Welt es erfährt...“

Diese Dokumente – Briefe, Operations- und Exekutionslisten, aber auch Gedichte – sind nun erstmals in deutscher Sprache erschienen. Sie geben Einblick in das Denken und Fühlen von Frauen, deren Überlebenswille nicht gebrochen werden konnte. Sie hofften auch in fast aussichtsloser Lage auf eine bessere Welt ohne Hass und Krieg.

Die Vorstellung des Buches umfasst eine Einführung in die Geschichte des Konzentrationslagers Ravensbrück sowie eine Lesung ausgewählter Texte in deutscher Sprache.

Die Herausgeberin Dr. Andrea Genest ist Politikwissenschaftlerin und hat über polnische und deutsche Zeitgeschichte an der FU Berlin und am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam gearbeitet. Sie wirkte in Gedenkstätten in Polen und Deutschland.

Die Übersetzerin Inge Gerlinghoff hat Germanistik und Slawistik studiert und als Lehrerin gearbeitet. Zu ihren Übersetzungen aus dem Polnischen und Russischen gehören Erinnerungen, Gedichte und Zeugnisse von überlebenden ehemaligen Häftlingen. Sie ist ehrenamtliche Mitarbeiterin des Maximilian-Kolbe-Werkes.