Ceija Stojka (1933 – 2013): Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz

12. Juli 2014
14:00 - 00:00 Uhr
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Besucherinformationszentrum
Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Eine sequentielle Ausstellung in drei Teilen


21.06. – 26.07.2014: Galerie Nord/Kunstverein Tiergarten, Berlin

02.07. – 31.08.2014: Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz Zehlendorf, Berlin

12.07.-12.09.2014: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Fürstenberg/Havel



Im Januar 2013 starb Ceija Stojka in Wien. Die Angehörige der Lovara (von ungarisch Lo = Pferd, Pferdehändler) – einer zu den Roma gehörigen und in Österreich ansässigen Volksgruppe – wurde als Zehnjährige mit einem großen Teil ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, während ihr Vater bereits zuvor in der „Euthanasie“-Anstalt Hartheim vergast worden war. Aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurde die 11-jährige mit ihrer Mutter in das KZ Ravensbrück deportiert. Dort wurde sie unter anderem in der Nähstube zur Arbeit gezwungen. Ihre Befreiung erlebte sie im KZ Bergen-Belsen.


Zusammen mit ihrem Bruder Karl Stojka war sie die erste, die in den 1980er-Jahren in Österreich das Schweigen der Opfer durchbrach und fortan offen als Romni und Künstlerin auftrat, über ihr Schicksal in Veranstaltungen berichtete und es bildnerisch, literarisch sowie musikalisch verarbeitete. 1988 begann Ceija Stojka autodidaktisch mit dem Zeichnen und Malen. Ihre Werke erregten international große Aufmerksamkeit und wurden in vielen europäischen Ländern sowie in Japan und den USA ausgestellt.


Mit ihrem Zyklus „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“ hat die 1933 im österreichischen Burgenland geborene Romni Ceija Stojka ein eindrucksvolles künstlerisches Narrativ über die Verfolgung und den Genozid an den Roma und Sinti im Nationalsozialismus geschaffen.


Der schätzungsweise 180 Blätter umfassende und im Laufe mehrerer Jahre entstandene Zyklus von Tuschezeichnungen und Gouachen „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“ wird in der von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt für den Kunstverein Tiergarten/Galerie Nord konzipierten Ausstellung so vollständig wie noch nie zuvor gezeigt und in einer begleitenden Publikation veröffentlicht. In einer parallelen Ausstellung in der Schwartzschen Villa wird eine Auswahl von Ceija Stojkas Gemälden zu sehen sein. Sie repräsentieren einen weiteren Teil von Stojkas Werk, der im Kontrast zu den überwiegend auf Schwarz und Weiß reduzierten Tuschezeichnungen und Gouachen die Verfolgung und den Terror in bunten Farben schildert.


Ergänzend zu den beiden Ausstellungen ihres Auschwitz-Zyklus in Berlin zeigt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zeitgleich die in ihren Sammlungen vorhandenen Bilder der Künstlerin. Dazu zählen unter anderem ein Gemälde der Oberaufseherin Dorothea Binz und ein Gemälde, das die Kinderweihnachtsfeier in Ravensbrück 1944 zeigt. Außerdem wird das 2001 entstandene Porträt Ceija Stojkas des Dresdner Malers Christoph Wetzel ausgestellt.


Im Rahmen der Berliner Ausstellungen finden Filmabende statt sowie am Tag der Ausstellungseröffnung in Ravensbrück eine Busfahrt unter Leitung der Historikerin Barbara Danckwortt in die Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück (siehe unten).


Publikation

Die umfangreiche (ca. 450-Seiten) und dreisprachige (Deutsch, Englisch, Romanes) Monografie beinhaltet den gesamten grafischen Zyklus „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“ (inklusive der rückseitigen Texte von Ceija Stojka) sowie eine Auswahl von Acrylgemälden Stojkas zum Thema des Völkermords an den Sinti und Roma. Aufsätze von Barbara Danckwortt (Historikerin) und Tímea Junghaus (Kunsthistorikerin und Roma-Aktivistin aus Ungarn, die den 1. Roma-Pavillon auf der Biennale di Venezia 2007 konzipierte) widmen sich der traumatischen Erfahrung von Stojkas Lagerhaft sowie der künstlerischen Verarbeitung. Die Regisseurin Karin Berger berichtet von der engen Zusammenarbeit mit Ceija Stojka bei den Dreharbeiten ihrer Dokumentarfilme. Die beiden Herausgeber, Lith Bahlmann und Matthias Reichelt, führen in das Thema und den Kontext des bildnerischen Werkes ein. Integraler Bestandteil des Buchs ist eine DVD mit den beiden filmischen Portraits Ceija Stojkas von Karin Berger.

Die Publikation erscheint im Verlag für Moderne Kunst Nürnberg.



Begleitprogramm der Berliner Ausstellungen

12.07.2014, 9 – 19 Uhr: Bustour zur Gedenkstätte Ravensbrück zur Eröffnung der Sonderausstellung mit Führung und Vortrag von Barbara Danckwortt (Historikerin)

Anmeldung erbeten bis zum 10.07.2014 unter lithbahlmann@remove-this.gmx.de

Unkostenbeitrag: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro


31.08.2014, 17 Uhr: Filmvorführung „Ceija Stojka – Portrait einer Romni / Unter Brettern Hellgrünes Gras“ mit Dr. Karin Berger (Schwartzsche Villa)



Ausstellungsorte

Galerie Nord/Kunstverein Tiergarten

Turmstraße 75 EG, 10551 Berlin

21.06. – 26.07.2014

Eröffnung: 20.06.2014, 19 Uhr

Öffnungszeiten: Di – Sa, 13 – 19 Uhr, Eintritt frei

www.kunstverein-tiergarten.de


Schwartzsche Villa, Kulturamt Steglitz Zehlendorf

Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin

02.07. – 31.08.2014

Eröffnung: 01.07.2014, 19 Uhr

Musik: Dejan Jovanovic, Akkordeon

Öffnungszeiten: Di – So, 10 – 18 Uhr, Eintritt frei

www.kultur-steglitz-zehlendorf.de


Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel

12.07.-12.09.2014

Eröffnung 12.07.2014, 14 Uhr

Ort: Besucherinformationszentrum

Öffnungszeiten: Di – So, 9 – 18 Uhr (Gelände: bis 20 Uhr), Eintritt frei

www.ravensbrueck.de



Pressekontakt für die Berliner Ausstellungen

Denhart v. Harling . segeband.pr . dh@segeband.de . +49 179 4963497

Pressekontakt für die Ausstellung in Ravensbrück

Dr. Horst Seferens. seferens@remove-this.stiftung-bg.de +49 3301 8109 20