Im Jahr 2005 veröffentlichte Beate Niemann eine Biografie über ihren Vater, den Kriminaldirektor, SS-Sturmbannführer und zeitweiligen Gestapo-Chef von Belgrad Bruno Sattler. Sattler war 1947 in die sowjetische Besatzungszone verschleppt und 1952 in der DDR in einem Geheimprozess zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt worden – er starb 1972 im Gefängnis.
Beate Niemann ließ die Leser*innen an der Recherche über den Täter-Vater teilhaben: Ihre Familie hatte das Urteil nie akzeptiert, und sie war aufgewachsen in dem Glauben, dem Vater, den sie nur aus Erzählungen und von kurzen Besuchen in Gefängnis kannte, sei Unrecht getan worden. Daher setzte sie sich für seine Freilassung, später für seine Rehabilitierung ein. Erst in den 1990er Jahre, nach dem Mauerfall, konnte Niemann die einschlägigen Akten einsehen und musste schmerzhaft erkennen, dass ihr Vater ein Massenmörder war.
In ihrem neuen Buch geht es nun um die Reaktionen, die auf ihre Veröffentlichung hin folgten – in Gesprächen, bei Veranstaltungen, in Briefen. Sie erfuhr dabei nicht nur Zustimmung zu ihrer Offenheit, sondern auch scharfe Kritik an dieser „Nestbeschmutzung“.
Beate Niemann ist ausgebildete Auslandskorrespondentin. Sie arbeitete bei Amnesty International und als freie Vollzugshelferin in der Strafanstalt Berlin-Tegel sowie beim Diakonischen Werk und der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Schlachtensee und ist Mitglied des Historikerlabors Berlin.