Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Ort
NS-Dokumentationszentrum München, Auditorium
Eintritt/Anmeldung
Eintritt frei. Mit einer Voranmeldung per E-Mail sichern Sie sich einen Sitzplatz: veranstaltungen.nsdoku@muenchen.de
Die in den USA entstandene christliche Gemeinschaft der „Bibelforscher“ (ab 1931: „Zeugen Jehovas“) wurde trotz der nur etwa 25.000 Angehörigen in Deutschland von den Nationalsozialisten als ernste Bedrohung für „Volk und Staat“ empfunden. Wegen ihrer Botschaft vom herannahenden Weltuntergang, der Lenkung aus den USA und der Verweigerung des Kriegsdienstes hatte sie den Hass völkisch-antisemitischer Kreise auf sich gezogen. Deshalb wurden die von den Nationalsozialisten als „Wegbereiter des jüdischen Bolschewismus“ diffamierten Zeugen Jehovas als erste von vielen Glaubensgemeinschaften verboten, in Bayern bereits am 13. April 1933. Trotz des hohen Risikos führten weit mehr als 10.000 Zeugen Jehovas ihre Zusammenkünfte, den Druck ihrer Schritten und die Missionsaktivitäten beharrlich und unter Anwendung von konspirativen Techniken fort. Allein in München organisierten sich Ende 1936 in der Illegalität 23 Gruppen, die auch mit Flugblättern auf die Verfolgung ihres Glaubens aufmerksam machten. Das Regime reagierte mit aller Schärfe. Vor den Sondergerichten wurden in so genannten Bibelforscherverfahren Tausende abgeurteilt.
Besonders unbeugsame Gläubige wurden ab Mitte der 1930er-Jahre zu Hunderten in Konzentrationslager eingeliefert, wo die SS die „Bibelforscher“ mit dem "lila Winkel“ als eigenständige Haftgruppe kennzeichnete. Im Krieg ließ die Wehrmachtjustiz 270 Zeugen Jehovas hinrichten. Keine andere Religionsgemeinschaft hat mit einer vergleichbaren Geschlossenheit und Unbeugsamkeit dem nationalsozialistischen Druck widerstanden.
Dr. Detlev Garbe ist Historiker und Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.