Balkan-Express. Klassenfahrt mit einem „Muselmann“.

14. November 2013
19:30 - 00:00 Uhr
Ort: Jüdisches Museum Westfalen
Veranstalter: Jüdisches Museum Westfalen

Was vielleicht von Auschwitz bleibt. Ein Live-Hörspiel von und mit Schüler/innen aus Ahlen

Wie kann Erinnerungsarbeit an die systematische Ermordung der europäischen Juden heute aussehen? Die Schüler eines Literaturkurses von Dietmar Hecht am Ahlener Gymnasium St. Michael versuchen mit ihrem Hörspiel Balkan-Express. Klassenfahrt mit einem „Muselmann“ eine eigene Antwort. In einer Textcollage verwebt Hecht verschiedene literarische Ebenen aus den autobiografischen Erinnerungen „Der grauende Morgen“ von Imo Moszkowicz. Der ehemalige KZ-Häftling fragt sich, ob er nicht wie Orest, der Mutter und Stiefvater tötete, um deren Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen, selbst schuldig wurde.

Schüler proben ein Theaterstück: Bei der Vorbereitung einer Reise an die slowenische Grenze bei Graz, wo die Asche des Ahlener Ehrenbürgers Moszkowicz auf dem Anwesen seines Schwiegervaters Armin Dadieu – einst ein ranghoher Nazi – verstreut ist, geraten die Schüler in Streit. Dabei vergessen sie zeitweise den Anlass für die Reise. Es geht nun um die alltäglichen Konflikte der Jugendlichen untereinander. Wie konnte es Moszkowicz gelingen, in Auschwitz zu überleben? „Durchboxen“ wird für ihn beim Überlebenskampf zu einer zentralen Vokabel – so, wie sich im Hörspiel Alex, Blondinen-Schwarm, Boxer im Fight-Club und Klassen-Simpel, mit dem antiken Held Achill aus der mit Brad Pitt verfilmten Troja-Sage als Vorbild, im Schulalltag durchboxt. Sein Gegenpart ist Kassandra, die Klassen-Emanze, die in Alex und seinem Achill-Wahn nur das „Vieh“ sieht. Das Hörspiel stellt die Frage nach dem komplizierten Verhältnis zwischen Täter und Opfer neu.

Veranstaltungsort: Jüdisches Museum Westfalen

Gebühr: 5 EUR (4 EUR für Vereinsmitglieder, 3 EUR für Schüler/innen)