Antiziganistische Ermittlungsansätze der Polizei- und Sicherheitsbehörden

25. Januar 2018
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: VHS Hannover, Burgstraße 4, 30669 Hannover
Veranstalter: Rosa Luxemburg-Stiftung Niedersachsen, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

Vortrag & Diskussion mit Dr. Markus End

Deutsche Polizeibehörden haben spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, antiziganistische Ermittlungsansätze zu etablieren. Von der Einrichtung des sogenannten „Zigeunernachrichtendienstes“ 1899 lassen sich personelle und materielle Verbindungslinien bis in die Bundesrepublik ziehen. Im Nationalsozialismus waren Polizeibehörden maßgeblich an der Organisation des Völkermordes beteiligt. Im Vortrag werden nach einer kurzen historischen und theoretischen Einbettung vielfältige Beispiele gegenwärtiger antiziganistischer polizeilicher Ermittlungsansätze vorgestellt, analytisch eingeordnet und kritisiert.

Dr. Markus End ist Politikwissenschaftler mit den Arbeitsschwerpunkten Theorie und Empirie des Antiziganismus, antiziganismuskritische Bildungsarbeit und vergleichende Vorurteilsforschung.


Eine Veranstaltung aus der Reihe „75 Jahre Auschwitz-Erlass – Kontinuitäten des Rassismus gegen Sinti und Roma“

Anlässlich des 75. Jahrestages des sog. Auschwitz-Erlasses, der die reichsweite Deportation von Sinti und Roma in das KZ Auschwitz anordnete, findet die Veranstaltungsreihe "75 Jahre Auschwitz-Erlass – Kontinuitäten des Rassismus gegen Sinti und Roma" in Hannover und Celle statt. Neben der Erinnerung an historisches Unrecht, behandelt diese insbesondere die Kontinuitäten und die Gegenwart des Rassismus gegen Sinti und Roma.

Auch in Niedersachsen begannen Anfang 1943 Verhaftungen und Deportationen in das Vernichtungslager. Die rassistischen Denk- und Handlungsmuster waren jedoch mit Kriegsende 1945 keineswegs aus der Welt. Bis zur politischen Anerkennung des NS-Völkermords in Deutschland vergingen fast 40 Jahre. Dass es 1982 hierzu kam, ist ausschließlich dem lautstarken Protest der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma zu verdanken. Das 2012 eingeweihte Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin steht symbolhaft für diese neue bundesdeutsche Geschichtspolitik.

Doch die neue Politik ist eng mit einer erneuerten Schuldabwehr verknüpft. Diese Dialektik aus Anerkennung und Abwehr zeigt sich aktuell vor allem am Umgang mit geflüchteten Roma aus den Westbalkanstaaten. Denn deren Festlegung als sichere Herkunftsstaaten verdeutlicht eine paradoxe Gleichzeitigkeit, die in der Anerkennung historischer Verfolgung bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber dem Rassismus besteht, vor dem Roma insbesondere aus Südosteuropa fliehen.

Die Veranstaltungen der Reihe im Überblick

75 Jahre Auschwitz-Erlass. Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma. Voraussetzungen, Verlauf, Erinnerung

Montag | 11. Dezember 2017 | 19:00 Uhr

Kulturzentrum Pavillon | Lister Meile 4 | Hannover

Antiziganistische Ermittlungsansätze der Polizei- und Sicherheitsbehörden

Donnerstag | 25. Januar 2018 | 19:00 Uhr

VHS Hannover | Burgstraße 14 | Hannover

Antiziganismus in der deutschen Nachkriegszeit und der Kampf um Anerkennung

Freitag | 2. Februar 2018 | 19:00 Uhr

VHS Hannover | Burgstraße 14 | Hannover

Diskriminierung von Sinti und Roma. Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus

Montag | 05. Februar 2018 | 10:30 Uhr

Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung | Bödekerstraße 11 | Hannover

Anerkennung, Gleichberechtigung und Bleiberecht. Die Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma und die Bleiberechtskämpfe geflüchteter Roma seit den 1990ern

Donnerstag | 8. Februar 2018 | 19:00 Uhr

ver.di-Höfe | Goseriede 10 | Hannover

Institutioneller Rassismus gegen Roma in Europa

Mittwoch | 14. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Kargah | Zur Bettfedernfabrik 1 | Hannover

Minderheiten unter Druck

Sonntag | 18. Februar 2018 | 12:00 Uhr

Gedenkstätte Ahlem | Heisterbergallee 10 | Hannover

„The Awakening“ – Film und Diskussion mit dem Regisseur Kenan Emini

Freitag | 23. Februar 2018 | 19:00 Uhr

VHS Celle | Trift 20 | Celle

Zur Situation abgeschobener Roma in den Westbalkanstaaten

Freitag | 23. Februar – Dienstag | 13. März 2018

VHS Celle | Trift 20 | Celle

Roma und Sinti in Bergen-Belsen – Geschichten von Verfolgung, Erinnerung und Aufarbeitung

Montag | 5. März 2018 | 10:00 – 16:00 Uhr

Gedenkstätte Bergen-Belsen | Anne-Frank-Platz | Lohheide

Von der religiösen Stigmatisierung zum Anti-Roma-Rassismus. Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus

Dienstag | 13. März 2018 |18:30 Uhr

VHS Celle | Trift 20 | Celle


Die Veranstaltungsreihe "75 Jahre Auschwitz-Erlass – Kontinuitäten des Rassismus gegen Sinti und Roma" ist ein Kooperationsprojekt der Rosa Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und dem Modellprojekt „Kompetent gegen Antiziganismus (KogA) – in Geschichte und Gegenwart“ der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in Zusammenarbeit mit dem AStA Universität Hannover, der Gedenkstätte Ahlem, der Hochschule Hannover, dem Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover, dem Roma Antidiscrimination Network, dem Roma Center Göttingen, Romane Aglonipe e.V., der Volkshochschule Celle und der Volkshochschule Hannover.