Tagung: "Künstler im Nationalsozialismus"

11. September 2013

Die Erforschung der Situation der Künstler zwischen 1933 und 45 ging in den letzten Jahrzehnten oftmals von einer Polarität zwischen einerseits "Nazi-Künstlern" wie Albert Speer oder Arno Breker und andererseits den als politisch "nicht mehr tragbar", "entartet" oder als "nichtarisch" ausgegrenzten und verfolgten Künstlern wie Carl Hofer, Oskar Schlemmer, Felix Nussbaum oder Charlotte Salomon aus. Hierbei wurde der Focus eingeengt, sodass der gleichzeitig weiter laufende "normale" Kunstbetrieb aus dem Blick geriet. Damit blieben auch die bei einer Mehrheit der Künstler nicht selten in sich widersprüchlichen und im Zeitverlauf wechselnden Einstellungen zu den unterschiedlichen Aspekten der NS-Kultur unberücksichtigt. Bekanntlich hat sich ein schließlich "verfemter", modernistisch-expressiver Künstler wie Emil Nolde bereits in den 1920er Jahren selbst weltanschaulich im völkisch-nationalen Spektrum des Nationalsozialismus verortet. Um die Realität der Künstler in ihren individuellen Handlungsspielräumen und Entscheidungen empirisch zuverlässig zu untersuchen, müssen daher auch die Ambivalenzen oder wechselnden Positionen zum Nationalsozialismus erfasst werden.

In einer kulturgeschichtlichen Perspektive ist ferner nach den langfristigen Bedingungen zu fragen, in denen sich der "Künstlerhabitus" bilden und in seinen Varianten entfalten konnte. Der Nationalsozialismus strebte die Durchformung der vielschichtigen Kultur in Deutschland mit einem Kanon der "Deutschen Kultur" und Kunst bei gleichzeitiger "Säuberung" von angeblich "artfremden" ästhetischen Formen an. Daher wurde seit 1933 versucht, diese Normen in den Institutionen des Kunstbetriebes und der Künstlerausbildung mit dem Ziel der "nationalen" Ausrichtung strikter durchzusetzen.

Im Dezember 2011 hat sich eine erste Tagung an der Universität der Künste Berlin zum Thema "Künstler im Nationalsozialismus" bereits eingehender mit der Entwicklung der Institutionen der Künstlerausbildung zwischen 1933 und 45 beschäftigt.

Die zweite Tagung "Künstler im Nationalsozialismus" strebt eine stärkere Synthese von kunst-, kultur- und politikgeschichtlichem Wissen als Voraussetzung zur empirischen Rekonstruktion der Abläufe an. Ihr Konzept ist darauf ausgerichtet den Überblick weiter zu präzisieren und den Forschungsstand in den sonst überwiegend separierten Wissensfeldern zu versammeln.

Einige Leitfragen zielen auf die Kontextualisierung der einzelnenT hemen:  Wie verlief der Konnex zwischen den einzelnen Künstlern und der politikgeschichtlichen Entwicklung? In welchem Maße lassen sich Verbote und Behinderungen der künstlerischen Arbeit empirisch nachweisen? Wie wirkte die Prägekraft des zum Leitbild stilisierten Paradigmas der "Deutschen Kultur" auf die künstlerische Arbeit? In welchem Grade beteiligten sich die einzelnen Künstler an der ästhetischen Ausgestaltung der völkischen Kunstutopie? In welchem Grade diente die Ikonographie des soldatischen Mannes und des Krieges bei einzelnen Künstlern der Veranschaulichung des nationalsozialistischen Weltbildes? Wie ist das Verhältnis zwischen der Kontinuität des bürgerlichen Kunstbetriebes, dem konventionell-akademischen Kunstgeschmack und der politischen Neuausrichtung auf die "rassisch" begründete Gesellschaft zu bestimmen? In welchem Maße verfügten andererseits einzelne Künstler über Handlungsspielräume bis hin zur Zuwendung zu oppositionellen Netzwerken?

Ein Teil der Vorträge steht bereits fest. Forscher mit abgeschlossenen oder weit fortgeschrittenen Arbeitsprojekten zu den Themen sind aufgerufen, ihr Exposé für einen möglichen Vortrag (max. 1500 Zeichen) einzureichen.

Deadline: 25. September 2013

Arbeitsstelle für kulturgeschichtliche Studien, Universität der Künste Berlin, Prof. Dr. Wolfgang Ruppert 01.11.2013-03.11.2013, Berlin, Universität der Künste