AUSSCHREIBUNG
von zwei Projekten zur Erarbeitung pädagogischer Materialien zur Verflechtung der
Geschichte des Nationalsozialismus mit der Geschichte des Nahen Ostens
Bewerbungsfrist: 1. Juli 2016
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts bewegen die Themen Globalisierung und Migration verstärkt wissenschaftliche und pädagogische Diskussionen über einen zeitgemäßen Umgang mit Geschichte. Inzwischen liegen vielfältige Erkenntnisse zu transnationalen Fragestellungen vor: zur Globalgeschichte, aber auch zur Verflechtungs- oder Beziehungsgeschichte von sozialen und politischen Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert. Damit wird die Vorgeschichte unserer weltweit vernetzten Gegenwart sichtbar, werden nationalgeschichtliche Engführungen überwunden und neue Deutungen für die historisch-politische Bildung verfügbar. Unter aktiver Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteure entstehen neue und partizipative Bildungsangebote, veränderte Narrative mit erweiterten Geschichtsbezügen und oftmals auch kritische Interventionen zu etablierten Perspektiven. Mit den jüngsten Fluchtbewegungen nach Europa und insbesondere nach Deutschland haben solche transnationalen Zugänge noch einmal verstärkt an Bedeutung gewonnen.
In diesen gesellschaftlichen Prozessen sieht die Stiftung EVZ wichtige Anregungen auch für die Bildungsarbeit zur Geschichte und Verarbeitung des Nationalsozialismus und für die weitere Entwicklung der Erinnerungskultur in Deutschland und Europa. Anknüpfend an die Ausschreibung eines verflechtungsgeschichtlichen pädagogischen Materials zum Thema Nationalsozialismus und Kolonialismus im Jahr 2015 möchte die Stiftung daher zwei weitere Projekte fördern, die wissenschaftliche Erkenntnisse in pädagogische Bildungsmaterialien übersetzen.
Verflechtungsgeschichtliche Perspektiven setzen voraus, dass größere historische Ausschnitte über die Jahre 1933 bis 1945 hinaus und ebenso größere Räume in den Blick genommen werden. So geht es zum einen um die Verflechtungen zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich bzw. der modernen Türkei, zum anderen um die verflochtene deutsch-jüdisch-arabische Geschichte des Nahen Ostens, jeweils in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zentrale Bezugspunkte für die Entfaltung verflechtungsgeschichtlicher Fragestellungen sollen dabei die Geschichte des Nationalsozialismus, die deutsch-jüdische Geschichte sowie Fragen nach der Entwicklung von Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sein.
Vor diesem Hintergrund schreibt die Stiftung die Förderung von zwei Projekten aus, die – wissenschaftlich begründet – pädagogische Materialien für die historisch-politische Bildung zu jeweils folgendem Thema erarbeiten:
1. Verflechtung der deutschen Geschichte mit der Geschichte des Osmanischen Reiches bzw. der modernen Türkei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
2. Verflechtung der deutschen Geschichte mit der Geschichte des arabisch-jüdischen Nahen Ostens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Für die Entwicklung dieser Materialien stehen jeweils bis zu 150.000 Euro zur Verfügung. Obwohl beide Themen eng miteinander zusammenhängen ist vorgesehen, zwei verschiedene Projekte zu fördern. Die Stiftung will damit unterschiedlichen Zugängen bei der Entfaltung verflechtungsgeschichtlicher Fragestellungen für die pädagogische Praxis Raum geben. Dabei wird gleichwohl die Bereitschaft beider für die Förderung ausgewählten Projekte vorausgesetzt, sich zu Beginn abzustimmen, um größere Überschneidungen zu vermeiden und wechselseitige Bezugspunkte oder auch Synergieeffekte zu identifizieren.
Die Materialien sollen in digitaler Form (Texte, Zeitleisten, Grafiken, Fotos, Karten, Videos u. ä.) erstellt werden und im Rahmen der hier ausgeschriebenen Förderung in Hinblick auf ihre Zielgruppenadäquatheit erprobt sein. Die für eine Verbreitung im Internet ggf. erforderlichen Rechte sind im Rahmen des Projektes einzuholen bzw. zu erwerben. Für die anschließende Verbreitung ist ggf. eine gesonderte kleine Anschlussförderung möglich, die nicht Teil dieser Ausschreibung ist.
Die Stiftung geht davon aus, dass die Projekte in ihrer Anlage folgende Gesichtspunkte
berücksichtigen: Die Materialien
In der Konzipierung und Umsetzung der Projekte werden in geeigneter Weise
Unter einem „verflechtungsgeschichtlichen Ansatz“ wird eine Bezugnahme auf historische Prozesse verstanden, die sich – zeitgleich oder zeitversetzt – in wesentlicher Weise wechselseitig beeinflusst haben. Vergleichsgeschichtliche Ansätze (wie etwa Vergleiche historischer Konstellationen, Systemvergleiche, Genozidvergleiche u. ä.) sind mit dieser Ausschreibung nicht intendiert.
Nicht gefördert werden Projekte, die allein oder überwiegend künstlerische, wissenschaftliche, dokumentarische oder politische Prozesse anregen sollen.
Antragstellung
Modalitäten des Ausschreibungsprozesses und der Förderung
Informationen und Kontakt
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
Leonore Martin
Lindenstr. 20–25
10969 Berlin
Tel.: 030-25 92 97-45