Fakten und Hintergründe zum Pressegespräch
Gedenkstätten sind Erinnerungsorte der politisch-historischen Bildung und befinden sich in der Regel an authentischen Orten. In der Bundesrepublik gibt es zahlreiche Gedenkstätten, davon allein über zwanzig in NRW.
In Bonn hat die Entstehung der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus zwar mit einem authentischen Ort zu tun – dem der Synagoge am Rheinufer, die am 10. November 1938 zerstört wurde –, sie befindet sich aber nicht dort.
Pläne für die Pestalozzi-Schule
Deshalb steht der Trägerverein nach dreißig Jahren erneut vor der Frage, wo der zukünftige Standort der Gedenkstätte in Bonn sein kann.
In den letzten Jahren wurde von Verwaltung und Politik der konkrete Plan verfolgt, die Gedenkstätte gemeinsam mit Stadtarchiv und Stadtmuseum im Gebäude der ehemaligen Pestalozzi-Schule unterzubringen. Dazu liegen auch – wie in der Ausschreibung der Stadt gefordert - von den Investoren für das Viktoriakarree Gestaltungspläne vor.
Als Standort für die Gedenkstätte präferiert der Trägerverein den derzeitigen Standort in der Franziskanerstraße - in der Nähe zum Synagogenmahnmal - oder den in der Pestalozzi-Schule.
Unpassender Vorschlag
Der Trägerverein erfuhr allerdings mit Erstaunen und Enttäuschung aus der Presse von Plänen der Stadtverwaltung, die Gedenkstätte im Stadthaus unterzubringen. Anders als in der Presse dargelegt, wurde die Gedenkstätte in diese Überlegungen nicht mit einbezogen.
Das Stadthaus als Standort für die Gedenkstätte ist unwürdig und unpassend: Ein Funktionsgebäude aus den 1970er Jahren, von dem gleichzeitig diskutiert wird, es abzureißen, kann kein angemessener Ort sein, um an die Opfer und Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern. Auch angesichts der internationalen Besucher, darunter zahlreiche Angehörige Bonner NS-Opfer, geriete die Stadt hier sicher in Erklärungsnot.
Gedenkstätte an historischem Ort
70 Jahre nach Befreiung der Konzentrationslager gehört es zum Bildungsauftrag der Gedenkstätten in Deutschland die Gegenwartsdimension der Verbrechen am historischen Ort zu vermitteln. Daher fordert der Trägerverein für die Gedenkstätte Bonn einen angemessenen Standort.
Das haben die Mitglieder des Trägervereins in ihrer Versammlung am 10. Juni 2015 erneut bekräftigt.
Sich mit der NS-Geschichte auseinanderzusetzen gehört heute zum Selbstverständnis Deutschlands – eine Aufgabe, die von Bund, Ländern und Gemeinden grundlegend gestützt wird. Für einen angemessenen und würdigen Standort Sorge zu tragen, ist auch Aufgabe der Stadt Bonn und deren politischer Entscheidungsträger. Die Stadt Bonn muss daher mit der Gedenkstätte im Gespräch bleiben. Für eine Gedenkstätte an einem historischen Ort können auch Fördermittel des Bundes beantragt werden.
Geschichte der Gedenkstätte in Bonn
Seit dreißig Jahren zeigt die Gedenkstätte Bonn wie das Gedenken an die NS-Opfer zukunftsfähig gestaltet und an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert werden kann. Sie steht für die Erinnerungskultur in der Stadt Bonn. Vor dreißig Jahren auf Initiative von Bonner Bürgerinnen und Bürgern gegründet, ist die Gedenkstätte heute eine viel beachtete und besuchte Einrichtung. (Aktuell mit 176 Einzelmitglieder und 36 Institutionen).
Im Jahr 1983 begannen die Planungen, auf dem Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge am Rheinufer einen Hotelneubau zu errichten. Das gab 1984 den Anstoß zur Gründung des Vereins „An der Synagoge“, mit dem Ziel, unmittelbar an dem ehemaligen Synagogengrundstück eine Gedenkstätte zu errichten. Nach langen Diskussionen über den Standort stellte die Stadt Bonn ein „Werkhaus für eine Bonner Gedenkstätte“ in Bad Godesberg zur Verfügung. Im Jahr 1995 zog die Einrichtung an den heutigen Standort an der Franziskanerstraße 9 und bekam hier die Möglichkeit eine Dauerausstellung zu zeigen, die im November 1996 eröffnet wurde. 2005 wurde diese basierend auf dem neusten Forschungsstand grundlegend überarbeitet. 2012 erfolgte eine umfassende Ergänzung des Gedenkraums, in dem an die ermordeten Opfer aus Bonn namentlich erinnert wird.
Pressetext zum Standort der Gedenkstätte Bonn vom 16.06.2015