Seit 2002/2003 erforschen Volker Mall und Harald Roth das KZ Außenlager Hailfingen/Tailfingen und den Nachtjägerflugplatz Hailfingen. Im Zentrum der Recherchen standen langedieHäftlinge. AlsErgebnis dieser langjährigen intensiven Suche liegen inzwischen Informationen zu den meisten Häftlingen vorliegen. Aus Nummern wurden nicht bloß Namen, sondern in vielen Fällen Lebensgeschichten von Individuen. Im letzten Jahr wurde nun vermehrt nach den Tätern gesucht.
In Rastatt war 1946 durch Befehle des französischen Oberbefehlshabers (CCFA) ein Gericht eingerichtet worden, das zuständig war für Prozesse gegen Personen, die der Begehung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Orten beschuldigt wurden, die nun zur französischen Zone gehörten. Vor diesem Gericht wurden drei Personen wegen des Tatkomplexes Hailfingen angeklagt: Der Vorarbeiter und Schachtmeister der Organisation Todt, Karl Bäuerle (geb. 1896) und die Kapos Leo Kac (geb. 1922) und Abram Stuttmann (1913-1987), selbst ehemalige Häftlinge. Die Ermittlungen waren relativ langwierig; die erste Anklageschrift stammt vom Mai 1947 sein, Urteile gegen die drei Angeklagten ergingen aber erst 1949.
Das Schwäbische Tagblatt hat zwar ab November 1946 regelmäßig über diese Rastatter Prozesse berichtet; einen Bericht über den Tatkomplex Hailfingen gibt es weder hier noch im Herrenberger Gäubote.
Fast 20 Jahre nach den Urteilen von Rastatt begannen die westdeutschen Strafverfolgungsorgane mit Ermittlungen zum Tatkomplex Hailfingen. Im Oktober 1967 ersuchte die seit 1958 bestehende Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg die Tübinger Kriminalhauptstelle, Vorermittlungen zu diesem Tatkomplex durchzuführen. Nach Abschluss der Ermittlungen im November 1969 führte die Staatsanwaltschaft Stuttgart zwei Ermittlungsverfahren durch, eines gegen Leo Kac und eines gegen Bruno Störzer, in Hailfingen Bauleiter der Organisation Todt, Karl Bäuerle, einen ehemaligen ukrainischen Wachmann namens Mischa und gegen Unbekannt. Beide Verfahren wurden eingestellt. Gegen die eigentlich Verantwortlichen wurde nicht ermittelt. Einer der Hauptverdächtigen, der ehemalige Lagerkommandant SS-Unterscharführer Eugen Witzig (geb. 1911), war im Dezember 1945 bei einem Unglücksfall (Minenexplosion) in französischer Internierung ums Leben gekommen.
Nach Anton von Schönberger, ab Herbst 1944 Platzkommandant des Flugplatzes Hailfingen (Platzkommandoführer, eingesetzt als Stabsoffizier des Flugplatzes) und damit u.a. auch Vorgesetzter von Eugen Witzig, dem Kommandanten des KZ-Außenlagers Hailfingen/Tailfingen wurde im Rahmen des Rastatter Prozesses vergeblich gefahndet; fälschlicherweise wurde als commandant du camp de concentration de Hailfingen bezeichnet.
Es wurde angenommen, er sei vor dem Krieg Apotheker in Wien gewesen und evtl. dorthin zurückgegangen.
Die Anfrage bei der österreichischen Polizei und dem Wiener Stadtarchiv im August 1948 blieb ohne Ergebnis. In den Verhörprotokollen und Dokumenten der Rastatter Prozesse und der Vorermittlungen in den 1960er Jahren gibt es unterschiedliche Nachnamen: von Schönberg, von Schömberg oder Schönbach. Der Vorname Anton taucht in den uns bis vor Kurzem vorliegenden Dokumenten nie auf. Das hat die Ermittlungen und die Recherche erschwert. Außerdem wird mehrfach nicht von Schönberger sondern Hermann oder Herrmann (Werner Hermann) als Kommandant bzw. Hauptverantwortlicher für das Lager genannt (s.o.).
Josef Henkel, der Bauleiter der auf dem Flugplatz tätigen Firma Michael Gärtner sagte aus, von Schömberg sei für die schlechte Unterbringung der Häftlinge verantwortlich.gewesen.
Von Karl Roger, der im Juni 1944 einen Luftwaffenhelferlehrgang in Herrenberg bzw. Hailfingen leitete, stammt der wichtige Hinweis, der Leiter des Flughafengeländes sei ab Juni 1944 Kommandant von Schönberger gewesen. Er habe das Lager einige Tage vor der Ankunft der französischen Truppen verlassen und sei am 19. April 1945 in Ehingen an der Donau gesehen worden. Er könne sinnvoller weise in der Region Wien gesucht werden, wo er vor dem Krieg den Beruf des Apothekers ausgeübt haben soll.
Auch Raphael Schmid, Bürgermeister von Hailfingen 1938 bis 1946 erwähnt Schönberger:
Hermann sei Leiter des Fluggeländes und unterstand dem Kommandanten Schönberg, dessen Vornamen er nicht kannte. Schönberg habe zwei Tage vor der Ankunft der Franzosen die Stellung verlassen.
Bei den Vorermittlungen sagte Bruno Störzer 1968 aus, Flugplatzkommandant sei ein Hauptmann der Luftwaffe gewesen, „v. Schönberg oder Schömberg“, damals zwischen 50 und 60 Jahre alt und Diabetiker.
Auch Stabsarzt Dr. Ernst Rothe sagte im Februar1968, der Flugplatzkommandant sei ein österreichischer Hauptmann der Luftwaffe gewesen, der „durch und durch Nazi“ war.
Unsere Recherchen im Freiburger Militärarchiv und im Wiener Staats- uns Stadtarchiv haben inzwischen ergben:
Anton von Schönberger ist am 16.4.1893 in Wien geboren, hat nach dem Abitur vier Semester an der Technischen Hochschule Wien studiert, wurde dann Kaufmann und hat als Bankbeamter gearbeitet. Er nahm in der österreichischen Armee am Ersten Weltkrieg teil. Ab September 1919 wohnte er in Wien 6, Hornbostelgasse 2/79.
Bereits 1932 trat er in die NSDAP ein. Er wurde am 26.4.1940 eingezogen und war 1940 u.a. in der Fliegerhorstkommandantur Hagenow, danach in Belgien, 1941 in Serbien und Griechenland, dann in Russland, 1942 schließlich in den Fliegerhorstkommandanturen Riga und Ansbach (bis Juni 1943). Danach war er in Süditalien (Tarent, Foggia, Aviano) und später in Bozen, wo er wegen Hypertonie im Lazarett lag. Im Juni 1942 hat er Elfriede geb. Bruns geheiratet. Das Paar hatte keine Kinder.
Von Anfang bis Herbst 1944 war er als „genesender Offizier ohne Dienstverrichtung“ im Luftwaffenersatzbataillon VII, das im Herbst 1942 in Grosselfingen in Württemberg aufgestellt und 1943 nach Nagold verlegt worden war.
Am 15.10.1944 wurde er Platzkommandoführer in Hailfingen. Seine Vorgesetzten waren Fliegerhorstkommandant Major Wilhelm Schwartz und Fliegerhorstkommandant Oberstleutnant Arthur van Aken von Quesar (s.u.).
Am 1.3.1945 wurde er – mit Verzögerung - zum Major (der Reserve zur Verwendung) befördert. In seiner Kriegs-Beurteilung heißt es u.a.:
„Seine in den letzten Wochen sich steigernden Atembeschwerden bei, auch nur kleinen körperlichen Anstrengungen, zeigen, dass er im Außendienst nur noch sehr beschränkt verwendungsfähig ist.“
Nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 hatte die Luftwaffe ihre an der Westfront stationierten Einheiten ins Reichsgebiet zurückverlegen müssen. Die I. Gruppe des 6. Nachtjägergeschwaders (NJG 6) kam nach Neubiberg in der Nähe von München, später nach Echterdingen-Hailfingen-Großsachsenheim-Schleißheim-Neubiberg. Sie sollte nun zur Abwehr von Angriffen auf Süddeutschland eingesetzt werden. Ab Mai 1944 wurde deshalb der Ausbau des Flugplatzes Hailfingen forciert. Acht bis 15 Maschinen (Me 110 bzw. Bf 110 und Ju 88 G, Standardnachtjäger der deutschen Luftwaffe bis zum Kriegsende) nahmen an Einsätzen von Hailfingen aus teil. Diese Jagdflugzeuge versuchten Flugzeuge der Alliierten anzugreifen, bevor diese ihre Ziele – wie den Flughafen Stuttgart-Echterdingen – erreichten.
Nach dem wenig erfolgreichen Einsatz im Zusammenhang der Ardennenoffensive (Dezember 1944) gab es noch einige Einsätze im Januar, weitere am 2. und 3. Februar 1945. Am 7./8. Februar kam der telefonische Bescheid von der Fliegerhorstkommandantur Kitzingen, dass für Monat Februar dem Stab NJG 6 kein Otto-Kraftstoff zugewiesen wird. Das war das Ende.
Am 14./15.2.1945 fand vermutlich der letzte Einsatz statt. Am 25./26. Februar gab es drei Tiefangriffe durch einen Schwarm Thunderbolt auf den Platz Dabei wurde eine Ju 88 zerstört und eine Baracke in Brand geschossen.
Ende März wurde der Flugplatz aufgelöst und das Nachtjagdgeschwader I./NJG 6 per Land- und Bahnmarsch nach Schleißheim verlegt. Am 6./7. April 1945 zerstörte ein Sprengtrupp der Wehrmacht die Start- und Landebahn.
Am 15.4.1945 wurde von Schönberger von van Aken mit der Abwicklung der Fliegerhorstkommandantur E (v) 234/VII (Hailfingen) beauftragt.
Kurz vor Ankunft der französischen Truppen in Tailfingen hat er sich am 18.4.1945 nach Wien abgesetzt. Bis 1950 wohnte er dort in seiner alten Wohnung.
Gegen ihn wurde in Österreich strafrechtlich nie ermittelt.
Werner Hermann (*18.1.1914) war wohl von Schönbergers Stellvertreter als Platzkommandant und war für die Wachmannschaften verantwortlich.
Seit 1.12.1942 war er Hauptmann. Im August 1943 wurde er zum Generalluftzeugmeister, Amtsgruppe Flakentwicklung (GL/Flak-E) versetzt und war zu mindestens noch Ende 1943/Anfang 1944 dort eingesetzt.
Vielleicht ergibt die im Januar 2016 gestellte Anfrage bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) weitere Einzelheiten, v.a. auch seiner Tätigkeit in Hailfingen.urde
Die Befehlsstruktur auf dem Flugplatz ist einigermaßen undurchsichtig.
Fliegerhorstkommandanten waren schon 50-jährigen „Veteranen“ Wilhelm Schwartz und Arthur van Aken-Quesar.
Major Wilhelm Schwartz (*10.1.1894) war bis September 1944 der Luftwaffen-Felddivision (v.a. an der Ostfront) zugeteilt.Vom 15.9.1944 bis Januar 1945 war er Kommandant in Hailfingen. Als der Platrz eigentlich schon aufgelöst war, wurde er Im März 1945 zum Oberst befördert.
Am 3.1.1945 war er wohl von Oberstleutnant Arthur van Aken-Quesar (*13.9.1895) abgelöst worden.
Arthur van Aken-Quesar war in verschiedenen Fliegerhorstkommandanturen in Skandinavien stationiert (Stavanger, Petsamo) Unter anderem war er Ende 1943 als Oberstleutnant in der Kommandantur A 207/III Banak/Lakselv in Nordnorwegen. Ende 1944 wurde er zum Flieger-Ersatz-Bataillon XVII in Seyring bei Wien versetzt. Und danach nach Hailfingen.
Kompaniechef der Landesschützen
Als Landesschützen wurden mehrere Infanterieeinheiten des Heeres der Wehrmacht bezeichnet, die hauptsächlich aus Wehrpflichtigen der Landwehr (35–45 Jahre, bei Kriegsbeginn also Geburtsjahrgänge 1894–1904) und des Landsturms (über 45 Jahre, bei Kriegsbeginn also ab Geburtsjahrgang 1894 und niedriger) bestanden.
Landesschützen wurden in der Regel zu Besatzungs- und Sicherungsaufgaben verwendet, die Ausstattung und Ausbildung war entsprechend mangelhaft.
Der für die Aufstellung der Posten verantwortliche Kompaniechef der Landesschützen war ein Hauptmann Rieger. Offensichtlich hat allerdings der „hierfür nicht zuständige Platzkommandant“ (von Schönberger) „von Oktober 1944 bis zum 15.1.1945“ unberechtigt in seine Postenaufstellung eingegriffen.
Kommandoführer des Russenkommandos war ab 2.1.1945 Unterfeldwebel Keppler.
Das ‚Arbeitskommando Tailfingen’ mit sowjetische Kriegsgefangenen war dem Bereich des Stalag V B in Villingen zugeordnet, erhielt die Nummer 50002 und umfasste im September 1942 mindestens 84 russische Kriegsgefangene.
Die sowjetischen Kriegsgefangenen waren in einer Baracke am Nordrand des Flugplatzgeländes untergebracht waren, die mit Stacheldraht umzäunt war. Ungefähr zehn bis zwölf Infanteriesoldaten der Wehrmacht bewachten die Gefangenen, die vor allem in den umliegenden Steinbrüchen arbeiten mussten.
Wir wissen weder, woher die Soldaten der Roten Armee kamen, noch wohin sie nach der Auflösung des Lagers gebracht wurden. Lediglich von einem Soldaten ist der Name überliefert: Tarpet Ossipjan. Er starb am 14. oder 15. September 1944 auf dem Flugplatz und wurde in Hailfingen begraben – vermutlich außerhalb der Friedhofsmauer, wie auch die ebenfalls dort begrabenen griechischen Zwangsarbeiter. Am 24. Oktober 1949 wurde er in ein Sammelgrab in Münsingen umgebettet
Bauleiter der Organisation Todt war Bruno Störzer (1915 bis 1994).
„Der Beschuldigte Störzer hat bei seiner Vernehmung vom 24.9.1968 den ihm … gemachten Vorwurf bestritten. Nach seinen Angaben hatte er nur die Oberaufsicht über die auf dem Flugplatz beschäftigten Firmen. Mit der Verpflegung und Unterbringung der Häftlinge sowie mit der Zuteilung derselben an die anderen Baufirmen habe er nichts zu tun gehabt.“ (Bl.397) „Dem Beschuldigten Störzer kann nicht nachgewiesen werden, dass er an der Tötung von Häftlingen im Lager Hailfingen beteiligt war… kann seine Einlassung, er habe mit der Verpflegung und Unterbringung der Häftlinge nichts zu tun gehabt, nicht widerlegt werden.“ (Bl.400) „Das Verfahren wird aus diesen Gründen nach § 170 Abs.2 StPO eingestellt.“ (Bl.401) Einstellungsverfügung der Zentralstelle Ludwigsburg vom 13.1.1971.. |
Bruno Störzer war 1934 in die NSDAP eingetreten und hatte sich dem SA-Studentensturm angeschlossen. In seiner Vernehmung 1968 gab Störzer an, dass er sich von der SA habe beurlauben lassen müssen, da er bereits dem NSFK (Nationalsozialistischen Fliegerkorps) angehört habe. Im März 1937 wurde der junge, staatlich geprüfte Tiefbauingenieur unter der Luftwaffenbauleitung West in Stuttgart als örtlicher Bauleiter beim Bau eines E-Flughafens in Dornberg, Kreis Buchen, eingesetzt. Auch beim Bau des E-Hafens in Donaueschingen war er der Bauleiter. Nach der Genesung von einem Minensplitter, der ihn im Dezember 1941 während des Angriffs auf die Sowjetunion traf, wurde er im Juni 1943 zunächst als örtlicher Tiefbauleiter auf den Verkehrsflughafen in Echterdingen abgestellt. Bevor er im Juli oder August 1944 nach Hailfingen kam, übernahm er ab Mai kurzzeitig die Tiefbauleitung der Flugplätze im Elsass. Vorgesehen war, dass Störzer nach Abschluss der Bauarbeiten in Hailfingen nach Höpfingen gehen und dort für einen in Planung befindlichen Flughafen zwischen Rütschdorf und Guggenberg die nächste Bauleitung übernehmen sollte.
In Hailfingen sorgte Störzer für eine strengere Bewachung der griechischen Zwangsarbeiter und war mitverantwortlich für deren schlechte Situation in Hailfingen sowie später für die katastrophalen Bedingungen der jüdischen KZ-Häftlinge. Als Bauleiter übte Störzer die Oberaufsicht über sämtliche im Flugplatzbau beschäftigten Firmen aus.
Obwohl bereits im amerikanischen Untersuchungsbericht von Alex de Lipthay festgehalten wurde, dass Bauleiter Bruno Störzer die verantwortliche Person für die unmenschliche Behandlung der Häftlinge war, gelang es ihm, sich vor den Ermittlungsbehörden in Ludwigsburg von jeglicher Verantwortung für das Außenlager freizusprechen. Auch von wem die KZ-Häftlinge am Arbeitsplatz bewacht worden seien, könne er nicht sagen. Die einzelnen Häftlingstrupps seien von einem firmeneigenen Vorarbeiter lediglich „in fachlicher Hinsicht“ beaufsichtigt worden. Auch die Verpflegung habe bei der Lagerleitung gelegen.
Neben der Halle hätte es mehrere Baracken gegeben, über die er nichts wisse: „Ich nehme an, dass das Lager- und Bewachungspersonal dort untergebracht war.“ Tatsächlich befand sich genau dort das Büro seiner OT-Bauleitung, die die Unterbringung der Gefangenen verantwortete. Bruno Störzer verharmloste die Zahl der Toten unter den Häftlingen: „Während meiner Zeit sind 3 oder 4 Häftlinge verstorben.“ Die jeweiligen Todesursachen seien ihm nicht bekannt.“
Die Personalakte von Schönberger enthält einen weiteren wichtigen Fund. Im Januar 1945 gelang zwei russischen Kriegsgefangenen die Flucht.
„Die beiden Gefangenen sind geflohen bei einem Fliegeralarm, während die Gefangenen durch die Wachmannschaften zusammengetrieben und zum Garagenschuppen gebracht wurden. Die Wachmannschaften sind hierbei nicht mit der erforderlichen Sorgfalt vorgegangen.“ Offensichtlich konnten diese Gefangenen nicht „eingefangen“ werden.
Anders bei der – abgesehen von Marion Kornblit - einzigen uns bekannten Flucht von jüdischen Häftlingen:
„In einem gleichgelagerten Fall wurde von den Entweichen mehrerer Gefangenen aus dem KZ-Lager das Platzkommando und durch dieses die Fliegerhorstkommandantur sofort verständigt. Daraufhin wurden … sofort militärische Streifen sämtlicher in der Nähe liegende Platzkommandos ausgesandt und die umliegenden Dörfer alarmiert. Auf diese Weise gelang es, noch am gleichen Abend die entflohenen Juden in dem Dorf Göttelfingen … wieder einzufangen.“
Dazu die Aussage von Josef Henkel am 28.6.1947:
„Im Winter 1944 sind dann von der Baustelle, auf der Bäuerle beschäftigt war, einige Häftlinge geflohen. Es wurde damals gesagt, dass sie querfeldein in langsamem Schritttempo weggegangen seien. Und dass sie die Wachposten für Zivilisten gehalten hätten.“[1]
[1] AOFA: Dossier AJ 4077.