In der Gedenkstätte Sachsenhausen haben die Bauarbeiten für den Umbau eines historischen Gebäudes im ehemaligen Industriehof des KZ Sachsenhausen zu einem modernen Depot für die Sammlungen begonnen. Der so genannte Mittelbau II wird 2015 bis 2017 saniert und für die künftige Nutzung als Archiv und Depot hergerichtet. Es handelt sich um einen nach 1941 von den „Deutschen Ausrüstungswerken“ (DAW), einem SS-eigenen Betrieb, errichteten eingeschossigen, 80 Meter langen und 15 Meter breiten Bau. Hier befanden sich Werkstätten, in denen KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten.
Zum Auftakt der Bauarbeiten sagte Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch heute in Oranienburg: "Die Sammlungen mit den materiellen Zeugnissen der verschiedenen Nutzungsperioden von Sachsenhausen sind die Schatzkammer der Gedenkstätte. Daher freuen wir uns außerordentlich, dass ihre Pflege und ihr Erhalt mit dem neuen Depot dauerhaft gesichert wird. Die umfangreichen Sammlungen der Gedenkstätte konnten seit Gründung der Stiftung 1993 stark erweitert werden und umfassen heute mehr als 30.000 Objekte und 430 Regalmeter Archivmaterial."
Unter den gegenständliche Zeugnissen des Konzentrationslagers, des Speziallagers und der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte befinden sich Objekte von unterschiedlicher Materialität wie Häftlingskleidung, selbst gefertigte Gebrauchsgegenstände aus den Lagern, Fundstücke, Mobiliar, Kunstwerke sowie Zeichnungen, Fotos und Dokumente. Von besonderem Wert sind die zahlreichen Nachlässe von ehemaligen Häftlingen, die sie selbst oder ihre Angehörigen der Gedenkstätte anvertraut haben.
Nachdem die Sammlungen bis 1993 im Keller der ehemaligen Häftlingsküche dem Verfall preisgegeben waren, wurden sie sofort nach Gründung der Stiftung gesichert und provisorisch im ehemaligen Kino der Gedenkstätte, ebenfalls in einem historischen Gebäudes des Industriehofs, untergebracht, wo sie sich bis heute unter völlig beengten Verhältnissen befinden.
Mit dem neuen Sammlungsbereich entstehen Räumlichkeiten, in denen die kostbaren Hinterlassenschaften der Lager langfristig unter konservatorisch optimalen Bedingungen aufbewahrt und für die Nachwelt erhalten werden können. Dazu gehören auch klimatisierte Bereiche für besonders sensible Objekte. Die Gesamtkosten für die Sanierung und Herrichtung des Gebäudes belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Die Mittel werden aus dem Haushalt der Stiftung bereitgestellt, der zu gleichen Teilen vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird.
Information: www.stiftung-bg.de