Kriegsgefangenschaft im Kontext des Zweiten Weltkrieges

10. Dezember 2013

Liebe Leserinnen und Leser, 

wir begrüßen Sie zu unserer neuen Ausgabe des LaG-Magazins. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf der Thematik „Kriegsgefangenschaft im Kontext des Zweiten Weltkrieges“. 

Ein besonderes Augenmerk liegt in dieser Ausgabe auf dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Maßstäbe von Kriegs- und Völkerrecht wurden in Bezug auf diese Soldaten vollkommen außer Kraft gesetzt. Aufgrund der ideologischen Mischung von fanatischem Antikommunismus, Rassismus und Antisemitismus waren sie dem nationalsozialistischen Terror in besonderer Weise ausgesetzt. In der stalinistischen Sowjetunion hingegen wurden diejenigen, die aus deutscher Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, als Verräter betrachtet und häufig verfolgt. Im Westen wurde ihrer kaum erinnert. Überhaupt ist die Beachtung von Kriegsgefangenschaft im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus bis heute im öffentlichen Diskurs unterrepräsentiert, was auch für das historische Lernen gilt. Unterrepräsentiert im erinnerungskulturellen Diskurs sind auch die italienischen Militärinternierten. Notwendigerweise bleibt unsere Betrachtung lückenhaft – die Beschäftigung mit gefangenen Soldaten in anderen Regionen, besonders im pazifischen Raum bleibt in dieser Ausgabe ausgeklammert. Wir sind wir dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die Förderung dieser Ausgabe des LaG-Magazins besonders verbunden. 

Anhand seiner Studie „Sowjetische Kriegsgefangene im Deutschen Reich 1941/42“ setzt sich Rolf Keller mit dem Schicksal und den Lebensbedingungen derjenigen sowjetischen Kriegsgefangenen auseinander, die bis Ende 1941 in das Deutsche Reich gebracht wurden. 

Eberhard Radczuweit stellt die Freitagsbriefe vor, die der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Briefe ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener und ihrer Nachfahren, die nicht nur ein hohes erinnerungskulturelles Potential haben, sondern gleichzeitig zum Teil einzigartige Quellen darstellen. 

Am Beispiel von Ugo Brilli zeigt Daniela Geppert die Situation der ehemaligen italienischen Militärinternierten auf. Die Autorin weist auch auf die vernachlässigte Erinnerung an diese Opfergruppe hin. 

Artur Osinski befasst sich mit der besonderen Situation polnischer Soldaten, die in der Schweiz interniert waren und dort eine spezielle Form von Zwangsarbeit leisten mussten. 

Für die Rubrik „Neu eingetroffen“ hat Markus Nesselrodt eine hoch interessante Rezension zu „Das Erbe“ beigesteuert, einer Graphic Novel der israelischen Künstlerin und Autorin Rutu Modan. 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Autor/innen für ihre Beiträge.

 

In eigener Sache

Als Vorgriff auf unseren jährlichen „Call for Papers“ möchten wir Interessierte bereits jetzt ermuntern, uns für die Ausgabe im Januar 2014 Abstracts einzureichen. Diese Ausgabe wird den Titel „Italien und der Zweite Weltkrieg“ tragen. Abstracts mit einer Länge von 300 Zeichen können bis zum 5. Dezember an Ingolf Seidel (seidel [at] agentur-bildung [dot] de) geschickt werden. Abgabeschluss für die abgesprochenen und fertigen Artikel wird der 8. Januar sein. 

Am 27. November findet unser nächstes Webinar mit Uta George statt. Es trägt die Überschrift „Leichte Sprache in der Gedenkstättenarbeit – neue Zielgruppen erschließen“. Informationen zum Inhalt und den Anmeldemodalitäten finden Sie auf unserem Portal. 

Unser nächstes LaG-Magazin erscheint am 18. Dezember 2013. Es trägt den Titel „Wohnen und Leben in der DDR - Selbstverwirklichung oder Nische?“.

Ihre LaG-Redaktion 

 

Zur Diskussion

Sowjetische Kriegsgefangene im Deutschen Reich 1941/42

 

Der Beitrag von Rolf Keller befasst sich mit den sowjetischen Kriegsgefangenen im Deutschen Reich.

 

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Freitagsbriefe – Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener und ihrer Nachkommen

 

Eberhard Radczuweit stellt die Freitagsbriefe vor, die der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Briefe ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener und ihrer Nachfahren, die nicht nur ein hohes erinnerungskulturelles Potential haben, sondern gleichzeitig zum Teil einzigartige Quellen darstellen.

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Vom „Verbündeten“ zum „Verräter“: Die italienischen Militärinternierten 1943 bis 1945

 

Daniela Geppert befasst sich in Ihrem Aufsatz mit dem Schicksal der italienischen Militärinternierten am Beispiel von Ugo Brilli.

 

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Polenweg - Internierte polnische Soldaten in der Schweiz

 

Artur Osinski befasst sich mit der besonderen Situation polnischer Soldaten, die in der Schweiz interniert waren.

 

Empfehlung Web

Kriegsgefangenenlager Alexisdorf – Geocaching Emslandlager

 

Per GPS können beim Geocaching spielerisch Orte kennengelernt werden. Im vorliegenden Beispiel das Emslandlager 15 Alexisdorf, in welchem Kriegsgefangene interniert und teils ermordet wurden.

 

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Arbeitskommandos mit sowjetischen Kriegsgefangenen – eine Datenbank

 

Rolf Keller und Silke Petry haben eine Online-Datenbank erarbeitet, in der über 1600 Arbeitskommandos, in welchen sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt wurden, aufgelistet sind und damit als Quellen im Unterricht genutzt werden können.

 

Podcast

"Nichtarbeitende Gefangene haben zu verhungern!" - Podcast zu sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher Kriegsgefangenschaft

 

Ein vom SWR2 produzierter Podcast arbeitet am Beispiel des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel die Geschichte sowjetischer Kriegsgefangener in deutscher Gefangenschaft auf und setzt sich mit aktuellen Themen wie den Entschädigungszahlen an die Opfer auseinander.

 

Lernort

Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain

 

Auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Zeithain in Sachsen befindet sich heute eine Gedenkstätte, die mit einem vielseitigen pädagogischen Angebot über die Geschichte des Ortes informiert.

 

Lernort

Friedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Luckenwalde – ein Lernort

 

Auf dem Friedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Luckenwalde finden sich zahlreiche Informationen und restaurierte Mahnmale, die eine pädagogische Arbeit vor Ort möglich machen.

 

Empfehlung Fachbuch

Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz 1941-1945. Dokumente zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen in Norddeutschland.

 

Die umfangreiche Quellenedition ermöglicht einen vielschichtigen Einblick in die Organisation und den Ablauf des Arbeitseinsatzes sowjetischer Kriegsgefangener in Niedersachsen zwischen 1941 und 1945. 

 

Empfehlung Fachbuch

Ein Gedenkbuch für die verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Friedhof Hammelburg

 

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat ein Gedenkbuch herausgegeben, mit welchem den auf dem Friedhof Hammelburg in Bayern bestatteten Rotarmisten gedacht wird.

 

Empfehlung Fachdidaktik

Deportation, Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft im Magazin resistenza

 

Anhand zweier Erzählungen von Zeitzeugen wird das Schicksal tausender italienischer Kriegsgefangener und ziviler Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus veranschaulicht.

 

Empfehlung Comic

Auf den Spuren Rogers: Französische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg

 

Die biografische Graphic Novel befasst sich exemplarisch mit dem Schicksal von französischen Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Kriegsgefangenschaft kamen.

 

Neu eingetroffen

Das Erbe

 

Die Graphic Novel „Das Erbe“ zeigt unterschiedliche Perspektiven zwischen Polen und Israel im Umgang mit dem Holocaust und reflektiert die gegenseitige Verflechtung in die Geschichte.