„Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in Polen“ (Seminar)

Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten NRW und Bildungswerk der Humanistischen Union
5. September 2006

Projektbeschreibung:

Polen ist in erinnerungskultureller und geschichtspolitischer Sicht der wichtigste Nachbar Deutschlands. Das deutsch-polnische Verhältnis nach 1989 zum Beispiel galt eine Weile als Erfolgsgeschichte historischer Ent-spannung und fortschreitender Verständigung. Seit einiger Zeit wird – unter anderem am Beispiel des ge-planten Zentrums gegen Vertreibungen - deutlich, dass die Tragfähigkeit angenommener historischer Kon-sense nur sehr begrenzt ist und die eingeübte Gelassenheit wieder verloren gehen kann...Für die innerpolnischen Debatten ist allerdings die Vertreibungsfrage nur eine unter sehr vielen historischen Erfahrungen und Problemzonen. In Polen schmerzlich empfunden war in den letzten Jahren die Diskussion über Jedwabne und das Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung vor 1945. Die Anstrengungen um eine ange-messene Betrachtung und Erinnerung der Phase kommunistischer Herrschaft in Polen sind ebenfalls ein wichtiges Thema. Die seit Ende 2005 agierende rechte nationalkatholische Regierung setzt im Übrigen ande-re geschichtspolitische Schwerpunkte..Neue Geschichtsinstitutionen und Museen zeigen die traditionellen polnischen Positionen, aber auch Ver-schiebungen und Neuakzentuierungen in den hegemonialen zum Teil auch kontroversen Narrativen über das 20 Jahrhundert an, die aus deutscher Sicht rezipiert und diskutiert werden sollten. Das geht am besten durch einen Besuch in Warschau, den Besuch einschlägiger Gedenkstätten, Museen und Aufarbeitungsinstitutionen sowie Gespräche mit Historikern, Pädagogen und Publizisten. Wir werden unter anderem das Institut für das nationale Gedenken (IPN), das Museum des Warschauer Aufstandes, das Jüdisch-Historische Institut, die Aufarbeitungsinitiative Karta und deren Museum, das Deutsche Historische Institut besuchen und im Rah-men einer Stadtrundfahrt weitere Erinnerungsstätten kennen lernen. Außerdem ist eine Exkursion in die Ge-denkstätte Treblinka geplant. Ein detailliertes Programm bekommen Sie beim Bildungswerk...Kosten: 300 Euro (Übern. DZ, Frühstück im Mittelklassehotel zentral gelegen, 4 Abendessen, Exkursions-kosten und Eintritte), EZ-Zuschlag: 150 Euro, Anreise individuell, rechtzeitige Buchung eines Billigflugs wird empfohlen.__________________________________________________________________..Sonntag, der 8. 10. 2006.bis 18.30 Anreise.19.00 Uhr Abendessen.20.00 – 21.30 Vorstellungsrunde, Programmdiskussion (im Hotel).__..Montag, der 9. 10..9.30 – 11.30 Uhr Besuch des Deutschen Historischen Instituts, Gespräch mit Dr. Andreas Kossert und weiteren MitarbeiterInnen des Instituts.11.30 – 13.00 Zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation in Polen – ein Gespräch mit Peter Hengstenberg (Friedrich-Ebert-Stiftung Warschau).14.30 - 17.00 historische Stadtrundfahrt Warschau.__..Dienstag, der 10. 10..9.00 - 13.00 Uhr Besuch des Jüdisch-Historischen Instituts,.Gespräch mit Prof. Dr. Feliks Tych,.Rundgang durch das Viertel des ehemaligen Warschauer Ghettos.15.00 - 17.30 Gespräch mit Prof. Dr. Thomasz Szarota (Polnische Akademie der Wissenschaften) über konkurrierende Geschichtsbilder und Deutungen des 20. Jahrhunderts in Polen (angefragt).__..Mittwoch, der 11. 10..8.30 Abfahrt nach Treblinka.10.00 - 13.00 Besuch der Gedenkstätte, des Friedhofs und der Ausstellung, mit Herrn Kopówka (Mitarbeiter der Gedenkstätte).16.00 - 17.30 Gespräch mit Anna Bikont (Journalistin): Das polnisch-jüdische Verhältnis am Beispiel der Jedwabne-Diskussion.__..Donnerstag, der 12. 10..9.30 – 12.30 Uhr Besuch des IPN (Institut für das nationale Gedenken), Gespräch über Struktur, Aufgaben und Erfolge mit Prof. Kulesza und Mitarbeitern der Bildungsabteilung des Instituts.15.00 - 17.00 Besuch des Museums des Warschauer Aufstands anschl. Gespräch mit pädagogischen Mitarbeitern der Einrichtung.17.30 – 18.30Besuch des Powanzki-Friedhofs.__..Freitag, der 13. 10..9.30 – 13.00 UhrGespräche in der freien Aufarbeitungsinitiative KARTA im Haus der Begegnungen mit der Geschichte, Besuch der Ausstellung „Europa im 20. Jahrhundert: Gesichter des Totalitarismus“.15.00 – 16.30 Uhr N.N. Gespräch über die deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert aus regionaler und kultureller Perspektive.16.30 18.00 Schlussdiskussion.__..Samstag, der 14.10..9.00 Uhr Abreise..Änderungen und Erweiterungen des Programms bleiben vorbehalten..__..Datum, Ort:08.10.2006-14.10.2006, Warschau.Deadline: 11.09.2006.

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