In den letzten Jahren haben sich Formen der Erinnerung an den Nationalsozialismus, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg stark verändert, u. a. bedingt durch eine zunehmende zeitliche Distanz, das Verschwinden der Zeitzeug*innen-Generation und eine Pluralisierung von Erzählungen und Erinnerungen in einer zunehmend heterogenen Gesellschaft. Diese Tagung möchte aktuelle erinnerungskulturelle
Debatten aufgreifen und diskutieren, welche Chancen und Herausforderungen daraus für die Praxis in Museen und Gedenkstätten erwachsen.
"Erinnerungskultur" wird dabei nicht als Ausdruck eines gesellschaftlichen Konsenses über Vergangenheit begriffen, sondern als vielstimmige, auch konflikthafte und "dissonante" Auseinandersetzungen, die von unterschiedlichen Wahrnehmungen, jeweils aktuellen (widerstreitenden) Ideologien und Machtverhältnissen geprägt werden. Damit steht auch die Frage im Fokus, wessen Erinnerungen und wessen Erbe jeweils nicht repräsentiert wird. Wer hat das ökonomische und kulturelle
Kapital, die eigene Sicht auf die Vergangenheit durchzusetzen, und wer wird auf welche Weise aus einer gemeinsamen Geschichtsdarstellung ausgeschlossen? Wer gilt als legitimiert, über zentrale Ereignisse zu sprechen und welche Gruppen können sich (wann) mit unterstützenden oder divergierenden Erzählungen Gehör verschaffen? In welcher Weise können sich aber auch unterschiedliche Erinnerungskulturen in ihrer
Artikulation gegenseitig befruchten und verstärken? Und wie können diese Prozesse für die Vermittlung in Museen oder Gedenkstätten fruchtbar gemacht werden?
Die Tagung untersucht materielle und immaterielle Formen der Erinnerung an den Nationalsozialismus, den Holocaust, die deutschen Besatzungen im Zweiten Weltkrieg. Dabei sollen Erkenntnisse aus der Forschung mit Überlegungen und Erfahrungen aus der Praxis von Museen und Gedenkstätten verbunden werden. Thematische Schwerpunkte können z.B. sein:
Für angenommene Referentinnen und Referenten werden Reisekosten (Bahnfahrt, 2. Klasse) und die Übernachtungskosten übernommen.
Bitte reichen Sie Ihre Vorschläge für Redebeiträge in Form einer Themenskizze im Umfang von maximal 400 Wörtern zusammen mit kurzen biographischen Stichworten bis zum 1. Februar 2020 unter der
Emailadresse: tagung-zfe@stadt-duisburg.de
ein.
Datum
29.10.2020 - 30.10.2020
Ort und Veranstalter
Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie
Karmelplatz 5
47051 Duisburg