Projektbeschreibung:
DFG-Projekt “Inventarisierung und digitale Verzeichnung von historischen Fotografien und dessen Publikation als Katalog im WWW“..Als Ergebnis über dreißigjähriger Sammlungstätigkeit verfügt das Archiv der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora über einen Bestand von ca. 10.000 historischen Fotografien und damit über den ältesten großen Sammlungsbestand an einer deutschen KZ-Gedenkstätte. Es handelt sich um Fotografien aus der Zeit des Aufbaus sowie des Bestehens der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora (1937-1945), um Aufnahmen verschiedener Provenienz aus der Zeit unmittelbar nach der Lagerbefreiung, um Fotos, die unmittelbar nach der Auflösung des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 (1945-1950) entstanden sind, um Porträts (überwiegend von Häftlingen der KZ), den unterschiedlichen Gestaltungen und der Nutzung der "Nationalen Mahn- und Gedenkstätte" der DDR (1945-1990) und der Neugestaltung ab 1990 sowie um Teilarchive einzelner Fotografen bzw. um Nachlässe von Überlebenden. Die Stiftung beabsichtigt, diesen bislang nur in Teilen erfaßten und weitgehend ungeordneten Bestand historiographisch umfassend zu erschließen, nach dem Provenienzprinzip zu verzeichnen, digital zu inventarisieren und - soweit die Bedeutung der Fotografien es rechtfertigt und die Urheberrechte es erlauben - als Bildkatalog im WWW zu publizieren. Der Aufbau des Bestandes nach der Provenienz impliziert für die digitale Sacherschließung die Entwicklung und Einführung eines Klassifizierungsschemas, wie es für vergleichbare Fotoarchive bislang nicht vorliegt..Das Projekt hat Modellcharakter für andere Gedenkstätten und Archive und versteht sich als praxisbezogener Beitrag zu der im Umfeld der "Wehrmachtsausstellung" intensiv geführten theoretischen Debatte über den Umgang mit historischen Fotografien. Sie hat gezeigt, daß nicht nur in den Gedenkstätten, sondern im deutschen Archivwesen überhaupt, eine gründliche Revision der Fotobestände ansteht. Besondere Verantwortung haben dabei diejenigen Archive, zu denen das Archiv der Stiftung gehört, die fotografische Zeugnisse von NS-Verbrechen sammeln und für Ausstellungen, pädagogische Zwecke u.a. zur Verfügung stellen. Glaubwürdigkeit und pädagogische Wirkung der Gedenkstättenarbeit hängen in besonderer Weise von dieser Quellengattung ab. In diesem Kontext sind leicht und schnell verfügbare Informationen zur Provenienz, der Überlieferungsgeschichte, der Materialität, der Urheberrechte und, soweit wie möglich, auch der Verwendungs- und Wirkungsgeschichte der Fotografien für die Güte des Archivs entscheidend. Diese Basis durch gründliche wissenschaftliche Bearbeitung des Fotobestandes der Stiftung zu schaffen, den Bestand nach dem Provenienzprinzip zu ordnen, zu digitalisieren und nach einem einheitlichen Klassifizierungsschema digital zu erschließen, ist das maßgebliche Ziel des Projekts. In der Perspektive ist beabsichtigt, den gesamten Bestand, soweit urheber- oder lizenzrechtliche Belange es erlauben, als dynamisch ergänzbare, digitale Datenbank mit personellem Zugang über das WWW für Fachleute, Pädagogen oder interessierte Laien zur Verfügung zu stellen. .In doppelter Weise kann man bei dem beantragten Projekt von einem Modellprojekt sprechen, denn zum einen ist tatsächlich ein Klassifizierungsmodell neu zu erarbeiten, mit dem der nach dem Provenienzprinzip inventarisierte Fotobestand in digitaler Form dupliziert und verzeichnet wird, und zum anderen kann die Publikation im WWW zum Modell für vergleichbare Bildarchive zumindest im nationalen Maßstab werden. Das Modell orientiert sich am international fortgeschrittensten Standard der Online-Präsentation historischer Fotografien, der u.a. von amerikanischen Institutionen wie den National Archives, Washington, und dem US Holocaust Memorial Museum, Washington, gesetzt wird, und weitert diesen. Immediates Ergebnis des beantragten Projektes ist die Präsentation eines ca. 500 Bilder umfassenden Katalogs im WWW, der die antizipierten wissenschaftlichen Ergebnisse beispielhaft umsetzt und damit eine Brücke sowohl zu den interessierten Laien schlägt als auch den wissenschaftlichen Zugang zum Gesamtinventar eröffnet. Die bedeutet auch eine Intensivierung der internationalen Kooperation zwischen den entsprechenden Einrichtungen..Der Online-Katalog des Fotoarchivs der Stiftung ist auch eine Offerte an Schüler, Studenten und Lehrer, das angebotene Bildmaterial im Unterricht oder beim Studium zu nutzen. Die pädagogische Intention des Projekts beschränkt sich jedoch nicht auf eine reale Bereicherung des Unterrichtsmaterials durch entsprechende, leicht reproduzierbare Bildinhalte. Die Bilddatenbank soll als Aufforderung zur bewußten Auseinandersetzung mit historischen Fotos als Quelle gelesen werden, und im weitesten Sinne geht es um die Sensibilisierung für den medienkritischen Umgang mit Bildern...Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt begann im August 2004 und gliedert sich in vier Arbeitsschritte: ..· Revision des Gesamtbestandes und Ordnung nach der Provenienz .· Recherchen zu Provenienzen .· Inventarisierung und Verzeichnung des Bestandes .· Erstellung eines Online-Bildkatalog . .
Kontakt
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Haus 2
Holm Kirsten
99427 Weimar-Buchenwald
Tel.: 03643/430189
eMail: hkirsten@buchenwald.de
Homepage: www.buchenwald.de