ZEIThain.

Zur Neugestaltung der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain bei Riesa/Sachsen
10/2003Gedenkstättenrundbrief 115, S. 28-35
Norbert Haase, Jens Nagel und Bert Pampel

Als am 22. Juni 2003 die Dauerausstellung zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Zeithain 1941–1945 in Anwesenheit internationaler Gäste der Öffentlichkeit übergeben wurde, fand ein mehrjähriger Prozess der Um- und Neugestaltung der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain seinen vorläufigen Abschluss. Die Einrichtung in der Nähe der sächsischen Kreisstadt Riesa umfasst heute ein Dokumentenhaus und eine ehemalige Lagerbaracke des Kriegsgefangenenlagers, die zusammen die ständige Ausstellung beherbergen. Beides befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Friedhofsanlage, deren weite Fläche von Birken, Linden und Pappeln gesäumt wird und deren Memoriale von der Zeit ihrer Gestaltung Ende der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeugen. Die Anlage ist eine von fünf Grablagen, auf denen die verstorbenen Kriegsgefangenen beigesetzt wurden. Sie ist nicht mit dem ehemaligen Lagergelände, das sich in circa fünf Kilometer Entfernung befindet, identisch. Nirgendwo sonst in Deutschland haben so viele Kriegsgefangene ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Das Kriegsgefangenenlager Zeithain

Das Kriegsgefangenenlager Zeithain wurde im April 1941 als Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) 304 (IV H) auf dem Truppenübungsplatz Zeithain aufgestellt. Es war eines jener 60 »Russenlager« speziell für sowjetische Kriegsgefangene, deren Errichtung das Oberkommando der Wehrmacht im Rahmen der Vorbereitung des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im März 1941 befohlen hatte. Das Lager sollte für die im Wehrkreis IV eintreffenden und für den Arbeitseinsatz im mitteldeutschen Industrierevier (Leipzig-Halle-Merseburg, Chemnitz und Dresden) vorgesehenen sowjetischen Kriegsgefangenen als zentrales Aufnahmelager fungieren. Von hier aus sollten die Gefangenen anschließend auf die Arbeitskommandos verteilt werden. Bei Eintreffen der ersten Gefangenen im Juli 1941 bestand Zeithain lediglich aus einem großen doppelt umzäunten Areal ohne Unterkunftsbaracken und sanitäre Einrichtungen. Das Lager wurde in der Folgezeit durch die in immer größerer Zahl eintreffenden Gefangenen aufgebaut, wobei sich die katastrophalen Lebensbedingungen nicht nachhaltig verbesserten. 30 000 bis 35 000 sowjetische Kriegsgefangene verloren in Zeithain ihr Leben, so viele, wie in keinem anderen »Russenlager« im Reichsgebiet. Wegen des Massensterbens im Winter 1941/42 sowie der zügigen Überstellung der neu eintreffenden Gefangenen in Arbeitskommandos wurde Zeithain im September 1942 Zweiglager (Stalag IV B/Z) des in 15 km Entfernung liegenden Stalags IV B Mühlberg, das bereits 1939 errichtet worden war.

Danach begann, vermutlich wegen der zunehmend größer werdenden Zahl längerfristig arbeitsunfähiger sowjetischer Gefangener, die Umwandlung Zeithains in ein Lazarett. Die Transformationsphase endete am 1. Februar 1943 mit der Umbenennung des Lagers in »Kriegsgefangenen-Reservelazarett Zeithain«. Im Endausbau umfasste es nahezu 8 000 Betten. Allein die Zahl der tuberkulosekranken sowjetischen Gefangenen, deren Konzentration und Isolierung zunächst die Hauptaufgabe des Lazaretts war, bewegte sich in der Folgezeit zwischen 3000 und 5000.

Bei Zeithain handelte es sich jedoch nicht ausschließlich um ein »Russenlager«, das Lager hatte auch für Gefangene vieler anderer Nationen schicksalhafte, wenn auch sehr unterschiedliche Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Italienischen Militärinternierten (IMI) und die Angehörigen der Polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa). In der kollektiven Erinnerung der überlebenden Italienischen Militärinternierten ist der Name Zeithain Synonym für ein Todeslager – »Il campo di morte«. Im Zeitraum zwischen Oktober 1943 und August 1945 verloren fast 900 Italiener in Zeithain ihr Leben. Während die Deutschen den ehemals verbündeten Italienern wegen ihrer Kapitulation den Kriegsgefangenenstatus verweigerten, wurden die nach dem Warschauer Aufstand im Oktober 1944 in Zeithain eintreffenden Polen entsprechend völkerrechtlicher Bestimmungen behandelt. Die sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen von Sowjetgefangenen, Italienern und Polen verdeutlichen, wie sehr die Behandlungsrichtlinien der Wehrmacht für Kriegsgefangene durch rassenideologische und politische Opportunitätskriterien geprägt wurden.

Die Bemühungen um eine Gedenkstätte

Bei ihrer Eröffnung im Jahre 1985 war Zeithain die erste Gedenkstätte auf deutschem Boden, die den sowjetischen Kriegsgefangenen gewidmet war. Bis 1990 konzentrierten sich Dauerausstellung und Bildungsarbeit allerdings ausschließlich auf die Darstellung des kommunistischen Widerstands unter den sowjetischen Gefangenen, deren Mitglieder heroisiert wurden. Das Massensterben unter den sowjetischen Kriegsgefangenen bildete nur den Rahmen für die Darstellung des Widerstands, die Toten blieben anonym. Es gab keine Versuche, ihre individuellen Schicksale in einem größeren Maßstab zu klären. Zentrale Funktion der Gedenkstätte war die Herausbildung eines »sozialistischen Geschichtsbewusstseins«. Hier »umrahmte« man die Aufnahme in die Pionierorganisation und veranstaltete »Jugendweihestunden«. Hier verpflichteten sich Arbeitskollektive zum Kampf um den Titel »Kollektiv der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft« und traten neue Kämpfer in die »Kampfgruppen der Arbeiterklasse« ein. Die Toten mahnten zur Waffenbrüderschaft und zur Wachsamkeit vor der »Gefahr einer imperialistischen Aggression«.

Nach der Wiedervereinigung war Zeithain eine der ersten Gedenkstätten, die geschlossen wurden. Nur langjährigem ehrenamtlichem Engagement, das schließlich in der Gründung des Fördervereins »Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain e.V.« ihren Ausdruck fand, ist es zu verdanken, dass dieser Ort in den neunziger Jahren nicht gänzlich in Vergessenheit geraten ist. Am Anfang seiner Neuprofilierung stand eine wissenschaftliche historische Bestandsaufnahme, die 1996 in Jörg Osterlohs Studie »Ein ganz normales Lager. Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager 304 (IV H) Zeithain bei Riesa/Sa. 1941 bis 1945« mündete. Sie griff die aus den letzten DDR-Jahren überlieferten ersten Ansätze einer noch äußerst lückenhaften historischen, ideologisch verengten Dokumentation auf, ergänzte und korrigierte sie zum Teil. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre investierte die Stiftung Sächsische Gedenkstätten systematisch in den Auf- und Ausbau der Gedenkstätte und konnte mit Unterstützung des damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) über das Aufbauprogramm »Kultur in den neuen Ländern« die Monumente der sowjetischen Friedhofsanlagen vor dem Verfall retten. Zu dem Denkmalsensemble gehören das dreibogige Portal des Ehrenhains aus rotem Granit, ein Obelisk sowie eine Reihe Gedenktafeln. Das Dokumentenhaus, ursprünglich ein kleines Gärtnerwohnhaus, wurde ebenfalls modernisiert. Im April 1999 öffnete die Gedenkstätte mit einer überarbeiteten, aber noch provisorischen Dauerausstellung.

Im Mai 2000 wurde eine ehemalige Lagerbaracke aus dem Ortsteil Neudorf der Gemeinde Zeithain nach bauarchäologischen Methoden rekonstruiert, umgesetzt und neben dem Dokumentenhaus wieder aufgestellt. Damit hat die Gedenkstätte, die sich wie bereits erwähnt nicht auf dem früheren Lagergelände befindet, ein anschauliches Exponat erworben, das immer noch Spuren der Nutzung als Kriegsgefangenenlagerbaracke trägt und die Aura des historischen Relikts besitzt. Die Lagerbaracke hatte die Nachkriegszeit als Stallgebäude und Kindergarten überdauert, bis sie 1998 zum Rückbau freigegeben wurde. Durch das Gedenkstättenprojekt der Stiftung blieb sie der Nachwelt erhalten. Gefangenenkalender und andere Inschriften ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener auf den Holzbalken der Bauelemente warten noch auf ihre Entschlüsselung. Freilich existiert die Baracke lediglich in der Form der Gebäudehülle. Ihr Innenraum ist vollkommen leer.

Die neue Dauerausstellung

Das im Rahmen einer begrenzten Ausschreibung ausgewählte und schließlich umgesetzte Konzept des Dresdner irischen Architekten Ruairí O’Brien überzeugte dadurch, dass es ihm auf eindrucksvolle Weise gelang, die Räume des Dokumentenhauses mit der Lagerbaracke zu verbinden und den Raumeindruck des Barackeninnern so weitgehend wie möglich zu bewahren. O’Brien schuf in der Baracke eine »begehbare Vitrine« mit eigener Beheizung, einen »mikroklimatischen Raum«. Die moderne transparente Glasarchitektur mit Elementen des Lichtdesigns provoziert eine Spannung zwischen dem Hier und Jetzt des räumlich und visuell Erfahrbaren und dem Gestern, das einem in Form authentischer Sachzeugen und fotografischer Dokumente des Kriegsgefangenenlagers sowie der originalen Bausubstanz entgegentritt. Die Geschichte spezifischen nationalsozialistischen Unrechts, das Jahrzehnte zurück liegt, erfährt dadurch eine beklemmende Vergegenwärtigung. Der im Barackendunkeln leuchtende Glaskörper besitzt zwar nicht die auratische Kraft des historischen Relikts, aber doch die magische Anziehungskraft eines außergewöhnlichen und fremdartigen Objekts. Es weckt Interesse und lenkt es auf die Ausstellungsinhalte, für deren Präsentation die Unterscheidung in eine Sichtbarkeits- und eine Vertiefungsebene wesentlich ist. Nach außen, d. h. zum Barackeninnenraum hin, dient die Vitrine als Ausstellungssystem für die Grundinformationen zur Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager Zeithain. Wenige erhaltene Sachzeugen wie etwa das Essgeschirr eines ehemaligen Gefangenen oder unzählige Erkennungsmarken, die im nahe gelegenen Erdreich geborgen wurden, sind auf der Sichtbarkeitsebene in Plexiglasvitrinen ausgestellt, durch die ihre besondere Qualität unterstrichen wird. Im Innern der begehbaren Vitrine, in der Ausstellungsbesucher mit einer Vielzahl von Gesichtern der sowjetischen Kriegsgefangenen konfrontiert werden, besteht die Möglichkeit der Vertiefung des Wissens zu den einzelnen Sachthemen: Gefangennahme und Transport, Ankunft im Lager, Ernährung, Seuchen und der Umgang mit den Toten, Bewachung und Strafmaßnahmen seitens des Wehrmachtpersonals, die Aussonderung sowie der Arbeitseinsatz und schließlich der Widerstand der sowjetischen Kriegsgefangenen. Ein Computerterminal ermöglicht den Zugang zu den Karteiunterlagen, die die Lagerverwaltung für die Kriegsgefangenen angelegt hatte.

Fortlaufende Studien der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Geschichte der Kriegsgefangenschaft, insbesondere durch die internationale Kooperation mit russischen und weißrussischen Archiven, stellten die Gestaltung der ständigen Ausstellung auf eine völlig neue Grundlage. Gerade die visuelle Überlieferung des Lageralltags in seinen verschiedenen Facetten, aber auch die Verifizierbarkeit und Dokumentierbarkeit konkreter Einzelschicksale anhand lange vernichtet geglaubter Aktenbestände machen die neue Qualität der Dokumentation aus. Zu den Tausenden Porträts aus der Lagerkartei kommen die Fotografien eines Wehrmachtoffiziers, die eindrucksvoll das Leiden und Sterben der Kriegsgefangenen aber auch andere Aspekte des Lageralltags in Zeithain dokumentieren. Die visuelle Präsenz der Zeithainer Ausstellung rückt vor allem das individuelle Einzelschicksal stärker in den Vordergrund als dies in diesem thematischen Zusammenhang bisher möglich gewesen ist. Die Gesichter einzelner Personen, zu einem Teil aus Dokumenten der Vorkriegszeit und keineswegs ausschließlich die ausgemergelten, kahlrasierten Köpfe zum Zeitpunkt der Gefangennahme, zeigen die jungen Soldaten auch vielfach in ihren besten Jahren vor der Gefangenschaft. Vielleicht lässt sich, da das bestimmende Bild der abgerissenen Gestalten hinter Stacheldraht, das zum Teil die von der NS-Propaganda in die Welt gesetzten Stereotypen noch verstärkte, nunmehr durch individuelle Vorkriegsfotografien ergänzt wird, von einer Korrektur unseres kollektiven Bildgedächtnisses sprechen. Jedenfalls ist die Veränderung der Perspektive vom anonymen Massenschicksal, das durch die Fotos der Leichenberge und die Pauschalierung der Grablagen noch verstärkt wird, zum individuellen Gedenken hier am sinnfälligsten zu begreifen. Jeder Gefangene hatte einen Namen, ein Gesicht, eine individuelle Biographie, die regelmäßig in den in vielen Einzelheiten dokumentierbaren Leidensweg mündete. Die Identität des Einzelnen und seine Würde sowie deren fundamentale Verletzung stehen im Zentrum dieser Präsentation, sie bilden auch den Wertehorizont ab, vor dessen Hintergrund die beiderseitigen Bemühungen in Deutschland und den unabhängigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion um historische Aufarbeitung Gestalt angenommen haben.

Auch im Dokumentenhaus sind Ausstellungsarchitektur und Ausstellungsinhalte so aufeinander abgestimmt, dass sie konsequent »entdeckendes Lernen« ermöglichen. Dessen Kerngedanken sind die Anregung von Selbsttätigkeit, Suchen, Forschen und Entdecken. Mit ihm ist die Hoffnung verbunden, dass durch die notwendige Eigenaktivität der Besucher eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Themen der Ausstellung stattfindet, als durch konventionelle museale Präsentationsformen, die beim Besucher eine eher passive und rezeptive Haltung hervorrufen. Die Nutzer sollen Lerntempo, Lernschritte und Tiefe selbst steuern können und nicht gezwungen sein, einem von Lehrern, pädagogischem Personal oder der spezifischen Ausstellungsgestaltung nahegelegten Lernschema zu folgen und somit für einen eigenständigen Lernprozess motiviert werden.

Die historischen Informationen sind in vom Architekten so bezeichnete »Informations-Skulpturen« integriert, die die profane Wohnhausarchitektur des Dokumentenhauses brechen. Der Aufbau der Ausstellung folgt keiner chronologischen, sondern einer sachthematischen Gliederung. Die einzelnen Module beinhalten grundlegende und weitergehende Informationen zum Lager Zeithain, zu den völkerrechtlichen Schutzbestimmungen für Kriegsgefangene, zu den italienischen und polnischen Gefangenen oder zum Umgang mit der Geschichte des Lagers in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Trennung von Sichtbarkeits- und Vertiefungsebene gilt für sie in gleicher Weise. Mit Spotlights hervorgehobene knappe Leittexte geben eine Orientierung, welches Thema an der jeweiligen Skulptur behandelt wird. In die Module sind Vitrinen integriert, in denen sich den thematischen Zusammenhang betreffende historische Relikte befinden. Der Zugang zum Thema kann somit wahlweise über den Einführungstext oder ein Exponat erfolgen. Die Besucher können sich mit einem solchen Überblick begnügen. Wer mehr wissen will, muss etwas tun. Er wird womöglich, wenn er neugierig geworden ist, die in die Skulptur integrierten Schubladen öffnen, in denen sich einzelne Fotografien, historische Dokumente, andere Texte oder einfach nur ein Spiegel befinden. Der Nutzer kann nach drei Minuten zur nächsten Skulptur weitergehen, er kann sich aber auch einen in der Skulptur befindlichen Hocker herausziehen und 30 Minuten mit den Materialien beschäftigen. Die Informations-Skulpturen lassen sich von vier verschiedenen Seiten gleichzeitig »bedienen«, wodurch die Kommunikation zwischen Besuchern angeregt wird und verschiedene Perspektiven auf ein Objekt möglich sind. Das Konzept ist flexibel genug, um etwaige inhaltliche Veränderungen ohne weiteres in das Vorhandene zu integrieren.

Ausblick

Die Schilderung von Konzeption und Architektur der neuen Ausstellung macht deutlich, dass mit der konsequenten Orientierung auf »entdeckendes Lernen« Neuland betreten wurde. Traditionelle Erwartungen an die Präsentation von Objekten und Informationen der Ausstellungs- oder Museumsbesucher und ihre Besuchsgewohnheiten werden gebrochen. Wie die Besucher darauf reagieren werden, ist noch offen. Lassen sie sich darauf ein und davon inspirieren oder werden sie enttäuscht sein? Dies wird wohl wesentlich von ihren Besuchsmotiven und -erwartungen, von ihrem Vorwissen und den Rahmenbedingungen des Besuchs abhängen. Da diese bekanntlich sehr unterschiedlich sein können, werden auch die Besuchseindrücke verschiedene sein.

Das ehemalige Lagergelände nahe dem Bahnhof Jakobsthal und die in der Gohrischheide gelegenen Friedhöfe mit Grablagen der sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen – die sterblichen Überreste der verstorbenen italienischen Militärinternierten wurden 1991 in ihre Heimat überführt – sind heute erst ansatzweise in die Arbeit der Gedenkstätte einbezogen. Die Gesamtdimension dieses Ortes kann nur im Rahmen eines integralen Konzepts erschlossen werden, das inzwischen in die Wegeführung des Radwege- und Wandertourismus eingebettet wurde. Das Lagergelände, das durch den systematischen Abbau der Lagergebäude und die anschließende Inbetriebnahme als Panzerübungsgelände (»Tankodrom«) in den Jahren der DDR vollständig überformt wurde, ist seit dem Abzug der Streitkräfte der GUS 1994 zu einem Naturschutzgebiet verwildert. Eine erste archäologische Bestandsaufnahme im Rahmen eines internationalen Jugendcamps in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Archäologie und dem Service Civil International im September 2003 hat erste dokumentierbare Ergebnisse erbracht. Die Panzerspuren haben das geometrisch aufgeteilte Areal allerdings mit einer Art Zwiebelmuster zerfurcht, das die Topografie des Kriegsgefangenlagers weiträumig überdeckt. Dennoch ist die Dimension dessen, was in Zeithain in den Jahren 1941 bis 1945 geschehen ist, angesichts der räumlichen Ausdehnung der Flächen wegen ihrer neuerlichen Zugänglichkeit heute eindrücklich erfahrbar.

Um dem individuellen Totengedenken gerecht zu werden, strebt die Stiftung in Verbindung mit dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge an, die Friedhöfe mit Gedenktafeln und Stelen zu versehen, die die heute bestimmbaren Namen der Toten enthalten. Immer wieder gibt es aus vielen Ländern Anfragen von Angehörigen der Toten, manche besuchen auch heute noch die fern ihrer Heimat gelegenen Friedhöfe. So setzt sich die Individualisierung des Gedenkens von der wissenschaftlichen Dokumentation der Ausstellung in der Neugestaltung der Friedhöfe in Zeithain fort. Wer diese Region nördlich von Dresden besucht und sich auf die Topografie der Lagergeschichte sowie die Dokumentation der Gedenkstätte einlässt, dem werden vielleicht die Dimensionen von Verbrechen und menschlichem Leid sowie von Raum und Zeit gewahr, wie sie mit dem Namen Zeithain für ewig verbunden sind.