www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/

Nordrhein-Westfälische NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren im Internet
01/2000Gedenkstättenrundbrief 93, S. 31-34
Andreas Pflock und Christian Rüggeberg

Zur Entstehung

Auf Initiative des »Arbeitskreises NS-Gedenkstätten in NRW e.V.« und ermöglicht durch finanzielle Förderung der Landeszentrale für politische Bildung NRW konnte nach einjähriger Vorbereitungsphase in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 eine gemeinsame Internetpräsentation aller nordrhein-westfälischen NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren umgesetzt werden. Zielsetzung des Vorhabens war, allen Einrichtungen die Neukonzeption eines ansprechenden Internetauftritts anzubieten, vorhandene Angebote in die Präsentation einzubinden und eine gemeinsame Darstellungs- und Kommunikationsplattform zu entwickeln. Am 26. Januar 2000 wurde das Angebot unter der Internet-Adresse www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/ von der Ministerin für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Gabriele Behler, freigeschaltet. Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest ermöglichte es, die Seiten auf dem vom Institut betreuten Server learn:line (www.learn-line.nrw.de) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Während des Projektablaufs wurden für insgesamt 22 Einrichtungen drei grundlegende Möglichkeiten zur Internet-Darstellung entwickelt:

L Erstellung eines umfangreichen Internet-Angebots (z. B. Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund)

L Erstellung eines (zunächst) eingeschränkten Angebots (u.a. Ehemalige Synagoge, Drensteinfurt)

L Erstellung einer Basisinformation mit einem Linkverweis auf eine eigenständige, umfangreiche Internetpräsentation (z.B. Villa ten Hompel, Münster)

Sowohl »große« als auch »kleine«, oftmals von Gemeinden oder kleinen Vereinen getragene, Einrichtungen konnten so erstmals auf einer Plattform vereint werden. Bei der Vorbereitung des Projekts war bereits deutlich geworden, daß es bei der Aufbereitung der Inhalte nicht darum gehen sollte, komplexe historische Zusammenhänge zu vermitteln, sondern sowohl auf die spezifischen Anforderungen als auch die mediencharakteristischen Möglichkeiten des Internets zu achten. Für die Umsetzung bedurfte es folglich einiger grundlegender, neuer Überlegungen, um Struktur, Inhalt und Ausnutzungsmöglichkeiten des Mediums gerecht zu werden. Zur Aufbereitung wurden medientypische Grundelemente wie Fotos und Dokumente, Ton- und Videosequenzen sowie Downloaddateien verwendet. Anders als bei den herkömmlichen Medien wurde die Möglichkeit geschaffen, die kommunikativen Seiten des Internets auszuschöpfen, wie z.B. mittels Besucheranmeldungen und Literaturbestellungen via E-Mail sowie dem Angebot eines Diskussions- und Informationsforums. Die Vielfalt der Gedenkstättenlandschaft in NRW wurde dabei nicht völlig einer inhaltlich »normierten« Darstellungsform untergeordnet, sondern ein gemeinsames Layout entwickelt, welches selbständig von den teilnehmenden Einrichtungen mit Inhalt gefüllt wurde. Die Auswahl der dargestellten Themenbereiche wurde zudem so angelegt, daß sie einen Gesamtblick auf die verschiedensten Aspekte der NS-Zeit unter Berücksichtigung der örtlichen Spezifika ermöglichen soll.

Während eigenbetreute Darstellungen von Gedenkstätten »nur« verlinkt wurden, konnten für zahlreiche Einrichtungen erstmalig ansprechende Internetpräsentationen erstellt werden. Zentralisierung und Eigenbestimmung schlossen sich dabei nicht aus. Während die Gestaltung zentraler Elemente (auch aus Kostengründen) zentral organisiert wurde und wird, war unstrittig, daß die Teilnehmer vor allem auf die konzipierten Bereiche »Aktuelles« und »Veranstaltungen« einen unmittelbaren Zugriff erhalten sollten. Durch eine entsprechende Programmierung wurde ermöglicht, das jede Einrichtung ihren Veranstaltungskalender eigenständig aktualisieren kann. Ein weiterer Grundgedanke war, die Folgekosten u.a. für den Betrieb der Internetpräsentation (z.B. Servernutzung) so gering wie möglich zu halten. Bei zukünftigen umfassenden Überarbeitungen, die einmal jährlich geplant sind, werden die Gedenkstätten auf die Zuwendungen der Landeszentrale für politische Bildung angewiesen sein. Einzelne Einrichtungen können bei vorhandenen Mitteln jedoch auch vom Gesamtprojekt unabhängige kleinere Ergänzungen unter Beachtung des Gesamterscheinungsbildes vornehmen lassen.

Inhaltlicher Aufbau des Angebots

Da ein Besuch der Seiten einen anschaulicheren Eindruck verschafft als jegliche schriftliche Skizzierung, werden an dieser Stelle nur einige ausgewählte Teilbereiche vorgestellt. Das Angebot wurde für den Microsoft Internet Explorer ab Version 4.0 optimiert.

L Startseite: Hier wird die Möglichkeit gegeben, das gewünschte Angebot einer bestimmten Einrichtung direkt bzw. durch Benutzung einer Übersichtskarte aufzurufen, mit Hilfe einer Volltextrecherche das gesamte Angebot durchsuchen zu lassen, aktuelle Meldungen abzufragen oder das Hauptmenü auszuwählen.

L Hauptmenü: Die teilnehmenden Einrichtungen werden über eine Karte und/oder eine alphabetische Auflistung der einzelnen Orte erschlossen.

L Gedenkstättenmenü: Je nach Umfang werden minimal eine »Besucherinformation« und eine »Beschreibung« bzw. die Inhaltspunkte »Aktuelles«, »Ausstellung«, »Bildungsangebote«, »Entstehung«, »Literatur«, »Projekte«, »Sammlung« und »Veranstaltungen« angeboten. Von den Einrichtungen bestimmte, farblich abgehobene Themen, ergänzen das Menü.

L Forum: Allen BesucherInnen der Seiten wird die Möglichkeit gegeben, sich über themenbezogene Inhalte auszutauschen bzw. auf eigene Arbeiten, Referate und Studien aufmerksam zu machen.

L Linksammlung: BesucherInnen können eigene Linktips abgeben, die in die Sammlung aufgenommen werden. Mit der Eintragung neuer Links erfolgt zudem deren inhaltliche Kontrolle.

Folgende Einrichtungen werden dargestellt: Arbeitskreis NS-Gedenkstätten NRW e.V.; Verein An der Synagoge e.V., Bonn; Jüdisches Museum Westfalen, Dorsten; Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund; Ehemalige Synagoge, Drensteinfurt; Psychiatriegeschichtliches Dokumentationszentrum, Düren; Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf; Dokumentationszentrum »Duisburg im Widerstand 1933–1945«; Alte Synagoge, Essen; Dokumentationszentrum »Gelsenkirchen im Nationalsozialismus«; Alte Synagoge, Issum; NS-Dokumentationszentrum EL-DE-Haus, Köln; Villa Merländer, Krefeld; Villa ten Hompel, Münster; Gedenkhalle Schloß Oberhausen; Gedenkausstellung Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal, Rösrath; Gedenkstätte »Landjuden an der Sieg«, Rosbach; Alte Synagoge, Selm-Bork; Aktives Museum Südwestfalen, Siegen; Französische Kapelle des Oflag VI a, Soest; Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K), Stukenbrock; Kreismuseum Wewelsburg; Begegnungsstätte Alte Synagoge, Wuppertal.

Perspektiven

 

Das gemeinsame Projekt machte auch deutlich, daß eine ansprechende Internetkonzeption finanzierbar sein kann. Die Kosten beliefen sich auf rund 3.500,— DM pro Einrichtung bei insgesamt 22 Teilnehmern. Durch vorausschauende Planungen können auch die Folgekosten eines derartigen Projektes möglichst gering gehalten werden. Wenig ansprechende und schlecht durchdachte Internetpräsentationen lassen sich folglich nicht mehr unbedingt mit fehlenden oder geringen Finanzmitteln begründen. Ein weiterer Ausbau des Angebots im Jahr 2 000 ist geplant und soll sich vor allem auf inhaltliche Ergänzungen und Aktualisierungen, die Erweiterung des Serviceangebots (u.a. Materialien für Schüler und Lehrer zum Download) und die Vorbereitung einer englischsprachigen Version konzentrieren.