Die Wanderausstellung der Stiftung Topographie des Terrors widmet sich dem Schicksal der Juden – sowie Sinti und Roma – im Getto Litzmannstadt. Sie wurde als erste Wechselausstellung im Neubau des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors im Sommer 2010 gezeigt. Seither ist sie in Deutschland in Köln und Stuttgart ausgestellt gewesen. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, die Wechselausstellung zu buchen.
Eine weitere Fassung der deutsch- und englischsprachigen Ausstellung wurde am 24. Januar 2012 in dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen im Rahmen der dortigen Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag eröffnet. Dank der Unterstützung durch das Auswärtige Amt war es möglich, eine zweite Ausstellungsfassung für die USA herzustellen, die nach dem Ausstellungsende bei der UN in der Zwischenzeit in Portland/Main, Norfolk zu sehen war und gerade im Holocaust-Museum in Richmond ausgestellt wird.
Diese Wechselausstellung hat sich aus einem mehrjährigen, ursprünglich vom Senat der Stadt Berlin initiierten, deutsch-polnischen Studierendenprojekt heraus entwickelt, als dessen Ergebnis ein Gedenkbuch in deutscher und polnischer Sprache über das Schicksal der 4 200 aus Berlin in das Getto Litzmannstadt deportierten Juden stand. Dieses Projekt wurde von der Stiftung Topographie des Terrors in Zusammenarbeit mit dem Toleranzinstitut und dem Staatsarchiv in Łódź durchgeführt. Das von der Stiftung herausgegebene Gedenkbuch ist Anfang 2009 erschienen.
Im Rahmen der Recherchen im Staatsarchiv Łódź sind – dank der Hilfe des Archivdirektors Piotr Zawilski – der wissenschaftliche Bearbeiter Ingo Loose und der Gestalter Kurt Blank-Markard gemeinsam mit dem Kurator Thomas Lutz auf 27 Fotoalben aufmerksam geworden. Sie enthalten etwa 12 000 thematisch sortierte Kontaktabzüge im Kleinbildformat, die von jüdischen Fotografen aufgenommen wurden. Dieser bislang auch unter Fachleuten nahezu unbekannte Bildbestand über eine einschneidende Etappe der Verfolgung der Juden im Getto Litzmannstadt wird im Rahmen dieser Ausstellung zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Im Unterschied zu den wesentlich bekannteren Fotos des deutsch-»arischen« Leiters der Getto-Finanzabteilung Walter Genewein, die bereits vor zwei Jahrzehnten ausgestellt wurden, nehmen die nun präsentierten Fotos eine ganz andere Perspektive ein. Da die jüdischen Berufsfotografen selbst in dem Getto eingesperrt waren, haben sie ihre Mitbürger mit Empathie und Einfühlungsvermögen abgelichtet. Die Abbildungen sind im offiziellen Auftrag des Judenrates entstanden. Sie sollten das funktionierende Gemeinwesen und die Nützlichkeit der jüdischen Arbeitskräfte für die deutsche Wirtschaft demonstrieren. Dennoch wird in den Motiven die Ambivalenz zwischen der ausweglosen Situation im Getto und den Bemühungen der Bewohner, ihre Würde zu erhalten und so lange wie möglich zu überleben, nachvollziehbar.
Aus dem großen Bildbestand sind etwa 50 Abbildungen ausgewählt und sehr stark vergrößert worden. Den Fotos sind als Bildunterschriften Zitate aus Überlebendenberichten und aus der Gettochronik zugeordnet. Die Ausstellung gibt Hinweise für den Umgang mit Bildern als historische Quelle, was sie verschweigen und wie damit quellenkritisch umzugehen ist.
Die Ausstellung zeigt, welche praktischen Auswirkungen mit dem Handeln der Täter an den Schreibtischen in den Zentralen von Polizei und SS in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße auf die Opfer verbunden waren.
Datenblatt: Die Ausstellung ist am besten auf einer Grundfläche von 200 qm zu zeigen. Die Ausstellung besteht aus 14 Tafeln in dem Maßen 76 cm x 90 cm, 21 Tafeln 96 cm x 116 cm und 30 Tafeln 90 cm x 146 cm. Zusammengerechnet sind die Tafeln 75 laufende Meter lang. Diese werden mit Drahtseilen in ein Ausstellungssystem eingehängt. Prinzipiell kann jedes Hängesystem verwendet werden. Alle Texte in der Ausstellung und im Katalog sind zweisprachig: Deutsch und Englisch. Der Ausstellungskatalog umfasst 96 Seiten. Der Verkaufspreis in der Ausstellung beträgt 12 Euro.
Die Tafeln sind in drei Holzkisten verpackt. Das Gesamtgewicht beträgt inklusive der für das Einhängen in ein Ausstellungssystem notwendigen Materialien und drei Bannern, die in zweieinhalb Meter langen Rollen geliefert werden, etwa 520 kg. Falls notwendig kann ein eigenes Ausstellungsgestell – ebenfalls in Kisten verpackt – mitgeliefert werden. Die Kosten für den Transport von und nach Berlin sowie der Auf- und Abbau und die Versicherungskosten müssen von den Leihnehmern übernommen werden. Die Planungskosten für die Anpassung der Ausstellungshängung an den Ausstellungsort übernimmt die Stiftung Topographie des Terrors. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben.
Leihgeber ist die Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin. Kontakt: Dr. Thomas Lutz (lutz@topographie.de, +49 30 254509-15).
Dr. Thomas Lutz ist Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors. Er hat die hier beschriebene Ausstellung 2010 erarbeitet und ist für deren Betreuung zuständig.