Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen

Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten
03/2013Gedenkstättenrundbrief 169, S. 41-42
Fabian Krüger

Die Wanderausstellung »Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen. Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten« präsentiert rund 80 Aufnahmen aus dem dienstlichen Fotoalbum des ersten Kommandanten von Sachsenhausen, Karl Otto Koch. Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen haben das Fotoalbum in den Archiven des russischen Geheimdienstes gefunden. Aus dem Blickwinkel der SS-Täter wird darin der Aufbau des KZ-Systems in Deutschland von 1933 bis Juli 1937 dokumentiert. Das Album mit insgesamt rund 500 Aufnahmen aus der Zeit zwischen Frühjahr 1933 und Sommer 1937 zeigt den Aufstieg Kochs vom SS-Führer zum Fachmann für die Reorganisation und den Neuaufbau von Konzentrationslagern. Das Album wurde vermutlich als Geschenk zu Kochs 40. Geburtstag 1937 angelegt.
Die Aufnahmen zeigen Koch als Kommandanten der Konzentrationslager Hohnstein, Sachsenburg, Columbia und Esterwegen, die er nach den im KZ Dachau von seinem Förderer, dem »Inspekteur der Konzentrationslager, Theodor Eicke, entwickelten Prinzipien der totalen Beherrschung der Häftlinge reorganisierte. Mit dem Aufbau des als Modell- und Schulungslager geplanten KZ Sachsenhausen ab Sommer 1936 begann eine völlig neue Phase der Konzentrationslager, die nach der Ausschaltung der innenpolitischen Opposition zu Instrumenten der rassischen und sozialen Verfolgung, der Bevölkerungspolitik und der Kriegsvorbereitung wurden.
Bei der Eröffnung der Ausstellung in der Gedenkstätte Sachsenhausen im Juni 2006 sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Dr. Günter Morsch, der zugleich auch Kurator der Ausstellung ist: »Was die Bilder des Dienstalbums von Koch von allen bisher bekannten Bildquellen unterscheidet, ist der unmittelbare, durch keine Inszenierung verfremdete Blick auf das Selbstbild der Konzentrationslager-SS. Die Bilder zeigen, wie Menschen von der SS im Konzentrationslager zu Untermenschen abgerichtet werden. Dem gegenüber steht das zynische, lustvoll ausgelebte Herrenmenschentum der SS, das äußerlich von Sauberkeit, Disziplin und Ordnung geprägt ist. In der Ausstellung werden dieser Perspektive der Täter Berichte von ehemaligen Häftlingen entgegengestellt, die auf die Bilder Bezug nehmen und diese konterkarieren.«
Die Ausstellung präsentiert die Bilder im vereinheitlichten Format 18 × 24 cm. An einem Lesepult können die Besucher in einem Nachdruck des Originalalbums blättern, das aufgrund des Konfliktes um »Beutekunst« zwischen Deutschland und Russland nicht im Original vorliegt. Die Ausstellung ist sehr flexibel gestaltet und kann ganz konkret auf die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten zugeschnitten werden. Auch verschiedene Schwerpunktsetzungen oder die Aufteilung der einzelnen Ausstellungseinheiten auf mehrere Räume sind denkbar. Es müsste jedoch eine Fläche von mindestens 60 m2 zur Verfügung stehen.
Der Ausstellungskatalog »Von der Sachsenburg nach Sachenhausen. Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ Kommandanten«, 2007 im Metropol Verlag im Rahmen der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erschienen, enthält mehr als 200 Abbildungen aus dem Fotoalbum und Beiträge von Dr. Carina Baganz,Wassilij Stepanowitsch Christoforov, Kurt Buck, Dr. Insa Eschebach, Habbo Knoch, Prof. Dr. Günter Morsch, Prof. Dr. Johannes Tuchel, Dr. Christl Wickert und Ute Wrocklage.


Fabian Krüger ist in der Pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen tätig.