Ich werde Ihnen einleitend anhand eines textilen Beispiels, das nichts mit Konzentrationslagern zu tun hat, die Leistungsfähigkeit von Textilien, insbesondere von Kleidung, für die Erinnerung darstellen. Im Hauptteil komme ich dann zur gestreiften KZ-Häftlingskleidung. Nach einem kurzen Abstecher in die Geschichte der Gefangenenkleidung werde ich am Beispiel dieser speziellen Kleidung zeigen, welche Informationen Textilien bei einer Decodierung ihrer Spuren bereit halten. Abschließend gehe ich auf die Problematik der Dokumentation von Textilien, vor allem der Zebra-Kleidung, ein.
Textilien berühren, umhüllen und schützen den Körper nicht nur, sie schmücken den Menschen, der sie trägt und signalisieren, welcher Gruppe er sich zugehörig fühlt oder wie er sich in einer Hierarchie positioniert. Jedoch thematisieren textile Objekte immer auch den menschlichen Körper selbst, für den sie gemacht sind und an dem sie sich befinden. Auch wenn der Körper abwesend ist, lässt Kleidung diesen als fehlenden anwesend erscheinen, als Hülle, die das Umhüllte zwingt mitzudenken und mitzuphantasieren. Dieses Phänomen machen sich die Bauern zunutze, etwa wenn sie Gestelle mit menschlicher Kleidung behängen, um Vögel abzuschrecken. Die Vögel nehmen das Abwesende, den Körper, für anwesend. Ist er windbewegt, ist die Täuschung noch perfekter (Abb. 1). Dass das so erzielte "Schreckbild"1 dem verstandesgeleiteten Auge schließlich doch nur als ein Haufen Materials angesehen werden kann, ist bei Christian Morgenstern nachzulesen. Dort heißt es im letzten Vers seines Gedichtes "Die Vogelscheuche": "Du bist ja nur ein bloßer Stock, mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock, Krah, krah, krah"2.
Wie kaum ein anderes Objekt sind Textilien körpernahe Erinnerungsträger. Trotz ihrer Fragilität sind sie in der Lage, Spuren unterschiedlichster Art zu speichern. Johann Gustav Droysen hat schon Mitte des 19. Jahrhunderts in seiner Historik darauf verwiesen, dass alles "was die Spur von Menschengeist und Menschenhand an sich trägt, von der Forschung als Material herangezogen werden"3 kann. Entscheidend sei, dass man diese Spur an den Resten erkennen und so eine Vorstellung von der Vergangenheit gewinnen könne, von denen sie Zeugnis geben. Das historische Material, Schriften wie Bauwerke oder Dinge des alltäglichen Gebrauchs, klassifiziert der Historiker in Überreste, Quellen und Denkmäler.4 Mit materiellen Spuren, die sich Dingen oder Orten eingeschrieben haben, beschäftigten sich Archäologen, Geologen, Künstlerinnen, Kunsthistoriker, Textilwissenschaftler und Kriminologen - um nur einige zu nennen. Ob bei Grabungen, Analysen bestimmter Landschaftsformen, Kunstaktionen oder der Aufklärung von Verbrechen, immer geht es um Spurensuche, Spurensicherung und Deutung der Spuren. Besonders Kriminalbeamte müssen sich in dem kriminaltechnischen Bereich der Spurensicherung auskennen. Sie müssen eine Spur erkennen, fachgerecht sichern und auswerten können. Dazu zählen auch für das Auge zunächst unsichtbare, mikroskopisch kleinste Spuren wie Staub, Schmutz, Pflanzen- oder Blutreste. Der Kriminologe muss also auch Träger dieser Spuren gleichermaßen erkennen und sorgfältig sichern. Ein bemerkenswertes Beispiel der Spurensicherung und -deutung ist die Möglichkeit, Täter anhand der Sitz- und Gehfalten in Kleidungsstücken wie einer Jeans überführen zu können.
Ein Spurenträger besonderer Art ist das Grabtuch von Turin, das zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen beschäftigt. Es handelt sich um ein 4,36 m langes und 1,10 m breites Tuch, in das der Überlieferung nach Josef von Arimathäa und Nikodemus5 den Körper Jesu Christi nach der Kreuzesabnahme eingehüllt haben sollen. Heute wird die Sindone im Dom von Turin verwahrt, wo sie zu besonderen Anlässen der Öffentlichkeit in einem aufwendigen Ritual gezeigt wird (Abb. 2).
Das Spannendste an dem Tuch sind die mit dem bloßen Auge sichtbaren Körperabdrücke eines Mannes in Vorder- und Rückansicht, über deren Zustandekommen und Echtheit sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen streiten. Die wohl aufregendste Entdeckung ist dem Fotografen Secondo Pia zu verdanken, der 1898 die erste Fotografie vom Grabtuch anfertigte. Sie gab den Tuchstudien und dem Kult der Reliquie einen neuen Impuls. Nach Aussagen Pias sei ihm fast die Fotoplatte aus der Hand gefallen, als er während der Entwicklung beobachtete, wie sich auf dem Fotonegativ die Figur eines Mannes im Positiv bildete (also so, wie wir gewohnt sind, es in Wirklichkeit zu sehen). Das bedeutet, dass die Abdrücke auf dem Grabtuch sich wie ein Bildnis in einem natürlichen Negativ verhalten. Ausnahmen bilden einige Blutflecke sowie Abdrücke von Verletzungen. Im Jahre 1931 konnte Giuseppe Enrie mit fortgeschritteneren technischen Möglichkeiten 12 weitere Fotografien einer besseren Qualität anfertigen. Diese Aufnahmen bestätigten die Außergewöhnlichkeit der Abdrücke auf dem Grabtuch. Bis 1969, als die Katholische Kirche Wissenschaftler/innen und einigen Laien zum ersten Mal gestattete, das reale Originaltuch zu untersuchen, basierten die Forschungen zum Grabtuch auf den Fotografien Pias und Enries. 1973 entnahmen Nonnen 17 Proben, vor allem Fäden von verschiedenen Stellen des Grabtuches sowie zwei 13 x 40 mm große Stoffstücke von der Seite des Tuches. 1988 wurde in drei Instituten unabhängig voneinander eine Radiocarbon-Untersuchung (C14-Methode) durchgeführt, anhand derer übereinstimmend der Zeitpunkt der Entstehung des Tuches auf die Zeit zwischen 1260 und 1390 festlegt werden konnte.6
Das größte, trotz fortgeschrittener technischer Verfahren heute noch ungelöste Rätsel ist das hell-dunkle Bildnis einer menschlichen Gestalt, die in Vorder- und Rückseite auf dem Tuch abgedrückt ist. Es handelt sich um einen etwa 1,80 m großen, bärtigen Mann. Die Färbung für die hervortretenden Körperteile, Stirn, Nase, Kinn, Brust ist intensiver, wobei sie in einem fließenden Übergang stellenweise ganz verschwindet. Untersuchungen zufolge stammt der Abdruck von einem Leichnam, der allerdings keine Spuren von Verwesung zurückgelassen hat. Demnach war der Körper nur so lange im Leichentuch eingewickelt, wie nötig war, um ein Abbild hervorzurufen. Eine längere Verweildauer des Leichnams hätte durch den einsetzenden Verwesungsprozess zur Zerstörung des Abdrucks geführt. Die nicht deformierte Blutkruste ist ein Indiz dafür, dass der Körper äußerst vorsichtig entfernt worden sein muss.
Die Form und Färbung der Flecken an Stirn, Nacken, Puls, Füße und in der rechten Rippengegend unterscheiden sich vom übrigen Körper. Sie sind Karminrot, flach und somit ohne Relief. Sie haben deutliche Umrisse, haben also keinen fließenden Übergang nach außen hin. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich bei diesen Spuren um menschliches Blut der Blutgruppe AB handelt.
Die zahlreichen kleinen Dreiecke sind Flicken, die Brandspuren bedecken. Am 4. Dezember 1532 brach in der Sakristei der Kapelle von Chamberry (Frankreich) ein Brand aus. Die Hitze führte dazu, dass der aus Silber bestehende Schrein, in dem das Tuch zusammen gefaltet lag, schmolz und die Silbertropfen den Stoff versengten. Die Flicken stammen von den Nonnen des Klosters der Armen Klarissinnen, die 1534 das Laken damit ausbesserten und gleichzeitig mit einem Stoff hinterlegten. Ebenfalls von diesem Brand rühren die auf dem Tuch sichtbaren Wasserverfärbungen her, die das Löschwasser verursachte.
Ich habe dieses Exempel gewählt, weil es auf eindrucksvolle Weise vermittelt, wie Textilien Spuren und somit Informationen speichern können. Betrachtet man das Textil als Quelle, deren Botschaften decodiert werden müssen, können mit kriminalistischer Detailarbeit und wissenschaftlichen Methoden Ereignisse der Vergangenheit aufgehellt werden. Zwar ist das Rätsel um das Zustandekommen des Abdrucks auf dem Grabtuch von Turin bis heute noch ungelöst, doch nähert man sich der Lösung Schritt für Schritt.
Ich habe dieses Beispiel darüber hinaus gewählt, weil es auch unsere Aufgabe in den Gedenkstätten auf symbolischer Ebene beschreibt. Es geht uns um die Menschen, die in den Lagern gequält und ermordet wurden, wir wollen sie nicht zu Helden und Heiligen machen, wir wollen sie nicht mythisieren, wir wollen sie als Menschen mit Stärken und Schwächen kennen lernen. In ihrem Leben und Sterben sehen wir wie in einem Negativ, die Gesellschaft der Mörder und Terroristen. Auch diese Seite menschlichen Handelns müssen wir akzeptieren. Mit Textilien sind wir besonders nah an diesen Körpern.
Die gestreifte KZ-Kleidung
Vom Mythos des Grabtuchs möchte ich nun zu dem "Mythos" der gestreiften KZ-Häftlingskleidung überleiten. Dabei werde ich bestrebt sein, aus Reliquien, die gezeigt aber nicht erforscht werden, historische Quellen zu machen. Zum Lageralltag gehörten neben Gefäßen zum Essen und Trinken Textilien, neben markierter Zivil- und Militärkleidung auch die Zebra-Kleidung. Jedes Kleidungsstück konnte im Lager über Leben und Tod entscheiden.
Wie schon oben erwähnt, ist Kleidung besonders bedeutsam, weil sie dem menschlichen Körper am nächsten ist. Dadurch ist sie prädestiniert, Mythen aufzusaugen und Betrachter in ihren Bann zu ziehen. Darüber hinaus haben wir es bei der Zebra-Kleidung mit einem besonders prägnanten Zeichensystem zu tun, dass seine Funktionalität mit umgekehrten Vorzeichen auch nach 1945 beweist. Bereits 1945 und 1946 avanciert das ehemalige Schandkleid zum Ehrenkleid (Abb. 3 u. 4). Stempelte die gestreifte Gefangenenuniform die KZ-Gefangenen während ihrer Gefangennahme als verbrecherische Außenseiter der bürgerlichen Gesellschaft, so zeichnet sie den Überlebenden und die Überlebende heute als Mitglied einer besonderen Gruppe aus und beweist, dass die Person, die das Kleidungsstück während Gedenkfeiern trägt, wirklich zu den Überlebenden der Konzentrationslager gehört.
Die gestreifte KZ-Häftlingskleidung wurde erst ab 1938, beginnend im Konzentrationslager Dachau, sukzessive in den Lagern eingeführt. Der Überlebende Harry Naujoks berichtet, dass die Gefangenen in Sachsenhausen erst im Sommer 1939 blau-weiß gestreifte Sommeranzüge aus Drillich erhalten hätten.7 Eicke griff mit seinem Entschluss, gestreifte Kleidung für die Konzentrationslager einzuführen, auf ein in der Geschichte angelegtes und in den Medien popularisiertes Zeichensystem zurück. Während nur wenige Menschen den Strafvollzug vom Augenschein kannten, machten Presse und Filme mit dem spektakulären Verbrecher vertraut. Charlie Chaplin etwa, dessen Filme von einer genau typisierten und damit wieder erkennbaren Welt leben, führt in "The Pilgrim (USA 1922/23) und "The Adventurer" (USA 1917) gestreifte Sträflingskleidung vor. Der mutmaßliche Brandstifter des Reichsparteitages, Marinus van der Lubbe (Abb. 5), hatte 1933 in gestreifter Kleidung an der Gerichtsverhandlung teilnehmen müssen.8 Die Einkleidung van der Lubbes für den Prozess ist eine bewusste Inszenierung der SS, mit der sie der Bevölkerung vor Augen führen wollte, wie ein "Verbrecher" aussah. Gleichzeitig fand eine Vorverurteilung van der Lubbes statt, der obwohl noch nicht für schuldig befunden, bereits Kleidung tragen musste, die verurteilte Kriminelle trugen.
Die SS machte sich damit auf der einen Seite mit der gestreiften Kleidung das der Bevölkerung bekannte Zeichensystem zur Kennzeichnung von verurteilten Kriminellen zunutze, auf der anderen Seite übte sie dieses Zeichensystem ein, auf das Eicke 1938 für die Konzentrationslager zurück griff. Darüber hinaus konnte Eicke auf die vom Reichsminister der Justiz 1934 initiierte Diskussion über die Vereinheitlichung der Gefangenenkleidung in Gefängnissen und Zuchthäusern bauen. Im Zuge der Vereinheitlichung der Strafgefangenenkleidung hatten sich Mitte der dreißiger Jahre die Minister der einzelnen Länder mit gestreifter Häftlingskleidung für den regulären Strafvollzug auseinander gesetzt. Es konnte jedoch keine Einigkeit erzielt werden. Einzelne Länder, darunter Bayern, Sachsen und Baden sprachen sich ausdrücklich gegen die Einführung gestreifter Kleidung aus, da diese den Grundsätzen für den Vollzug von Freiheitsstrafen, das Ehrgefühl der Gefangenen zu wecken, zu schonen und zu stärken, widersprechen würde. Vielmehr würde die Kleidung den Häftling in seiner äußeren Erscheinung entstellen und infolgedessen seelisch bedrücken. Vor allem würden Gefangene, die sich in gestreifter Kleidung der Öffentlichkeit zeigen müssten, dies als schwere Demütigung empfinden.9
Parallel zur Debatte fanden vorbereitende Untersuchungen über notwendige Rohstoffbeschaffenheit, Stoffart, wie die Kleidungsstücke gefärbt werden sollten sowie die Erarbeitung von Richtlinien statt. Die Auseinandersetzungen zogen sich bis 1936 hin. Letztendlich sah der Reichsminister der Justiz aus wirtschaftlichen Gründen von der geplanten Einführung einheitlich gestreifter Gefangenenkleidung für den Strafvollzug ab. In dem Schreiben vom 6. April 1936 ordnete er stattdessen an, dass die Farbe der Anstaltskleidung zukünftig für Zuchthausgefangene und Sicherungsverwahrte schwarz, für Gefängnishäftlinge, Arbeitshaushäftlinge und alle übrigen Gefangenen mittelblau sein sollte.10 Für seinen Sinneswandel waren vor allem Probleme hinsichtlich der Musterung der Stoffe ausschlaggebend. So heißt es in einem Vermerk: "Insbesondere ist auch die Frage geprüft worden, ob eine gestreifte Gefangenenkleidung einzuführen sei. Dabei hat sich herausgestellt, dass es kaum möglich ist, ein Muster für ein der Eigenart der Anstaltskleidung entsprechendes mehrfarbiges Kleidungsstück festzulegen."11
Theodor Eicke müssen die Dispute hinsichtlich gestreifter Kleidung bekannt gewesen sein. Und so erstaunt es nicht, dass er trotz bereits vorhandenem Rohstoffmangel für die Haft im Konzentrationslager gestreifte Gefangenenuniformen erstellen ließ. Für ihn war der ausgrenzende und damit inhumane Charakter der Kleidung ausschlaggebend. Das Streifenmuster ist das prägnanteste Kennzeichen für die Stigmatisierung Gefangener, da es besonders auffällig ist. Sicherlich haben auch die psychologischen Aspekte eine Rolle gespielt. Mit der Einführung der Zebra-Kleidung in die Konzentrationslager unterteilte Eicke die Gesellschaft äußerlich sichtbar in drei Kategorien: die bürgerliche Gesellschaft, rechtmäßig verurteilte Kriminelle und KZ-Häftlinge.
Im Jahre 1942 kam es kriegsbedingt zu Engpässen in der Rohstoffversorgung, so dass die SS dazu überging, mit eingesetzten Flicken und Ölfarbe gekennzeichnete zivile Kleidung, die größtenteils von den in Auschwitz und Majdanek ermordeten Juden stammte, an die Gefangenen auszugeben. Die nach 1945 zum Symbol der Konzentrationslager erhobene gestreifte Kleidung trugen die meisten Inhaftierten also tatsächlich nur 4 von 12 Jahren. Die Vorstellung, viele jüdische Häftlinge hätten gestreifte KZ-Kleidung getragen, trügt. Die meisten Juden wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau in der Sauna vergast.
Die gestreifte KZ-Häftlingskleidung als Zeichensystem im Lager
Das Kalkül der SS, dass die gestreifte KZ-Häftlingskleidung sowohl eine Außen- wie eine Innenwirkung zeigt, bewahrheitete sich. Die zivile Öffentlichkeit ging den Gefangenen bei deren Anblick aus dem Weg, distanzierte sich. Dabei reichten die Reaktionen vom bloßen Anstarren über Wegsehen und Ekelgefühlen bis zum mitleidigen Schauen.12 Wulff E. Brebeck und Karl Hüser erklären das Verhalten damit, dass die Gefangenen in ihren gestreiften Anzügen wie Strafverbrecher aussahen. Die unterschiedlich farbigen Winkel und Nummern hätte die Bevölkerung noch nicht zu deuten gewusst.13 Eine ähnliche Erklärung liefert Ruth Hoffmann. Sie empfand zwar Mitleid mit den Häftlingen, "mein Gott, was sind das bloß für arme Menschen, die da so in der Kälte", beruhigte sich aber, "das sind bestimmt alles Verbrecher, das hab ich mir so gedacht, aber es war doch irgendwie rätselhaft".14
Auf der anderen Seite wirkte sich die gestreifte Kleidung bei den KZ-Gefangenen nach innen aus. Die Menschen, die diese Uniform tragen mussten, übernahmen mit dem Anlegen der Gefangenenkluft auch die Rolle eines Verurteilten. Sie fühlten sich - wie von der SS intendiert - als Ausgestoßene der Gesellschaft. Übereinstimmend berichten Überlebende, dass das Überziehen der gestreiften Häftlingskleidung den Moment der vollzogenen Ausgrenzung aus der bürgerlichen Gesellschaft markierte. Isa Vermehren schildert das in ihrem Buch "Reise durch den letzten Akt": "Mit dem Anlegen der Häftlingskleidung verändert also der Mensch nicht nur das Bild seiner äußeren Erscheinung, sondern vor allem wird er innerlich hinüber in die Wirklichkeit des Nicht-mehr-Personseins gezwungen und im verzerrten Spiegelbild seiner aufgezwungenen neuen Nichts-Würdigkeit entstellten sich langsam seine Züge. Mit dem Anlegen der Uniform war ihm die Menschenwürde genommen worden (...) In der blau-weiß gestreiften Tracht war der Mensch herausgestoßen aus der Gemeinschaft, die ihn für unwert erklärt hatte, noch weiterhin das tägliche Brot seiner seelischen Existenz zu empfangen, Achtung, Vertrauen und Liebe, ohne die der Mensch nicht leben kann."15
Passende, saubere Kleidung
Innerhalb der Lagerhierarchie zeigte passende, saubere Kleidung den sozialen Status eines Gefangenen. Die der Lageraristokratie angehörigen Gefangenen, also Häftlinge, die in der "Gunst" der SS standen, konnten sich nicht nur anständiger ernähren, sich regelmäßig waschen, die Haare lang tragen und sich rasieren, sondern sie besaßen auch bessere und mehr Kleidungsstücke. Aufgrund ihrer besonderen Position im Lager lebte die Lagerprominenz in einer Welt zwischen SS und "gemeinem" Gefangenen.16 Die in Literatur und Ausstellungen oft vorhandene einfache Differenzierung zwischen "gut" für die gestreift gekleideten Opfer und "böse" für die SS in ihren Uniformen funktioniert nicht. Der gewöhnliche Gefangene sah sich nicht nur einem Feind gegenüber, der die SS-Uniform trug, sondern auch einem Feind in Kluft der Häftlinge.17
Um den Unterschied ihres Standes äußerlich sowohl den "gemeinen" Gefangenen als auch der SS kenntlich zu machen, nicht zuletzt, um sich Respekt zu verschaffen, entwickelten die prominenten Häftlinge eine Lagermode. Sie gestalteten ihre Hosen mit eingesetzten Hosenkeilen in zeitgemäße, modische Schlaghosen um. Neuzugänge bemerkten umgehend die äußerlichen Unterschiede zwischen den Gefangenen. Walter Poller schildert seinen ersten Eindruck wie folgt: "Fraglos, es gibt hier zwei Sorten Häftlinge. Die eine scheint so etwas wie eine Elite zu sein, die andere eine große, seltsam uniforme, entpersönlichte Masse."18 Diese Wahrnehmung bestätigen Ota Kraus und Erich Kulka. Sie berichten, dass jeder den riesigen Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Gefangenen und der Lageraristokratie hätte erkennen können. Während der gewöhnliche Lagerinsasse aus schmutzigen Lumpen oder Fetzen bestehende Kleidung getragen hätte, sei die Kleidung der privilegierten Gefangenen nach Maß genäht, gewaschen und stets gebügelt gewesen.19
Art Spiegelman visualisiert die sozialen Distinktionen der Gefangenen in seinem Comic "Maus".20 Vladek Spiegelman, Arts Vater, wird gezeigt, wie er sich in seiner neuen Kleidung, die er seiner Beziehung zu einem Kapo verdankt, dem er Englisch beibringt, wie ein König, ein Millionär fühlt (Abb. 6). Zeichnerisch setzt Spiegelman das in der aufrechten, selbstbewussten Körperhaltung und den breiten Schultern um. Wir sehen Vladek Spiegelman in "Zebrakleidung", die wie ein vornehmer Anzug wirkt, entsprechend glänzen seine Schuhe. Die Streifen des Anzuges sind stabil, fast scharfkantig, während die Streifen seines Freundes Mandelbaum (Abb. 7), der zu den gewöhnlichen Häftlingen zählt, durch den starken Faltenwurf der Kleidung chaotisch und wackelig verlaufen. Durch dieses zeichnerische Mittel der Darstellung der Streifen bringt Spiegelman die Bedeutung der Kleidung für den jeweiligen Träger zum Ausdruck.21
In den Sammlungen befinden sich Kleidungsstücke, die entsprechend einer im Lager vorherrschenden Lagermode verändert worden sind. Die Annahme, dass nur Kriminelle den Status hatten, sich eine modische Veränderung zu erlauben, ist aufgrund des historischen Befundes nicht zuhalten.22 So sind im Schnitt veränderte Beinkleider erhalten, die von politischen Gefangenen getragen worden sind, der rote Winkel ist noch vorhanden (Abb. 8 u. 9). Walter Adam teilt die Kategorien der reichsdeutschen kommunistischen KZ-Gefangenen in zwei Gruppen ein. Den klassenbewussten, parteilich geschulten Gefangenen, die gut zusammen hielten, standen die Gefangenen gegenüber, die er als das "Lumpenproletariat" bezeichnete. Nur Mitglieder der letztgenannten Gruppe kollaborierten seiner Meinung nach mit der SS.23
Lagernummern
Langfristig Inhaftierte entnahmen den Nummern etliche Informationen (Abb. 10). Dies beschreibt Primo Levi: "Den Alten des Lagers sagt die Nummer alles: die Zeit des Lagereintritts, den Transport, mit dem man gekommen ist, und demnach auch die Nationalität. (...) Und was die hohen Nummern angeht, so hängt ihnen etwas Lächerliches an, wie im normalen Leben den Begriffen "Stift" oder "Rekrut: Die typische hohe Nummer ist ein dickbäuchiges, willfähriges und dümmliches Individuum, dem du auf die Nase binden kannst, dass im Krankenhaus Lederschuhe für Leute mit empfindlichen Füßen ausgegeben werden, und das du dazu überreden kannst, rasch hinzulaufen und dir inzwischen seinen Suppennapf "in Verwahrung" zu geben."24
Heute kann uns die Nummer Hinweise auf den einstigen Träger und die einstige Trägerin des Kleidungsstückes geben und so hinter der Nummer wieder einen Menschen aufscheinen lassen.
Abzeichen
Dass von Theodor Eicke 1937 eingeführte Winkel- und Nummernsystem (Abb. 11) unterteilte und markierte die Gefangenen in den einzelnen Lagern und Haftlagerstätten visuell. Die Zuordnung der einzelnen Gefangenen erfolgte oft willkürlich. Die Rechnung der SS, die Häftlinge in Gruppen zu spalten, ging allerdings auf. In der Regel trennte die farbige Markierung die Gefangenengruppen. Obwohl sich das Gros der Häftlinge in der gleichen Situation befand, herrschte auch in den Lagern Antisemitismus, Fremdenhass ebenso vor wie Vorurteile gegenüber Homosexuellen.
Ich werde im Folgenden nicht detailliert auf das komplexe Winkel- und Zeichensystem der SS eingehen, sondern nur Beispiele anführen. So sollten Politische Gefangene rote Winkel tragen, sogenannte Berufsverbrecher grüne, Zeugen Jehovas violette, Emigranten blaue, Homosexuelle rosafarbene - interessanterweise erhielten lesbische Frauen oft einen roten Winkel - Zigeuner braune und sogenannte Asoziale schwarze Winkel auf der linken Brustseite der Jacke und auf dem rechten Hosenbein. Weibliche Gefangene trugen in der Regel Nummer und Winkel auf dem Oberarm.25 Juden mussten zusätzlich zu diesem Zeichen ein auf der Spitze stehendes gelbes Dreieck an ihrer Kleidung befestigen, so dass ein Davidstern entstand.
Um Rohstoffe und Material zu sparen, legte die SS mit dem Erlass vom 14. Mai 1942 die Größe des gleichschenkligen Dreiecks auf 6 x 6 x 6 cm fest. Aber ebenso wenig wie in der Größe entsprachen die Placierungen der Markierungen den von Eicke ausgegebenen Bestimmungen. Der Befund in den Depots der Gedenkstätten zeigt, dass Gefangene ihre Winkel neben, unter- oder oberhalb der Häftlingsnummer angebracht haben bzw. anbringen mussten.26 Beispielsweise trugen polnische Gefangene in Neuengamme die Nummer auf der rechten Brustseite, den Winkel aber wie deutsche Häftlinge links und Tschechen mussten ihre Nummer über dem Winkel und nicht wie in Neuengamme sonst üblich unterhalb befestigen.27 In Buchenwald und Sachsenhausen hatte die SS ein Abzeichen für die Häftlinge geschaffen, die sie für geistig minder bemittelt hielt - eine Armbinde mit der Aufschrift "Blöd".28 Seit Mai 1942 konnten Winkel und Nummer offiziell neben einander auf einem Stoffstreifen angebracht werden.29 Rückfällige, dass heißt zum wiederholten Male in das Konzentrationslager eingewiesene Gefangene, trugen oberhalb des Winkels einen roten Balken. Funktionshäftlinge wie Lagerältester, Blockältester, Kapo und Vorarbeiter erhielten zusätzlich zu ihrem Winkel schwarze Armbinden mit weißer Aufschrift, die am linken Arm befestigt werden mussten. Ota Kraus und Erich Kulka berichten für Auschwitz, dass unterschiedlich farbige Armbinden den Rang des Häftlings ausdrückten. So hätten Kapos, Vorarbeiter und Aufseher gelbe Armbinden mit weißer Schrift und Blockälteste rote Armbinden besessen, während eine schwarze Armbinde mit weißer Schrift die Lagerältesten, die Angehörigen des Arbeitsdienstes und den Rapportschreiber gekennzeichnet hätten.30
In den Sammlungen der Gedenkstätten dominiert der rote Winkel. Während nur wenige grüne oder gelbe Markierungen sowie Armbinden, die die Funktion im Lager anzeigten überliefert sind, ist keine gestreifte Kleidung mit Kennzeichnungen anderer Gefangenengruppen wie etwa der rosa Winkel für Homosexuelle, der schwarze Winkel für sogenannte "Arbeitsscheue oder Asoziale" vorhanden.
Die starke Dominanz der roten Winkel in den Sammlungen wirft die Frage auf, warum kaum gestreifte Kleidungen mit andersfarbigen Kennzeichnungen überliefert sind. Ein Grund hierfür könnte das ausgeprägte Bewusstsein der politischen Gefangenen im Hinblick auf ihre Erinnerung und Gedächtnis sein, das dazu führte, dass sie ihre Kleidungsstücke den Gedenkstätten übergaben. Sicherlich ist auch die hinter den politischen Gefangenen stehende Lobby ausschlaggebend, die darum bemüht war, politische Gefangene als Helden und Märtyrer im "Kampf gegen den deutschen Faschismus" zu erinnern. Hinzu kommt, dass auch nach Kriegsende die Intoleranz gegenüber Schwulen, Lesben oder Zigeunern bestehen blieb. Und so war es eine Schande, Träger oder Trägerin eines rosa, grünen oder schwarzen Winkels gewesen zu sein.
Der 2. Teil des Beitrags folgt im GedenkstättenRundbrief Nr. 113, Juni 2003
1 Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, Berlin 19933, S. 1194.
2 Christian Morgenstern, Die Vogelscheuche, in: www.astelfix.de/vogel.htm.
3 Siehe Johann Gustav Droysen, Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, hrsg. von Rudolf Hübner, München und Berlin 1943, S. 38.
4 Siehe Droysen 1946 (wie Anm. 3), S. 38.
5 Johannes 19.38 - 42, Die Grablegung.
6 Siehe Gino Moretto, Sekretär des Centro Internazionale di Sindonologia, "Das Turiner Grabtuch", Torinto o. J.
7 Die Häftlinge mussten sich in der eben erst eingelieferten Kleidung mit dem Rücken zur Kamera vor einem Spruch Himmlers aufbauen, so als würden sie den Text lesen. Der Spruch lautete: "Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterlande!", Harry Naujoks, Mein Leben im KZ Sachsenhausen 1936 - 1942, Erinnerungen eines ehemaligen Lagerältesten, Berlin 1989, S. 135f.
8 Berliner Illustrirte Zeitung vom 30. September 1933, Nr. 39. Dort ist ein Foto mit van Lubbe in gestreifter Kleidung abgebildet, das den Artikel "Der Reichstags-Brandstifter Prozeß in Leipzig" bebildert. Die Bildunterschrift lautet "Van der Lubbes auf der Anklagebank", Phot. Presse Illustrationen Hoffmann". In der Berliner Illustrirten Zeitung vom 22. Oktober 1933, Nr. 42, ist van der Lubbe erneut in gestreifter Kleidung abgebildet. Der Artikel lautet: "Der Prozess, dem die Welt zuhört.". Die Fotoaufnahmen stammen von Wolfgang Weber. Die Bildunterschrift lautet: "Augenblicksbild vom Leipziger Prozess: Der Hauptangeklagte van der Lubbe." Ich danke Ute Wrocklage für diese Hinweise. Siehe auch Bärbel Schmidt "Geschichte und Symbolik der gestreiften KZ-Häftlingskleidung", www.bis.uni-oldenburg.de/dissertation/2000/schges00/schges00.html., S. 191f.
9 Siehe Schreiben des Staatsministers der Justiz München, Nr. IV.34441 a an die Justizverwaltungen der Länder und den Reichsminister der Justiz vom 7. August 1934; Schreiben des Ministers des Kultus, des Unterrichts und der Justiz, Abteilung Justiz an das Oldenburgische Justizministerium, Karlsruhe vom 12. September 1934; Schreiben der Direktion der Gefangenenanstalten an den Minister der Justiz in Oldenburg, Vechta vom 26. September 1934, Schreiben des Sächsischen Ministeriums der Justiz, Geschäftsnummer 1461 III3/34, Nr. II r 159 a Ho. an das Oldenburgische Ministerium der Justiz, Dresden vom 16. Oktober 1934. Alle Schreiben im Niedersächsischen Staatsarchiv Oldenburg, Bestand NS, Justiz 1934 - 1935, III-23-26. Ich danke Ute Wrocklage für diesen Hinweis. An dieser Stelle sei nur kurz darauf verwiesen, dass eine ähnliche Diskussion bereits 1867 unter Justizbeamten geführt wurde. So riet der Karlsruher Beamte F. Szuhany dringend dazu "dass jene entwürdigenden Abzeichen durch zweierlei Farbe, sei es halbscheidig nach der Länge des Sträflings, sei es gleich einem Zebra durch Streifen, aus den deutschen Strafanstalten verschwinden mögen. Der einzige vernünftige Grund für dieselben - die Sicherheit vor Flucht - wird auch durch die oben (in Stoffen schmale, nur einige Faden breite Streifen aus verschiedenfarbiger Baumwolle einzuweben, B. S.) vorgeschlagene Kleidung erreicht, die immerhin von der gewöhnlichen bürgerlichen Tracht etwas abweicht und durch innen angebrachte Stempel, Nummern und dergleichen Zeichen leicht als Sträflingskleidung erkannt werden kann." F. Szuhany, "Gutachten für die Versammlung des Vereins der deutschen Strafanstaltsbeamten im Jahre 1866", in: Blätter für Gefängniskunde, Organ des Vereins der deutschen Strafanstaltsbeamten, Zweiter Band, 6. Heft, unter Mitwirkung des engeren Vereins-Ausschusses redigiert von G. Ekert, Heidelberg 1867, S. 261f.
10 Siehe Schreiben des Reichsministers der Justiz an die Generalstaatsanwälte vom 6. April 1936, BArch R 22/1447, fol. 209 (Bundesarchiv Berlin-Lichtenfeld).
11 Kalk.-Vermerk zu IIIs4 13409, ohne Datum, BArch RS 22-1447, 229 (Bundesarchiv Berlin-Lichtenfelde).
12 Siehe Wolfgang Sofsky, Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, Frankfurt am Main 19934, S. 15.
13 Siehe Wulff E. Brebeck/Karl Hüser, Wewelsburg 1933 - 1945 - Das Konzentrationslager, Münster 19883, S. 6.
14 Siehe Sigrid Jacobeit (Hg.), "Ich grüße Euch als freier Mensch", Quellenedition zur Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück im April 1945, Oranienburg 1995, S. 210, Ruth Hoffmann am 1. März 1945.
15 Isa Vermehren, Reise durch den letzten Akt. Ravensbrück, Buchenwald, Dachau, eine Frau berichtet, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 133.
16 Siehe Sofskiy 1993 (wie Anm. 12), S. 177.
17 Siehe Sofsky 1993 (wie Anm. 12), S. 169ff., S. 173.
18 Walter Poller, Arztschreiber in Buchenwald, Bericht des Häftlings 996 aus Block 36, Offenbach am Main 1960, S. 31.
19 Ota Kraus/Erich Kulka, Die Todesfabrik Auschwitz, Berlin 19582, S. 211.
20 Art Spiegelmans erstmals 1986 und 1991 erschiene zweibändige Ausgabe "Maus - A Survivor's Tale" ist das bekannteste Beispiel für die symbolische Verwendung der Zebra-Kleidung. Beide Eltern des 1948 in Stockholm geborenen Autors überlebten ihre Haft in Konzentrationslagern. In seinen Heften erzählt Spiegelman die Geschichte seines Vaters, Vladek Spiegelman, in Form einer Fabel. Die Juden erscheinen als Mäuse, die SS als Katzen. Als Vorlage seiner gezeichneten Bilder nutzte Spiegelman unter anderem Fotografien, um die Erzählungen seines Vaters zu visualisieren. Im zweiten Band nimmt der Autor die vom Vater beschriebenen Einkleidungsszenen auf (S. 26), thematisiert die äußeren und inneren Auswirkungen der KZ-Kleidung auf die Gefangenen und illustriert, wie der Vater sich wie ein Millionär fühlte, nachdem der Kapo ihm ermöglicht hatte, sich in der Bekleidungskammer einen neuen, wie maßgeschneiderten Zebra-Anzug zu organisieren. Siehe Art Spiegelman, "Maus". Die Geschichte eines Überlebenden, Reinbek bei Hamburg 1992, 1. Auflage 1991 unter dem Titel I. "Maus. A Survivor´s Tale und II. And Here My Troubles Began", S. 33. Siehe auch Ute Wrocklage, Auschwitz-Birkenau - Die Rampe, in: Detlef Hoffmann (Hg.), Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945 - 1995, Frankfurt/New York 1998, S. 278 - 309, bes. S. 296ff.
21 Ausführlicher hat Kristina Oberländer diese Thematik in ihrer Hausarbeit "Gestreifte KZ-Häftlingskleidung im Comic untersucht an Art Spiegelmans Maus", CvO Universität Oldenburg, (Wintersemester 2000/2001) behandelt.
22 Wolfgang Sofsky berichtet davon, dass in Auschwitz auch die Überlebenden der ersten polnischen Transporte der Lageraristokratie angehörten. Zu den privilegierten Frauen des Frauenlagers Birkenau zählten außer deutschen "Asozialen" ebenfalls wenige jüdische Slowakinnen, die im Frühjahr 1942 eingeliefert worden waren. Einige hundert Juden aus den ersten Transporten gehörten neben den Deutschen in Monowitz und den angeschlossenen Außenlagern ebenfalls zur Prominenz. Siehe Sofsky 1993 (wie Anm. 12), S. 171; siehe auch Lutz Niethammer (Hg.), Der "gesäuberte" Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald - Dokumente, Berlin 1994.
23 Walter Adam, Nacht über Deutschland. Erinnerungen an Dachau, Wien 1974, S. 22f.
24 Primo Levi, Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht, München 19584, S. 30.
25 Siehe Vermehren 1998 (wie Anm. 15), S. 67.
26 Bernard Klieger erinnert sich, dass in Auschwitz die Winkel neben der Häftlingsnummer angebracht werden mussten. Siehe Bernhard Klieger, Der Weg, den wir gingen (Reportage einer höllischen Reise). Mit 10 Zeichnungen von Josette Cagnant, Bruxelles-Ixelles 19572, S. 39f.
27 Siehe Hermann Kaienburg "Vernichtung durch Arbeit". Der Fall Neuengamme. Die Wirtschaftsbestrebungen der SS und ihre Auswirkungen auf die Existenzbedingungen der KZ-Gefangenen, Bonn 19912, S. 218, Anmerkung 82.
28 Siehe Eugen Kogon, Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, München 199419, S. 72 und Manuela R. Hrdlicka, Alltag im KZ. Das Lager Sachsenhausen bei Berlin, Opladen 19922, S. 66.
29 Siehe Schreiben des Amtes D IV an die Ämter VI und VII, Dok. 30.4, in: Johannes Tuchel, Die Inspektion der Konzentrationslager 1938 - 1945. Das System des Terrors, Berlin 1994, S. 168.
30 Siehe Kraus/Kulka 1958 (wie Anm. 19), S. 34f.