Textilien als Quellen der Erinnerung und Dokumente der Geschichte

Textile Realien - Teil 2
06/2003Gedenkstättenrundbrief 113, S. 3-9
Bärbel Schmidt

 

Die Zebra-Kleidung in der Erinnerungspolitik nach 1945

Im Markierungssystem und in der gestreiften Kleidung spiegelt sich nicht nur die Komplexität der Lagerrealität wider, die je nach Lager differierte, sondern auch das geplante Chaos der SS. Dieses Problem des Zusammenhangs von historischer Realität und Erinnerung findet in Ausstellungen und Aufsätzen oft kaum Berücksichtung. In der Regel soll nicht das Besondere der historischen Situation, sondern das Idealtypische dargestellt werden. Wichtig ist der der Kleidung spezifische Zeichencharakter, die markante Streifenmusterung. Deswegen eignete sich die Zebra-Kleidung nach Kriegsende weit besser zum Symbol als beispielsweise markierte Zivilkleidung oder alte Uniformstücke. Über 50 Jahre nach Befreiung der Konzentrationslager dominiert die kollektive Erinnerung ein Bild von einheitlichen Lagern, einheitlichen Lagerrealitäten und einheitlicher blau-weiß gestreifter KZ-Kleidung. Erst in neueren Ausstellungen, etwa Buchenwald, ist die Kleiderwirklichkeit der Lager, nämlich zivile und gestreifte Kleidung, berücksichtigt.

Ebenso bleibt die oben benannte unterschiedliche Bekleidungs- und Lagerwirklichkeit zwischen einem "gewöhnlichen" und einem "prominenten" Häftling im allgemeinen in Ausstellungen und auch in der Literatur unberücksichtigt. Allenfalls weist ein Text auf prominente Häftlinge und deren bevorzugte Stellung im Lager, die ihnen das Überleben erleichterte, hin. Die ausgestellte gestreifte KZ-Häftlingskleidung, in der Regel der KZ-Anzug, symbolisiert eine homogene Gesellschaft von Häftlingen, wobei die Streifen als Symbol der Konzentrationslager einen Heroismus der Opfer symbolisieren. Meistens wird dabei nur der männlichen Häftlinge gedacht. Unbequeme Häftlingskategorien, zu denen auch Frauen zählen, werden aus der kollektiven Erinnerung ausgegrenzt, ins Abseits, ins Vergessenwerden verdrängt. Homosexuelle, Sinti und Roma, Kriminelle und Asoziale stören die symbolische Ordnung der Erinnerung.

In der Regel überwiegt in Ausstellungen der gestreifte Anzug, der nicht selten als Nachbildung und in Massen, die uniforme, entindividualisierte Gefangenenmasse symbolisiert. Der Anzug hat sich als Symbol durchgesetzt. Die dominante Erinnerung an die männlichen Gefangenen führt in der Praxis zu Fehldeutungen. Weibliche Kleidungsstücke werden oft nicht als Frauenkleidung erkannt. So präsentieren die Ausstellungsmacher in Auschwitz in einer inszenierten Kapo-Stube eine gestreifte Frauenjacke mit grünem Winkel und der Nummer 11 (Abb. 12) als Kleidungsstück des deutschen Kapos Emil Grönke (Abb. 13). Die Jacke ist allerdings Elisabeth Ames zuzuschreiben (Abb. 14), die wie Grönke den grünen Winkel und die Nummer 11 trug. Dieses Beispiel zeigt, das materiell nachweisbare geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kleidung auf die männliche Variante begrenzt werden. Mit der Verdrängung der weiblichen Kleidung wird das Vorhandensein weiblicher Häftlinge in den Lagern und damit die Erinnerung an sie ausgeschaltet.

Oft werden Kleidungsstücke bekannter Überlebender in Ausstellungen wie Reliquien präsentiert. So etwa die Gefangenenkluft des unter dem Pseudonym K. Zetnik publizierenden Schriftstellers Yehiel Dinur. Dieser hatte den Oberstaatsanwalt 1961 bedrängt, seine KZ-Jacke und Hose als materiellen und symbolischen Beweis im Prozess gegen Adolf Eichmann zuzulassen. Beide Kleidungsstücke wurden als Beweisstück T 1328 aufgenommen (Abb. 15). ..Die Lagerkleidung befindet sich seit 1998 in der ständigen historischen Ausstellung in Yad Vashem (Abb. 16). Sie ersetzt den Anzug von Mordechai Ansbacher (Abb. 17), dem ehemaligen Leiter der Museumsabteilung. Bei dem Austausch wurden keine größeren Veränderungen in der Ausstellung vorgenommen. Die Kleidungsstücke sind am selben Ort wie Ansbachers ausgestellt. Die Gefangenenkluft wird in einem Ensemble aus Stacheldraht und einem Großfoto, das Gefangene in Buchenwald nach der Befreiung in ihren "Betten" zeigt, präsentiert. Während allerdings Ansbachers Kluft ungeschützt hinter dem Stacheldraht zu sehen war, mit Nägeln an der Wand befestigt, wird Dinurs Kleidung in einer Glasvitrine ausgestellt, aufgehängt auf einem Bügel. Eine Schrifttafel rechts von der Kleidung berichtet über die Rolle der Gefangenenkluft im Eichmann-Prozess. Die Präsentation der Kleidung Dinurs gleicht der Präsentation einer Reliquie in christlichen Kulturen. Das dicke Glas der Vitrine weist darauf hin, dass hier etwas Einmaliges, Schützenswertes zu sehen ist und verleiht dem Objekt damit eine größere Bedeutung. Diese Auszeichnungen wurden dem Anzug Ansbachers nicht zuteil. Es ist interessant, dass wir am Objekt Kleidung ein Beispiel vor Augen haben, das zeigt, wie entscheidend der soziale Status einer Person für den Umgang mit ihm und seiner Bekleidung ist. Hatten im Lager Prominente bessere Überlebenschancen, nicht zuletzt durch Kleidung, so steigt der symbolische Wert der Kleidung Prominenter, die sich nach 1945 in der Erinnerungsarbeit, aber auch in der Erinnerungspolitik einen Namen gemacht haben.

Die gestreifte KZ-Häftlingskleidung als Dokument

Im Etymologischem Wörterbuch lesen wir, dass der Begriff "Dokument" im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen "Documentum ‚Lehre, warnendes Beispiel, Beweis, Probe'"1 ins Deutsche entlehnt wurde. Demnach erfüllt ein Dokument zwei Funktionen, einmal die des Beweises und zum anderen die eines warnenden Beispiels. In beiden Sinnen wurde die gestreifte KZ-Häftlingskleidung nach 1945 behandelt. Im Gegensatz zu Museen, die Sammlungen von Sachkultur sind und das Ziel verfolgen, über bestimmte Zeiten mit Realien zu informieren, verwahren Gedenkstätten in erster Linie Erinnerungsstücke, Asservate, die eher zufällig zu Zeugen der Sachkultur wurden. Zunehmend werden jedoch an Gedenkstätten die gleichen Anforderungen gestellt wie an Museen. Der Titel der im Oktober 2002 in Flossenbürg stattgefundenen Gedenkstättentagung "Sammeln, Bewahren und Dokumentieren als Grundlage für politische Bildungsarbeit in Gedenkstätten" trägt diesen Forderungen Rechnung.

Volkhart Knigge wies auf der im September 2000 in Buchwald durchgeführten Konferenz "Die Zukunft der Erinnerung. Wie werden die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen in den nächsten fünfzig Jahren erinnert werden? Narrative - Repräsentationen - Sinnbildungen" darauf hin, dass Gedenkstätten nicht zu den traditionellen Museen gerechnet werden können. Ihre Vorläufer sind nicht die Wunderkammern und gelehrten Schausammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts.2 Eben so wenig ließen sich Polizeimuseen als Vorläufer anführen. Knigge konstatiert, dass sich Museen und Gedenkstätten zur Bewahrung der Erinnerung an die NS-Verbrechen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern in sich selbst gründen, vor allem in der Untersuchung und der öffentlichen Präsentation der Lager als Tatorte - in kriminalpolizeilichem wie juristischem Sinn - durch die Alliierten. Die während der Befreiung sicher gestellten Objekte, Dokumente sowie Berichte von Überlebenden waren ursprünglich nicht für ein Museum bestimmt, sondern dienten als Sachbeweise, als corpi delicti für die Verbrechen der SS.

Hinzu kommt, dass die Gedenkstätten in ihrer Anfangszeit vor allem pädagogische Ziele verfolgten. Wie Detlef Hoffmann ausführt, forderte niemand Neutralität den Gegenständen gegenüber, sondern die Gründer der Gedenkstätten verlangten vor allem pädagogische Konzepte, die die von Deutschen begangenen Verbrechen verurteilten. Die gestreifte KZ-Kleidung diente in der Anfangszeit neben Objekten wie Prügelbock, Peitsche, Holzpantinen als Beweis für die von Deutschen begangenen Verbrechen. Gleichzeitig unterstützte sie als warnendes Beispiel die Forderung der Überlebenden, solche Verbrechen dürften "Nie wieder" passieren. Während die Gedenkstätten eine Domäne der Pädagogen waren, fanden die wissenschaftlichen Recherchen zu den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands in Forschungsinstituten und Universitäten statt. Zunehmend spielen Archive und damit die Dokumentation der Objekte eine wichtige Rolle, verschmelzen die Grenzen zwischen Gedenkstätte und Museum. Wie in Museen changieren die gesammelten Dinge zwischen Realie und Reliquie, zwischen Sachbeweis und auratischem Überbleibsel.

Die wissenschaftliche/museale Dokumentation der in den Gedenkstätten lagernden textilen Überbleibsel konfrontiert die Archivare mit zahlreichen Problemen, deren Ursachen sowohl in der originären Komplexität der Textilien, als auch in der Handhabung der Dinge in der Vergangenheit zu suchen sind. So hat es eine in allen Aspekten einheitliche Zebra-Kleidung nie gegeben. Die Textilien unterscheiden sich hinsichtlich der Rohstoffe bzw. Rohstoffmischungen, Bindungsarten, Arten der Längsstreifen, Breite der Streifen, Schnitte oder Farbe. Kleidungsstücke aus Baumwolle, Leinen, Wolle oder Viskosespinnfaser sind in den Gedenkstätten ebenso vorhanden wie leinwand- oder köperbindige Gewebe. Dem Geschäftsbericht des Jahres 1943 der in dem Frauen-Konzentrationslager ansässigen Texled, in der vermutlich die Kleidungsstücke zum größten Teil hergestellt wurden, ist zu entnehmen, dass die in der Gesellschaft gewebten gestreiften Stoffe für die Häftlingsbekleidung aus Materialien wie Halbleinen, Flockenbast und Zellwolle gefertigt wurden.3 Die gestreifte Musterung ist entweder druck- (meistens die Winterbekleidung) oder webgemustert (meistens die Sommerbekleidung).

Bei einer Dokumentation ist zu berücksichtigen, dass die Konzentrationslager, vor allem nach 1945 als Sammelbecken für gestreifte Kleidung jeder Art fungierten. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gefangenenkleidung

a) aus dem regulären Strafvollzug der 30er Jahre

b) aus den Konzentrationslagern stammen

c) aus den Beständen der von den Alliierten ausgegebenen Lazarettkleidung stammen

d) aus den Speziallagern stammen, in denen während der russischen Besatzungszeit etliche Menschen inhaftiert waren

e) aus dem Strafvollzug nach 1945 stammen

f) aus Nachlässen von Überlebenden stammen, die sich Nachbildungen privat haben herstellen lassen

g) aus dem Fundus von Filmgesellschaften stammen, die über Umwegen als "authentische" Kleidung in die Gedenkstätten gelangten oder aber der Gedenkstätte direkt von den Gesellschaften übergeben wurden

h) aus einem Handel mit speziell dafür hergestellten Fälschungen stammen

i) aus dem Fundus stammen, den Museen für Ausstellungszwecke oder für die Überlebenden hergestellt haben (ein Teil davon wandert später unter Umständen als Originale wieder in die Museen)

j) aus anderen Konzentrationslagern stammen, den jeweiligen Gedenkstätten aber übergeben wurden, weil eine größere emotionale Bindung dazu besteht.

Vor allem der Handel mit gefälschten KZ-Kleidungsstücken, der dem mittelalterlichen Reliquienhandel gleich zu setzen ist, wo Fiktion und Betrug eine große Rolle spielten, erschwert die Arbeit der Gedenkstätten. Die via Internet, auf Flohmärkten, Militaria-Auktionen und in amerikanischen Auktionshäusern als "echt" angebotenen Militaria-Objekte, zu denen die KZ-Kleidung zählt, sollen nach Schätzung des Amerikaners Alec Tulkhoff zu rund 80% Fälschungen sein.4 Der Amerikaner hat, um dem Geschäft mit Fälschungen Einhalt zu bieten, eigens eine Internet-Seite eingerichtet und im Jahre 2000 sein Buch "Counterfeiting the Holocaust" veröffentlicht.5 Unter der Überschrift "Counterfeiting the Holocaust - Exposing Holocaust fraud in the Militaria Market" offeriert er auf seinen Internet-Seiten einen virtuellen Lehrgang, anhand welcher Merkmale Fälschungen erkannt werden können. Deutsche Auktionshäuser, etwa Jens Lau vom Berliner Auktionshaus für Geschichte, beziehen ihre Ware in großen Mengen aus Amerika. Hat Tulhoff recht, dass 80% der in Amerika und im Internet angebotenen Artefakte Fälschungen sind, dann wandert ein Großteil dieser Objekte als Originale in Gedenkstätten und Museen, die zu Abnehmern von Auktionshäusern gehören. Die Nachfrage seitens der Gedenkstätten und Museen reguliert damit auch das Angebot nach Gegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus und fördert so die Produktion von falsifizierten Kleidungsstücken.

Die Untersuchung eines Objektes, um festzustellen, ob es sich um ein Original oder um eine Nachbildung handelt, ist ebenso wichtig wie die Geschichte eines Schenkenden von Bedeutung ist. Der Quellenwert der Dinge muss hinterfragt werden. Dazu gehören Fragen zur Provenienz, Zeit, Ort und Umstände des Fundes, deren Antworten dokumentiert werden müssen. Fragen müssen gestellt werden, von wem die Textilien stammen, wer sie der Gedenkstätte übergab, warum, wer das Textil getragen hat, welche Funktion der Träger/die Trägerin im Lager hatte, wo die Kleidungsstücke hergestellt wurden, ob Veränderungen vorgenommen wurden, welche und wann, während der Lagerzeit oder nach 1945, wie die äußere Erscheinung, Herstellungsart, Zustand bei dem Auffinden bzw. bei der Übergabe waren? Fundumstände müssen sorgfältig dokumentiert, fotografiert und beschrieben werden.

Eine kritische Betrachtung der Textilien ist notwendig, um die Originalität zu klären. Droysen weist auf diese Problematik mit der Kritik der Echtheit, "ob das Material wirklich das ist, wofür es gehalten wird oder gehalten werden will"6, und der Kritik des Früheren und Späteren, "ob das Material noch unverändert das ist, was es ursprünglich war und noch sein will, oder welche Veränderungen an demselben zu erkennen und außer Rechnung zu stellen sind."7 hin. Droysen weiter: "Vollständig ist der Beweis der Unechtheit, wenn die Zeit, der Ursprung der Zweck der Fälschung nachgewiesen worden ist, und das Unechte kann, so verifiziert, anderweitig ein wichtiges historisches Mittel werden (so die ganzen Fälschungen, die über das Verhalten der Museen und Menschen Zeugnis ablegen)."8 Mit Droysens Kritik Echtheit und des Früheren und Späteren9 kann konstatiert werden, dass neben zahlreichen Nachbildungen in den Sammlungen kaum Kleidungsstücke vorhanden sind, die die Zeit von 1945 bis heute unverändert überstanden haben. Zum größten Teil wurden die Textilien restauriert, d. h. gereinigt, gewaschen und ausgebessert. Von Überlebenden wurden in manchen Fällen unmittelbar nach der Befreiung Nummern und Winkel abgetrennt oder Kleidung, die sie nach der Befreiung behalten haben, von ihnen oft nach 1945 verändert, etwa Nummern und Winkel ergänzt, erneuert, Knöpfe neu angenäht, Schnitte verändert, Hosenbund, Hosen und Jacken und Kleider weiter oder enger gemacht. Ausstellungsmacher ergänzten Nummern und Winkel für Ausstellungszwecke, um eine komplette Garnitur ausstellen zu können. Ebenso sind Spuren unsachgemäßer Ausstellungspräsentation wie Löcher durch die Verwendung von Nägeln, Ausbleichen und Brüchigkeit der Stoffe durch Ausstellung im prallen Sonnenlicht vorhanden. Auch der Zahn der Zeit nagt an den Textilien. So zeigen die noch ungewaschenen, im Zustand der Auffindung belassenen Kleidungsstücke in Majdanek Spuren von Mottenfraß und Mäusekot.

In der zeitgenössischen Diskussion über Museen im Allgemeinen, Gedenkstätten im Besonderen, spielt die Rede vom "Authentischen", vor allem vom "authentischen Objekt" eine große Rolle. Für den häufigen Gebrauch der Begriffe "authentisch" und "Authentizität", die die Sehnsucht nach dem "Echten, Wahren" ausdrückt, gibt es verschiedene Ursachen. Gottfried Korff und Martin Roth sehen die zunehmende Bedeutung eines "authentischen" Objektes in enger Verbindung mit den multimedialen Scheinwelten. Der Mensch entfremdet sich durch die virtuellen Welten immer mehr von der Welt, in der er lebt. Korff und Roth sprechen den authentischen Objekten eine "ästhetische Kontrafaszination" in einer Welt zu, in der die Medien überall präsent erscheinen.10 Über 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Schicht der Überlebenden immer dünner. Sind die letzten Überlebenden gestorben, sind wir ausschließlich auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen. Und fast scheint es so, als wollten wir alles, was an wahren Berichten, Erlebnissen, Erinnerungen und Objekten noch greifbar ist, vorsorglich für diesen Moment sichern. Darüber hinaus ist spürbar, dass die zunehmende zeitliche Distanz zum Geschehen es heutigen Generationen erschwert, zu glauben und sich vorzustellen, dass die Verbrechen tatsächlich stattgefunden haben. Hier sollen die noch möglichen direkten und persönlichen Kontakte mit Überlebenden ebenso Abhilfe schaffen, wie echte Gegenstände.

1 Siehe Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (wie Anm. 1), S. 235.

2 Siehe Volker Knigge/Norbert Frei, Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, München 2002, S. 378.

3 Siehe Geschäftsbericht 1943, Dokument NO 588, S. 38. Halbleinen besteht aus Leinen und Baumwolle, nach dem Textilkennzeichnungsgesetz ist der Begriff nur zulässig, wenn mindestens 40 % des Gewichtes aus Leinen ("Flachs") bestehen. In der Regel befindet sich die Baumwolle bei Geweben in der Kette. Flockenbast ist die bei Bastfasern durch Entfernung des Pflanzenleims aus der Bündelfaser gewonnene Elementarfaser (cottonisiertes Leinen, chemische oder mechanische Aufschließung). Stoffe aus dem Rohstoff werden auch Flockenbast genannt, wie z. B. das Gminder Halbleinen. Flockenbast wird heute wegen der schwer lösbaren Probleme der Umweltverschmutzung nicht mehr hergestellt. Siehe Alfons Hofer, Textil- und Modelexikon, Frankfurt 19845, S. 149, Flockenbast und S. 181, Halbleinen. Zellwolle ist der ursprüngliche Begriff für Viskosespinnfaser. Nach dem Textilkennzeichnungsgesetz ist diese Bezeichnung seit 1972 nicht mehr zulässig. Stattdessen sind die Begriffe "Viskosespinnfaser" bzw. "Endlos-Viskose" oder "Viskose-Filament" zu verwenden. Siehe Hofer 1984, S. 504f. sowie 483. Das Textilkennzeichnungsgesetz ist seit dem 1. September 1972 in Kraft. Es ist ein Bundesgesetz, das in Abstimmung mit den Richtlinien der EG-Kommission erlassen worden ist. Siehe Hofer 1984, S. 450.

4 Brief Alec Tulkhoff an die Verfasserin vom 7. November 1998.

5 Alec Tulkhoff, Counterfeiting the Holocaust, A Historical and Archival Examination of Holocaust Artifacts, Atglen 2000.

6 Siehe Droysen 1946 (wie Anm. 3), § 30, S. 99ff.

7 Siehe Droysen 1946 (wie Anm. 3), § 31, S. 114ff.

8 Siehe Droysen 1946 (wie Anm.3), § 31, S. 114ff.

9 Siehe Droysen 1945 (wie Anm. 3), § 31, S. 114ff.

10 Siehe Gottfried Korff/Manfred Roth (Hg.), Das historische Museum, Labor, Schaubühne, Identitätsfabrik, Frankfurt/New York 1990, S. 15 und Günter Morsch, "Überlegungen zur Ausstellungskonzeption in der Gedenkstätte Sachsenhausen", in: Bernd Faulenbach/Franz-Josef Jelich (Hg.), Reaktionäre Modernität und Völkermord. Probleme des Umgangs mit der NS-Zeit in Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten, Essen 1994, S. 89 - 97, hier S. 89.