Techniker der »Endlösung«. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz

Eine Ausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
07/2005Gedenkstättenrundbrief 125, S. 38-39

Als in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern Millionen Menschen ums Leben gebracht wurden, standen ihre Mörder vor technischen Problemen: Tötung und Leichenbeseitigung sollten ohne Unterbrechung, reibungslos, kostengünstig und brennstoffarm vonstatten gehen und möglichst wenig Spuren hinterlassen. Um dies zu bewerkstelligen, war die SS auf zivile Experten angewiesen, die keine Scheu hatten, sich in praktische Probleme der Vernichtung hineinzudenken und entsprechende Problemlösungen zu entwickeln. Die Erfurter Firma Topf & Söhne spielte hierbei eine entscheidende Rolle. Sie konstruierte und montierte die Verbrennungsöfen von Auschwitz, Buchenwald und anderen Lagern. Die Ausstellung eröffnet den Blick auf einen ganz gewöhnlichen deutschen Betrieb, dessen Geschäftsleitung, Ingenieure und Mitarbeiter Schritt für Schritt zu wichtigen Handlangern der SS in der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik geworden sind.

Als die SS nach Kriegsbeginn im KZ Buchenwald zum ersten Mal ein Massensterben unter den Häftlingen herbeiführte, stellte Topf & Söhne zunächst einen Verbrennungsofen zur Verfügung, den die Ingenieure aus einem fahrbaren Ofen für die Kadaververbrennung in der Landwirtschaft abgeleitet hatten. Aus diesem Modell entwickelten die Firma in der Folge spezielle KZ-Öfen. Im Vernichtungslager Auschwitz sahen sich die Erfurter Konstrukteure jedoch von der SS vor neue Aufgaben gestellt: Hier mussten nicht nur wesentlich mehr Leichen verbrannt werden; die Krematorien von Auschwitz waren mit ihren Gaskammern zugleich auch die zentralen Tötungsorte. Ohne erkennbares Zögern überschritten die Ingenieure von Topf & Söhne auch diese moralisch-rechtliche Grenze und standen der SS mit Rat und Tat bei der Organisation des Massenmords zur Seite.

Die durchgängig zweisprachige (dt./engl.) Ausstellung wird auf einer Fläche von ca. 450 m2 präsentiert. Dokumente ermöglichen eine Nahsicht auf die Geschäftsbeziehungen zwischen der Erfurter Firma und der SS. Fotos und Zeichnungen, Stimmen der Häftlinge, die in den Krematorien zum Arbeitseinsatz gezwungen wurden, sowie Überreste der Vernichtungsanlagen geben ein Bild von ihrem Betrieb, von der Brutalität der Täter und vom Leiden der Opfer. Am Ende der Ausstellung wird die Geschichte des Unternehmens und ihrer Mitarbeiter nach dem nationalsozialistischen Massenmord thematisiert. Damit fordert die Ausstellung auf, die grundsätzliche Frage zu diskutieren, wann und wie jeder einzelne Mensch bei Gesellschaftsverbrechen die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt.

Weitere Informationen zur Ausstellung

www.topfundsoehne.de

Ort | Öffnungszeiten

Jüdisches Museum Berlin | Lindenstraße 9-14 | 10969 Berlin

Tel. (030) 259 93-300 | Fax (030) 259 93-409

www.juedisches-museum-berlin.de | info@jmberlin.de

19. Juni – 18. September 2005

Täglich 10–20 Uhr, montags 10–22 Uhr

Eine Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin

und dem Staatlichen Museum Auschwitz,

gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.