Zum ersten Mal werden Zeichnungen des Siebenbürgener Arztes Ladislaus Szücs in einer Wanderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Vom 26. April bis 15. August 1999 waren die Zeichnungen auf ihrer ersten Station – der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf – zu sehen und die Ausstellung fand eine sehr positive Resonanz in der Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt stehen die in den 50er und 60er Jahren entstandenen Tusche-Zeichnungen, mit einem »kaputten Aquarell-Borstenpinsel« aufs Papier gebracht. Auch auf Rückseiten von alten Einladungen und Kalenderblättern finden Bilder der Vergangenheit ihren Ausdruck, lange bevor Ladislaus Szücs’ KZ-Erlebnisse in dem 1995 erschienenen Buch »Zählappell« zur Sprache kommen. Zuerst zeichnend teilt er uns seine Erinnerungen mit, fragmentarisch, skizzenhaft. Und noch in der humorvollen Distanzierung seiner Darstellung erkennen wir den Tod, das Leid, Folter und Mißhandlungen. Seine Kunst ist existentielle Lebensäußerung. Obwohl viele Jahre später entstanden, erinnern manche seiner Zeichnungen an »Lagerkunst«, die, losgelöst von jeglicher »Schule«, für die Künstler ein »Über-Lebens-Mittel« war. Daneben spiegelt sich in den Bildern von Ladislaus Szücs die bedrückende Gegenwart der 50er und 60er Jahre im kommunistischen Rumänien. Nach der Befreiung 1945 war er bei der Rückkehr in seine Heimat Siebenbürgen schnell in eine Lebenssituation geraten, die für ihn als Arzt und Künstler von den Zwängen einer Diktatur und der Knappheit aller Mittel geprägt war. Die vergebliche Suche nach neuen Perspektiven, die Verweigerung der wiederholten Auswanderungsgesuche zwangen Szücs in die »wortlose« Kunst, die ihre eigene Sprache hat.
Gezeichnet hatte der 1909 im früheren Neumarkt (Siebenbürgen) geborene Ladislaus Szücs schon seit seiner Kindheit. Da gehörte seine ehemals deutsche Geburtsstadt Marosvásárhely noch zu Österreich-Ungarn. 1919 – nach dem Ersten Weltkrieg – kam sie zu Rumänien, 1940 wieder zu Ungarn und seit 1945 gehört sie wieder zu Rumänien.
Ladislaus Szücs hatte nach dem Abitur u.a. in Leipzig Medizin studiert und 1933 promoviert, sich anschließend im Israelitischen Krankenhaus in Budapest auf HNO spezialisiert und war dann zur Neumann-Klinik nach Wien gegangen. 1940 heiratete er Hedy Németi aus Temesvar, die wie er aus einer jüdischen Familie stammte. Im April 1944 wurden beide mit dem ersten Transport ungarischer Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Hedy Szücs hatte Auschwitz überlebt, kam aber noch bei dem Angriff der britischen Luftwaffe auf die CAP ARCONA in der Neustädter Bucht am 5. Mai 1945 ums Leben. Wegen des großen Bedarfs an Arbeitssklaven der Nazis wurde Ladislaus Szücs von Auschwitz nach Mauthausen verschleppt und von dort weiter in das Außenlager Melk/Donau. Unter primitivsten Bedingungen arbeitete er dort schließlich als Arzt im Krankenrevier. Von den Nazis zur Flucht vor den Befreiern gezwungen, gelangte er mit 6000 Häftlingen aus Melk nach einem Hungermarsch Ende März 1945 in das KZ Ebensee, das am 6. Mai 1945 von der US-Army befreit wurde. Ladislaus Szücs kehrte zurück nach Siebenbürgen und war dort bis zu seiner Pensionierung 1974 unter unsäglichen Mangelbedingungen an verschiedenen Orten als HNO-Arzt tätig. In jeder freien Minute saß er an seinem Schreibtisch und zeichnete. 1974 siedelte er mit seiner Frau Julia, die im Januar 1999 verstorben ist, nach Deutschland über und lebt heute 90jährig in Köln.
»Salz der Tränen« sollte nach der ersten Präsentation in der Düsseldorfer Gedenkstätte auch in anderen deutschen Städten gezeigt werden, und an den Orten, die für Ladislaus Szücs wichtige Lebensstationen waren. Die Ausstellung umfaßt 90 gerahmte Zeichnungen in den Formaten 40 x 50 und 30 x 40 cm plus einige nicht gerahmte »Exponate« zur Ausstellung in Vitrinen. Dabei handelt es sich u.a. um frühe Skizzenblätter aus den 20er und 30er Jahren. Ausstellung und Katalog gliedern die künstlerischen Arbeiten von Ladislaus Szücs in vier Bereiche:
L Gezeichnet hat er immer schon. Zeichnungen – Karikaturen – Illustrationen
L Philosophisch betrachtet. Spiegelungen mit Feder und Tusche
L Mit leichter Hand aufs Papier geworfen. Schönheit und Form
L Der Affekt fährt in die Hand, der Zorn in die Kunst. Zeichnungen Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre
Es besteht die Möglichkeit, im Ausstellungsbereich eine CD im Endlosbetrieb mit einem Rundfunk-Feature (1998) von Volker Dittrich, Köln, hörbar zu machen, das Interviews mit Ladislaus Szücs, seiner vor kurzem verstorbenen Frau Julia, geb. Kertész, sowie Kindern und Enkeln enthält.
Ausstellungsbegleitend hatten die BesucherInnen der Ausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf die Möglichkeit, ein Video mit Ausschnitten aus einem Interview anzusehen, das Christa E. Pullmann 1996 im Auftrag der Spielberg-Shoa-Foundation mit Dr. Ladislaus Szücs geführt hat (35 Minuten).
Der von der Mahn- und Gedenkstätte herausgegebene Katalog (201 S.) kann in Kommission zum Preis von DM 20,— verkauft werden. Es gibt vier Postkarten, die zum Einzelpreis von DM 1,— und im Satz zu DM 4,— in Kommission verkauft werden können.
Es empfiehlt sich, das 1995 im Fischer-Taschenbuch-Verlag erschienene autobiographische Buch »Zählappell – Als Arzt im Konzentrationslager« in Kommission zu nehmen und ausstellungsbegleitend zum Preis von DM 18,90 anzubieten.
Die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur (Jan Philipp Reemtsma) hat das Ausstellungsprojekt großzügig unterstützt.
Eine Leihgebühr für die Ausstellung entfällt. Die Bilder sind in fünf Holzkisten ordentlich verpackt. Jeder Veranstalter übernimmt die Transportkosten für den Weg vom letzten Ausstellungsort ab. Sollte die Ausstellung von dort nicht an einen weiteren Ausstellungsort wandern, fallen für den Entleiher ebenfalls die Kosten für den Rücktransport zum Verleiher (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf) an. Die Ausstellung ist für die Dauer der Ausleihe vom Entleiher zu versichern (ca. DM 20000,—).
Konzeption und Realisation (Wanderausstellung und Katalog): Helen Quandt, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29, 40213 Düsseldorf,
Tel. 0211/89-26202, Fax 0211/89-29137, e-mail: Gedenkstaette@Duesseldorf.de