Seit 1985 wird das Thema Zwangsarbeit im Regionalgebiet Verden/Aller vom Verfasser im Geschichtsunterricht am Fachgymnasium der Berufsbildenden Schulen Verden behandelt. Neben der Archivarbeit wurden auch Zeitzeugen befragt und Kontakt zu ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in West- und Osteuropa aufgenommen, die während des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Verden arbeiten mussten. 1989 und 1990 besuchten Schülerinnen und Schüler die Briefpartnerinnen und -partner in Polen. 1991 folgte eine weitere Studienreise in die Ukraine. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Geschichts-AG am Fachgymnasium insgesamt 98 »Ehemalige« aus Polen, GUS, Belgien, Holland und Frankreich gefunden.[1] Bei den Gesprächen mit diesen Menschen stellte sich heraus, dass sie alle die Orte, »wo wir unsere Jugend verloren haben«, gerne wieder sehen wollten.[2]
Aus diesem Grunde ergriff der Autor die Initiative. Zusammen mit Pastoren verschiedener Gemeinden der evangelischen Kirche in der Stadt und dem Landkreis Verden, Kulturvereinen, Friedensinitiativen und der Geschichtswerkstatt Verden bildete sich 1991 ein Arbeitskreis, der die Einladung weiterverfolgte. Der Kreistag fasste einen mehrheitlichen Beschluss zugunsten einer »Woche der Begegnung«. Im Jahre 1992 wurde der Förderverein Regionalgeschichte des Landkreises Verden 1933-1945 e.V. gegründet mit dem Ziel, die Einladung, zusammen mit den Kommunen und dem Landkreis Verden, vorzubereiten und zu begleiten[3].
Vom 3. bis 9. Mai 1993 fand dann die »Woche der Begegnung« statt und 60 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und -Arbeiter mit je einer Begleitperson aus Polen, der Ukraine und Belgien konnten in Verden begrüßt werden. Dies war in der Bundesrepublik die erste Einladung eines Landkreises, der ehemaligen Zivilarbeiterinnen und -arbeiter, die damals auf Bauernhöfen und im Gewerbe arbeiten mussten, ihren Wunsch nach Begegnung erfüllen wollte. Über das Treffen wurde auch eine Dokumentation veröffentlicht.[4]
Auf Grund der katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse der Rentner in der Ukraine rief der Förderverein Regionalgeschichte ein Patenschaftskonzept ins Leben: Interessierte Bürger können Pate für eine ehemalige Zwangsarbeiterin oder Zwangsarbeiter werden, die der Verein auf Wunsch vermittelt.[5]
Aus dem Unterricht heraus entstanden zwei didaktisch aufbereitete Lerneinheiten zur deutschen Besatzungspolitik in Polen (Rekrutierung und Deportation zur Zivilarbeit)[6] und zum Widerstand von Zwangsarbeitern in Norddeutschland.[7]
Von 1994-1997 wurden jedes Jahr Hilfsgütertransporte zusammengestellt und in die Ukraine begleitet. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Zwangsarbeiterverbänden wurden hauptsächlich Kleidung, Lebensmittel, Medikamente und Spendengelder an die Betroffenen verteilt.[8] Der Förderverein führte dann 1998 die »Zweite Woche der Begegnung« durch. 28 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter aus der Ukraine, die 1993 noch nicht bekannt waren, wurden nach Verden eingeladen. Die Zeitzeugen berichteten über ihre Schicksale an den Schulen im Landkreis und zusätzlich wurden mit ihnen lebensgeschichtliche Interviews geführt.[9]
Ein 90 Jahre alter Reichsbahn-Güterwaggon wurde vom Autor auf einer Bahnfahrt nach Dresden auf dem Bahnhof Wurzen bei Leipzig entdeckt. Nach langwierigen Recherchen stellte sich heraus, dass der Waggon als »herrenlos« angesehen werden musste und kostenlos erworben werden konnte. Der Förderverein Regionalgeschichte stellte daraufhin beim Landkreis Verden den Antrag, den Waggon als Mahnmal auf das Schulgelände der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Verden stellen zu dürfen. Das Kollegium und der Kreistag stimmten dem Vorhaben zu. Das Mahnmal sollte so präsentiert werden, dass es begehbar, also physisch »erfahrbar« wird. Die bedrückende Enge in solchen Waggons, in denen bis zu 100 Personen beiderseitigen Geschlechts zusammengepfercht wurden, kann so mit Schülerinnen und Schülern erspürt und durch eine Ausstellung im Innern anschaulich gemacht werden.
Auf Grund jahrelanger Recherchen und Interviews, die der Autor vor allem mit Überlebenden aus Osteuropa durchführte, ist der Förderverein Regionalgeschichte im Besitz von Zeitzeugenberichten, die von den qualvollen mehrtägigen Aufenthalten in den Güterzügen berichten. Der Waggon ist zugleich auch Technik-Zeuge und Beispiel für den Profit, den die Deutsche Reichsbahn als Handlanger des NS-Regimes durch derartige Transporte erzielte.
Firmen aus dem Landkreis bereiteten unentgeltlich das Gleisbett vor und spendeten ein Gleisjoch. Um den Transport und die Renovierung des Waggons sicherzustellen, mussten Spendengelder eingeworben werden. Der Gedenkstättenfonds der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung stellte Fördermittel für die regionale Gedenkstättenarbeit zur Verfügung und der Landkreis Verden, der Gerechtigkeitsfonds des Ev. Kirchenkreises Verden und die Geschichtswerkstatt Verden e. V. spendeten großzügig. Hinzu kam ein Zuschuss von Bündnis 90/Die Grünen sowie Firmen- und Privatspenden.
Am 02.10.2003 wurden der Waggon und ein alter Prellbock auf einem Tieflader zum Schulgelände gebracht und abgeladen. Der Standort des Waggons sollte eingezäunt werden. Alte Zaunpfähle aus den Kriegsjahren, mit den typisch abgewinkelten Enden, wie man sie von den Konzentrationslagern her kennt, wurden von der Industrieverwaltungsgesellschaft Management GmbH abgegeben. Sie stammten vom ehemaligen Betriebsgelände der Schießpulverfabrik Eibia in Dörverden, in der ca. 1 200 Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter schuften mussten.[10] Klassen der BBS Verden beteiligten sich mit ihren Lehrern engagiert an den Bau- und Renovierungsmaßnahmen: Zaunpfähle wurden gesetzt, ein Kabelkanal zum Waggon gegraben und die Informationstafel aus Holz gefertigt. Die Fachstufe Zimmerer baute die Holztreppe zum Waggon.
Im Theoriebereich nahm eine 11. Klasse des Fachgymnasiums Kontakt zu einer Mittelschule in den USA auf, die einen Waggon gleichen Typs als Holocaust-Mahnmal besitzt. Im Geschichtsunterricht der Klassen 13 am Fachgymnasium unterrichtete der Autor das Thema Zwangsarbeit und bereitete, zusammen mit den Schülern, die Zeitzeugengespräche vor, die mit den ehemaligen Zwangsarbeitern an den Schulen im Landkreis anlässlich der »3. Woche der Begegnung« im November 2003 in Verden geführt werden sollten.
Die Bundesstiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« in Berlin hat mit ihrem Fond »Erinnerung und Zukunft« ein Förderprogramm »Begegnung mit Zeitzeugen - Lebenswege ehemaliger Zwangsarbeiter« ins Leben gerufen. Finanziell gefördert werden Treffen zwischen jungen Menschen und ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern. Da der Förderverein Regionalgeschichte in den vergangenen Jahren über 300 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern, die im Landkreis Verden arbeiten mussten, in West- und Osteuropa ausfindig gemacht hat, bieten sich Begegnungen mit Betroffenen in Schulen des Landkreises an.
In der Woche vom 8. bis 16. November 2003 fand dann das Schulprojekt »>Wir waren in eurem Alter< - Begegnungen zwischen ehemaligen ZwangsarbeiterInnen und SchülerInnen« statt. Die Bundesstiftung finanzierte das Treffen. Der Förderverein Regionalgeschichte übernahm die Betreuung der Gäste, die bei Vereinsmitgliedern wohnten. Eingeladen waren fünf Frauen aus der Ukraine, wovon eine von ihnen in Dörverden geboren worden war. Ein ehemaliger ukrainischer Zwangsarbeiter nahm die lange Anreise aus Usbekistan auf sich. Am 9. November fand eine offizielle Gedenkveranstaltung im Forum der BBS statt.
Der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, konnte als Schirmherr für das Mahnmal gewonnen werden. Schüler des Fachgymnasium-Kurses »Szenisches Spiel« führten das Stück »Deportation« auf. Alle Anwesenden gingen dann zum Mahnmal und es legte jeder eine Blume in die geöffnete Tür des Waggons. Die ausländischen Gäste berichteten in den folgenden Tagen in acht Schulen des Landkreises über ihre Schicksale. In dieser Zeit wurde im Forum der Berufsbildenden Schulen die Fotoausstellung »Fremdenbilder: Gesichter der Zwangsarbeit« präsentiert, die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht konzipiert und mit Hilfe einer Klasse der Fachoberschule Gestaltung künstlerisch umgesetzt hatten.
Ein Jahr lang wurde dann der Waggon von Kollegen und Schülern renoviert. Der Fußboden und das Dach des Güterwagens wurden erneuert, der Prellbock auf den Schienen befestigt und die Elektroinstallation (Beleuchtung) im Innern des Waggons durchgeführt. Das Areal wurde mit Stechpalmenstauden von einer Gärtner-Fachklasse symbolisch bepflanzt: sechs weibliche Büsche (mit roten Beeren) für die 6 000 weiblichen Zivilarbeiterinnen und zwölf männliche Büsche (ohne Beeren) für die 12 000 männlichen Zivilarbeiter, die im Arbeitsamtsbezirk Verden zur Arbeit gezwungen wurden. Zum Schluss wurde die Dauerausstellung »Rekrutierung und Deportation« im Geschichtsunterricht der Klassen 13 am Fachgymnasium entworfen und von den Schülerinnen und Schülern im Waggon platziert.
Der so fertig gestellte und begehbare Waggon wurde am »Tag des offenen Denkmals« (12. 9. 2004) der Öffentlichkeit übergeben. Dazu lud der Förderverein Regionalgeschichte Eva Spielberger aus Schweden zur »4. Woche der Begegnung« (11.-18. 9.2004) ein. Sie war mit Ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern von Ungarn aus nach Auschwitz deportiert worden. Die Mutter und ihre jüngste Schwester wurden sofort nach der Ankunft selektiert und ins Gas geschickt. Zusammen mit ihrer Älteren Schwester Gizella kam Eva zunächst nach Bremen und dann in die KZ-Außenkommandos Obernheide (in der Nähe von Bremen) und Uphusen im Landkreis Verden. Die Bundesstiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« übernahm wiederum die Kosten. Am »Tag des offenen Denkmals« war Frau Spielberger der Ehrengast und informierte im Waggon die Besucher über ihre Transporte in diesen Güterwagen. In der Besuchswoche berichtete Frau Spielberger in drei Schulen im Landkreis und in einer öffentlichen Veranstaltung über ihr Schicksal.
Die Informationstafel vor dem Waggon gibt Auskunft über das Mahnmal:
Zwangsarbeit im Landkreis Verden 1939-1945
Reichsbahnwaggon Typ G 10
(Geschlossener Güterwagen, 10 t Zuladung)
In Güterwaggons diesen Typs wurden während des Zweiten Weltkrieges bis zu einhundert
• zivile Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter aus den von den Deutschen besetzten Gebieten in Osteuropa auch in den Landkreis Verden (Arbeitsamtsbezirk Verden 1944: 17 886 auslŠndische Arbeitskräfte aus ganz Europa) deportiert.
• KZ-Häftlinge in die Konzentrations- und Vernichtungslager (Einzugsgebiet Landkreis Verden: KZ Neuengamme/Hamburg und seine Außenkommandos in Bremen, Uphusen und Verden) verschleppt.
• Kriegsgefangene in die Lager (Einzugsgebiet Landkreis Verden:
Stalag X B Sandbostel/Bremervörde und Stalag X C Nienburg) verbracht.
Die befreiten osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter wurden dann nach Kriegsende auch wieder in Güterwagen in ihre Heimat transportiert.
Gegen Ende des Krieges dienten Güterwagen auch als Transportmittel für die aus den Ostgebieten flüchtenden Deutschen und für die so genannten deutschen »Reparationsgefangenen«, die in sowjetische Lager deportiert wurden.
»Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt,
wird blind für die Gegenwart.
Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will,
der wird wieder anfällig
für neue Ansteckungsgefahren.«
Richard von Weizsäcker
8. Mai 1985
Der Waggon wurde nach Voranmeldung[11] beim Förderverein Regionalgeschichte bzw. Sekretariat der BBS Verden von Schulklassen aus dem Regionalbereich Verden besucht. Für die Öffentlichkeit wurden Führungen an Jahrestagen angeboten. Es stehen auch umfangreiche Materialien für den Unterrichtseinsatz zur Verfügung.
Ein weiteres Mahnmal, speziell für die verstorbenen Zwangsarbeiterinnen und deren Kleinkinder, die in der Schießpulverfabrik Eibia GmbH für chemische Produkte in Dörverden-Barme arbeiten mussten, wurde - zunächst erst provisorisch - am 8. Mai 2005 errichtet. Für die jüdischen Frauen, die im KZ-Außenkommando Achim-Uphusen[12] arbeiten mussten, wurde bereits 1991 auf Betreiben der Geschichtswerkstatt Achim e. V. ein Gedenkstein in der Nähe des ehemaligen Lagergeländes eingeweiht.[13] Auf Betreiben des Fördervereins Regionalgeschichte wurden Gedenksteine für die verstorbenen Zwangsarbeiterkinder, deren Gräber im Laufe der Zeit widerrechtlich eingeebnet worden waren, auf den Friedhöfen in Daverden (2002), Armsen (2003), Dörverden (2004) und Verden (2004) errichtet und feierlich der Öffentlichkeit übergeben.[14]
Am 26. Januar 2007 - einen Tag vor dem Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes -, nachts um 3.31 Uhr, sah ein Autofahrer lodernde Flammen und alarmierte die Rettungsleitstelle. Zwanzig Feuerwehrmänner waren im Einsatz, doch retten konnten sie das Mahnmal nicht mehr, es brannte völlig aus! In der Presse war zuvor angekündigt gewesen, dass der Waggon am Gedenktag für Besucher geöffnet wäre. Die Ermittlungsgruppe »Mahnmal« von Polizei und Staatsschutz stellten fest, dass der Zaun der Gedenkstätte komplett aufgetrennt und die Schiebetür des Waggons gewaltsam gešffnet worden war. Auch fand man in der Nähe einen neuwertigen Zehn-Liter-Kanister. Bislang gibt es keine konkreten Hinweise auf die Täter.
Es sei erwähnt, dass der Autor, als 2003 die Planungen für das Mahnmal bekannt wurden, von einem örtlichen rechtsextremistischen Protagonisten und selbst ernannten »Gesellschaftskritiker«, der 2005 verstarb, bedroht wurde.[15] In einem weiteren Schreiben vom Oktober 2003 zum »Schandmal« führte er aus: »Dies umstrittene Denkmal wird höchstwahrscheinlich abgefackelt werden. Um diese Straftat zu verhindern, schlage ich vor, dass dieser schrottige Güterwaggon zur Entsorgung nach Löbl gebracht oder aber für alle Zwangsarbeiter hergerichtet wird, insbesondere natürlich für die verschleppten Deutschen.« In einem zweiten Brief bot er der Schulleitung an »das >Denk-mal< auf Ihrem Schulgelände in mehreren Nachtschichten gegen Feuerteufel bewachen zu dürfen.« Er wollte damit 30 Stunden gemeinnützige Arbeit, die ihm die Staatsanwaltschaft Verden gegen Einstellung eines Ermittlungsverfahrens wegen Volksverhetzung angeboten hatte, ableisten.[16]
Am 27. Januar 2007 trafen sich dann Interessierte in der Schule zu einer Gesprächsrunde. Der Vorschlag eines Bürgers, das ausgebrannte Holocaust-Mahnmal für eine Woche in Verden auf den Rathausvorplatz zu stellen - als doppeltes Mahnmal: für die Verbrechen der Vergangenheit und die Gefahren der Gegenwart, wurde spontan umgesetzt. In der Aktionswoche unter dem Motto »Gegen das Vergessen - gegen das Wegschauen« vom 3. bis 10. Februar stand der zerstörte Güterwagen also vor dem Rathaus, umgeben von einem Gitterzaun, an dem eine reproduzierte Fassung der Ausstellung »Rekrutierung und Deportation« zu sehen war. Spontane Spenden der Bevölkerung hatten die neue Ausstellung ermöglicht. Den Transport des verkohlten Waggons zum Rathaus und wieder zurück auf das Berufsschulgelände übernahmen kostenlos örtliche Baufirmen. Es war ein voller Erfolg, viele Bürger und Schulklassen besuchten die Freiluft-Ausstellung und halfen aus eigener Tasche. Spendenstand nach vier Wochen: 6 000 Euro.
Der Verein für Regionalgeschichte Verden beschloss in einer Mitgliederversammlung, dass der ausgebrannte und nicht mehr zu restaurierende Waggon konserviert und als Mahnmal mit seiner doppelten Symbolik am Tatort stehen bleiben soll. In einem zweiten Schritt soll ein alter Reichsbahnwaggon gleichen Typs erworben und als begehbares Mahnmal (wieder mit einer Ausstellung im Innern) in der Innenstadt von Verden aufgestellt werden. Das vereint die Präsenz innerhalb der Stadt mit der notwendig gewordenen sozialen Kontrolle zum Schutz vor weiteren Anschlägen. Geplant ist ein Museums- und Bildungskonzept (feste Öffnungszeiten, Betreuung und Führungen für Schulklassen und Jugendgruppen, Koordination mit anderen Einrichtungen etc.) für ein neues, gelebtes und belebtes Mahnmal.[17]
Das begehbare Mahnmal mit dem Standort an den Berufsbildenden Schulen Verden war in Deutschland eine Besonderheit.[18] In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit sonst nur vier alte Reichsbahn-Wagen, die als Denkmäler im Freien hergerichtet wurden: Zwei stehen in den KZ-Gedenkstätten Neuengamme und Bergen-Belsen, und auf einem alten Betriebsgelände in Kassel wurde 1985 auf Initiative der Gesamthochschule ein Waggon der Öffentlichkeit übergeben, der nur wenige Tage später auch einem Brandanschlag zum Opfer fiel. Ein vierter Güterwagen steht seit 2001 auf dem Gelände der Gedenkstätte Schwäbisch Hall - Hessental.[19]
Dr. Joachim Woock ist Studienrat an den Berufsbildenden Schulen Verden. Er gründete 1992 den Fördervereins Regionalgeschichte des Landkreises Verden 1933–1945 e.V. mit. Seine Promotion schloss er 2003 ab: »Zwangsarbeit aus ländischer Arbeitskräfte im Regionalbereich Verden/Aller (1939–1945)«.
[1] Vgl. Woock, Joachim: Zwangsarbeit als Thema in der gymnasialen Oberstufe, in: Nolte, Hans-Heinrich (Hrsg.): »Der Mensch gegen den Menschen«: Überlegungen und Forschungen zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941, Hannover 1992, S. 206-217.
[2] Vgl. Woock, Joachim: Zwangsarbeit als Thema in der Regionalgeschichtsforschung, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 1993, Verden 1992, S. 241-259.
[3] Der Förderverein Regionalgeschichte wurde im Januar 2007 in »Verein für Regionalgeschichte Verden e.V.« umbenannt.
[4] Vgl. Landkreis Verden/Förderverein Regionalgeschichte des Landkreises Verden 1933-1945 e. V. (Hrsg.): Dokumentation. Woche der Begegnung 3. bis 9. Mai 1993. Ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Landkreis Verden, Verden 1995.
[5] Vgl. Sakmani-Aldrich, Susanne: Keine Zukunft ohne Erinnern - Freundschaftliche Kontakte zwischen Bürgern des Landkreises Verden und ehemaligen Zwangsarbeitern, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 1996, Verden 1995, S. 73-79.
[6] Vgl. Woock, Joachim: »Zimperlich dürfen wir nicht sein!« Nationalsozialistische Polenpolitik und Widerstand, in: Praxis Geschichte, H. 3, Braunschweig, 1993, S. 20-25.
[7] Vgl. Woock, Joachim: »Festnahme, ... weil ihm Sabotageakte zuzutrauen sind.« Widerstand von Zwangsarbeitern, Regionalbeispiele Niedersachsen, in: Praxis Geschichte, H. 3, Braunschweig, 1994, S. 34-38.
[8] Vgl. Sakmani-Aldrich, Susanne: Ein Hilfsgütertransport in die Ukraine, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 1996, Verden 1995, S. 80-91.
[9] Vgl. Woock, Joachim: 5 Jahre Förderverein Regionalgeschichte des Landkreises Verden 1933-1945 e. V. Ziele und Arbeit seit der Vereinsgründung (1992-1997), in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 1998, Verden, 1997, S. 289-296.
[10] Vgl. Woock, Joachim: Würmer im Essen. Der Heisenhof gehörte im Krieg zur Schießpulverfabrik Eibia, in: Bremer Tageszeitungen AG (Hrsg.): Sie marschieren wieder ... sag nein!, Bremen, 2005, S. 95.
Auf dem Gelände der ehemaligen Schießpulverfabrik entdeckten 1986 Schülern der Geschichts-AG am Fachgymnasium der Berufsbildenden Schulen Verden, die damals auch am Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte der Körber-Stiftung (Thema: Umwelt hat Geschichte) teilnahmen, gefährliche Rüstungsaltlasten. Vgl. dazu Haist, Karin: Kampf den Altlasten: Verdener Schüler kaufen Aktien, in: Körber-Stiftung (Hrsg.): Spuren suchen Spezial. 25 Jahre Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten (1973-1998), Hamburg, 1998, S. 57-59 und Woock, Joachim: Und die Altlasten-Geschichte geht weiter..., in: Berufsbildende Schulen Verden (Hrsg.): 175 Jahre Berufsschule in Verden (1831-2006). Festschrift. Verden, 2006, S. 47-51.
[11] Joachim Woock, Tel. 04231/8 17 82; Berufsbildende Schulen Verden, Tel. 04231/97 60.
[12] Vgl. Gerhold, Karlheinz: Das Arbeitslager in Uphusen, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 1990, Verden, 1989, S. 165-168.
[13] Vgl. Woock, Joachim: Mahnmale für die Zwangsarbeit im Landkreis Verden während des Zweiten Weltkrieges, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 2006, Verden 2005, S. 63-74.
[14] Vgl. Woock, Joachim: Kriegsgräber von Zwangsarbeiter/-innen und Gedenksteine für die verstorbenen ausländischen Kinder im Landkreis Verden, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 2006, Verden, 2005, S. 41-62.
[15] »Alles für Herrn Wook, damit er rechtzeitig wieder auf rechte (also richtige) Gedanken kommt, bevor das Deutsche Reich wieder handlungsfähig wird und sich die Hochverräter greift. Ich würde diese Empfehlung sehr ernst nehmen, denn dieser BRD-Vasallenstaat wird in absehbarer Zeit zusammenbrechen. Dies ist ein Dokument! Man sollte es aufbewahren und später nicht jammern, man hätte von alledem nichts gewußt. Jan Hus 5.12.2003«. Als Anlagen waren u. a. beigefügt: »Manifest von Bärgern des Deutschen Reiches, verabschiedet in Verden an der Aller am 5. Februar 2003« (verantwortlich i. S. d. PG.: Horst Mahler) und Auszüge aus »Der Preuße«, herausgegeben vom »Freistaat Preußen« (Schriftleitung Dr. Rigolf Hennig, Verden). NPD-Mitglied Hennig, 2005 wegen Verunglimpfung des Staates zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt, wurde 2006 in den Verdener Stadtrat und Kreistag gewählt.
[16] Die rechtsextremistische Szene im Landkreis Verden ist durch den Ankauf des »Heisenhofes« (geplante Stätte rassischer Fruchtbarkeitsforschung) in Dörverden bundesweit bekannt geworden. Vgl. Bremer Tageszeitungen AG (Hrsg.): Sie marschieren wieder ... Sag nein!, Bremen, 2005, S. 32Ð43, 48f, 56, 60f, 65, 78.
[17] Im Raum Verden gibt es viele Initiativen, die sich stark machen gegen rechtsextreme Verführungen, z. B.: Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz; Präventionsrat der Stadt Verden; Dörverdener Bündnis gegen Rechtsextremismus; »Ev. Jugendhof Sachsenhain« in Verden; WABE (Weser-Aller-Bündnis - Engagiert für Demokratie und Zivilcourage), ein Projekt zur Förderung langfristiger Strategien für das Gebiet der Landkreise Verden und Nienburg.
[18] Vgl. Woock, Joachim: Schulprojekt »Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges«, in: Berufsbildende Schulen Verden (Hrsg.): 175 Jahre Berufsschule in Verden (1831-2006). Festschrift. Verden, 2006, S. 73-43; Woock, Joachim: Mahnmale für die Zwangsarbeit im Landkreis Verden während des Zweiten Weltkrieges, in: Landkreis Verden (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 2006, Verden 2005, S. 63-74. Weitere Informationen: Joachim_Woock@web.de, www.verden.de/aktiv/foerderverein_regionalgeschichte/index.html. Joachim Woock: Zwangsarbeit ausländischer Arbeitskräfte im Regionalbereich Verden/Aller (1939-1945). Arbeits- und Lebenssituationen im Spiegel von Archivmaterialien und Erinnerungsberichten ausländischer Zeitzeugen, Books on Demand: Norderstedt, 2004. 28,50 Euro.
[19] In Berlin gibt es das Deportations-Mahnmal ÈLevetzowstraße«, ein stilisierter, in Stahl nachgebauter Güterwaggon.