Lern- und Dokumentationszentrum Mittelbau-Dora

Zur Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
10/2001Gedenkstättenrundbrief 103, S. 11-18
Jens-Christian Wagner

Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung soll die 1990 begonnene Neukonzeption der Gedenkstätte Mittelbau-Dora nunmehr durch den Bau eines Lern- und Dokumentationszentrums in Verbindung mit der schlüssigen Gestaltung des oberirdischen ehemaligen Lagergeländes zu Ende geführt werden. Entstehen soll ein Ort des Gedenkens und des Lernens; ein Ort, der die Opfer würdigt und der zugleich der Auseinandersetzung mit der Geschichte gewidmet ist.

Inhaltliche Neubewertung

Aufgrund der Geschichte des KZ Mittelbau-Dora kommt der Gedenkstätte besondere bundesweite und internationale Bedeutung zu. Das KZ Mittelbau-Dora steht prototypisch für einen neuen, durch andere KZ-Gedenkstätten nicht repräsentierten Typ innerhalb des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems.

Mittelbau-Dora war das letzte von den Nationalsozialisten gegründete KZ-Hauptlager. »Dora« wurde als Außenlager des KZ Buchenwald Ende August 1943 gegründet, als das Heereswaffenamt seine Raketenproduktion aus Luftschutzgründen von Peenemünde und aus der Wiener Neustadt in ein Stollensystem im Kohnstein bei Nordhausen verlagerte.

Im Winter 1943/44 hatte das Lager bereits eine Belegung mit über 10 000 Häftlingen. Von einem Lager im eigentlichen Sinn des Wortes konnte indes noch keine Rede sein, denn die Häftlinge, die beim Ausbau der Stollenanlage in eine unterirdische Raketenfabrik eingesetzt wurden, waren dort untergebracht, wo sie arbeiten mußten: im Stollen. Erst nach Anlaufen der Raketenmontage Anfang 1944 wurden sie schrittweise in das entstehende oberirdische Barackenlager verlegt.

Im März 1944 begannen in der Umgebung des Lagers Dora die Bauarbeiten für weitere Stollenanlagen, in die Flugzeugfabriken des Junkers-Konzerns verlagert werden sollten. Tausende von KZ-Häftlingen mußten auf diesen Baustellen, die von der

SS-Bauorganisation Hans Kammlers geleitet wurden, Zwangsarbeit leisten. Zu ihrer Unterbringung ließ die SS in der Umgebung der Baustellen weitere KZ-Außenlager errichten, die zunächst noch dem KZ Buchenwald unterstanden, im Oktober 1944 aber mit dem Lager Dora zum eigenständigen KZ Mittelbau zusammengefasst wurden. Dieses umfaßte im Frühjahr 1945 einen Komplex von etwa 40 Einzellagern mit zusammen rund 40 000 Insassen. Die Region um Nordhausen verwandelte sich dadurch in eine dichte KZ-Landschaft, die immer stärker in den Kriegsalltag der Tätergesellschaft eindrang.

Die Geschichte des KZ Mittelbau-Dora verdeutlicht paradigmatisch die letzte Stufe in der Genese des KZ-Systems: Zu Beginn der NS-Herrschaft wurden die Konzentrationslager zunächst als improvisierte Stätten genutzt, um die Gegner der Diktatur zu bekämpfen. Ab 1936 wurden sie im Rahmen der sozialen und rassistischen Generalprävention zu dauerhaften Haftstätten ausgebaut. Und schließlich wurden die Konzentrationslager 1942/43 zu den Orten rücksichtsloser Ausbeutung der KZ-Zwangsarbeiter. Mittelbau-Dora war eines der ersten und am Ende das weitaus größte Konzentrationslager, das ausschließlich mit dem Ziel gegründet wurde, die Arbeitskraft seiner Insassen auszunutzen. Der mörderische Verschleiß von Häftlingsarbeitskraft war hierbei einkalkuliert.

Die seit 1995 zugänglichen Teile des Stollensystems im Kohnstein, in dem die

KZ-Insassen eingesperrt waren und arbeiten mußten, lassen bei den Besuchern der Gedenkstätte eine Ahnung von dem entstehen, was die Zwangsarbeit im Stollen bedeutete. Sie weisen zugleich auf ein weiteres Spezifikum Mittelbau-Doras hin: Der Ausbau der unterirdischen Raketenfabrik mit der Bezeichnung »Mittelwerk« war das erste Projekt der Nationalsozialisten in dem aberwitzigen Versuch, die gesamte deutsche Rüstungsindustrie unter die Erde zu verlagern. Für alle anderen Untertagevorhaben des letzten Kriegsjahres diente das Mittelwerk als Referenzprojekt.

Schließlich wirft die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen in der Produktion von Raketenwaffen, die als »Vergeltungswaffen« in England und Belgien erheblichen Schaden anrichteten und Tausende von Toten forderten, die Frage nach der Verantwortung der beteiligten Ingenieure und Techniker auf. Die Geschichte Mittelbau-Doras zeigt, welche Folgen scheinbar nur sachorientiertes, vordergründig unpolitisches Verhalten von Wissenschaftlern und Technikern haben kann.

Die Bedeutung der Raketenproduktion für die Geschichte des KZ Mittelbau-Dora sollte jedoch nicht überschätzt werden. Immerhin arbeiteten nur rund 20 Prozent der Insassen des Lagerkomplexes in der Raketenmontage. Die überwiegende Mehrheit wurde auf den zahlreichen Baustellen des »Unternehmens Mittelbau« zu Tode geschunden. Schon aus diesem Grund verbietet es sich, aus der Gedenkstätte ein Raketenmuseum zu machen.

In der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora soll daher nicht die

V-Waffen-Fertigung des Mittelwerkes im Vordergrund stehen, sondern die Bedeutung Mittelbau-Doras als Modellfall der KZ-Zwangsarbeit. Damit gerät Mittelbau-Dora auch deutlicher als bisher als Beispiel der Entwicklung des bei Kriegsende weitverzweigten Außenlagersystems in den Blickwinkel. Die breite gesellschaftliche Durchdringung des KZ-Systems, die zur Folge hatte, dass das KZ Mittelbau eine ausgedehnte KZ-Landschaft darstellte, die von Inseln zivilen Lebens durchsetzt war, soll in der Neukonzeption der Gedenkstätte deutlich herausgearbeitet und in der Gestaltung des Gedenkstättengeländes erkennbar werden. Das gilt auch für die Funktion Mittelbau-Doras als Modellfall der Untertageverlagerung im letzten Kriegsjahr.

Unter dem Leitthema der KZ-Zwangsarbeit läßt sich schließlich auch der Einsatz von KZ-Häftlingen in der Raketenproduktion darstellen. Nicht technikgeschichtliche Details oder gar der Mythos der V-Waffen werden dabei im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage nach dem Wechselverhältnis zwischen qualifizierter Arbeit in Produktionskommandos und unqualifizierter Arbeit in den zahlreichen Baukommandos. Dieses Wechselverhältnis setzte einen tödlichen Mechanismus ständiger Selektion und Weiterverlegung der zunehmend entkräfteten Häftlinge von einem Arbeitskommando in das nächste in Gang: Die mobile Selektion ließ den Häftling einen Leidensweg durch mehrere Mittelbau-Lager durchlaufen, der meist mit dem Tod in den Sterbezonen eines »Baulagers« oder in der als Sterbelager genutzten Boelcke-Kaserne in Nordhausen endete.

Lern- und Dokumentationszentrum Mittelbau-Dora

Nach Kriegsende wurde Mittelbau-Dora beinahe vergessen. Zu eng hatten hier deutsche Zivilarbeiter und KZ-Häftlinge zusammengearbeitet, zu eng war die Kooperation deutscher Ingenieure und Rüstungskonzerne mit der SS gewesen. Zu deutlich verschränkten sich hier die Welt »hinter dem Stacheldraht« und die Welt »vor dem Stacheldraht«, als dass man sich gerne daran erinnert hätte. Der Kalte Krieg, in dessen Verlauf deutsche Ingenieure aus Peenemünde und Mittelbau-Dora nunmehr in amerikanischen und sowjetischen Diensten Raketenwaffen entwickelten, legte zusätzlich einen Mantel des Schweigens über die Geschichte. In der westdeutschen Öffentlichkeit war das KZ Mittelbau-Dora bis 1990 nahezu unbekannt; und die Geschichtsschreibung und Erinnerungspolitik der DDR ordnete seine Geschichte der des KZ Buchenwald unter.

In der Mitte der sechziger Jahre auf niedrigem Niveau gegründet, wurde die

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora nach 1990 zunächst als Einrichtung des Landkreises Nordhausen weitergeführt und als solche Teil der 1994 gegründeten »Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora«. In seiner 1999 vorgelegten Konzeption zur Förderung der Gedenkstätten hat der Bund die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora als Erinnerungsort von nationaler Bedeutung anerkannt und im Jahr 2000 in die Bundesförderung aufgenommen. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, die 1990 begonnene Neukonzeption der Gedenkstätte abzuschließen.

Entstehen soll ein Ort des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit der Geschichte, der nicht der Technikfaszination erliegt oder an dem die Geschichte des KZ Mittelbau-Doras als Unterkapitel der Entwicklung der Raketenwaffe und schließlich der Raumfahrt bis zur geglückten Mondlandung und darüber hinaus erscheint. Weder geht es darum, dass aus Bösem Gutes werden kann, noch darum, dass Fortschritt seinen Preis hat, sondern es geht um die rücksichtslose Verwertung von Häftlingen für den totalen Krieg; es geht um die Frage der Verbindung von technischem Fortschritt und Ethik bzw. um die Frage nach den inhumanen Potenzialen der Moderne selbst.

Materieller Kern der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist die Errichtung eines Lern- und Dokumentationszentrums, in dem eine neue Dauerausstellung, Bibliothek, Archiv, Seminarräume sowie die Büros für pädagogische und wissenschaftliche Mitarbeiter und die Verwaltung untergebracht werden sollen. Daneben soll das gesamte Gedenkstättengelände seiner Bedeutung als »Denkmal aus der Zeit« entsprechend so gestaltet werden, daß es sich dem Besucher überhaupt als historischer Ort erschließt, an dem er sich funktional wie historisch orientieren kann: Das Gelände soll lesbar werden. Bisher bietet sich dem Gedenkstättenbesucher ein sehr diffuses Erscheinungsbild, das die Ausmaße und die funktionale Zonierung des ehemaligen Lagergeländes nicht erkennbar werden läßt. Einzelne Orte wurden zudem in ihrer Bedeutung bisher nicht erkannt oder fehlinterpretiert – so etwa die noch erhaltenen Pfeiler der Bahnbrücke über die Zorge, über die nicht nur die Transporte aus Buchenwald, Auschwitz und Groß-Rosen nach Dora rollten, sondern die darüber hinaus gewissermaßen das Scharnier bildete zwischen dem Hauptlager Dora und den anderen Lagern des Mittelbau-Komplexes. Der Neubau und die Gesamtgestaltung des Geländes, bei der das Kenntlichmachen historischer Strukturen und Überreste Priorität hat, bilden deshalb eine Einheit.

Ideen- und Realisierungswettbewerb Mittelbau-Dora

Zur Umsetzung der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte wurde mittlerweile ein im September 2000 von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ausgelobter einstufiger, zweiphasiger Ideen- und Realisierungswettbewerb abgeschlossen, der architektonische mit landschaftsplanerischen Komponenten verband. Die Zusammenarbeit von Architekten und/oder Stadtplanern mit Landschaftsarchitekten war daher für die erste Phase des Wettbewerbes empfohlen und für die zweite Phase vorgeschrieben.

Für das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Klaus Humpert (Freiburg) konnten international renommierte Architekten und Sachverständige gewonnen werden, darunter auch zwei Mitglieder des Häftlingsbeirates. Die Resonanz auf die Ausschreibung war erfreulich gut: Für die erste Phase der Wettbewerbes wurden 131 Arbeiten eingereicht. 25 Büros hatten die Möglichkeit, ihre Vorschläge in der zweiten Phase zu überarbeiten und zu vertiefen. In seiner abschließenden Sitzung wählte das Preisgericht im Mai 2001 unter 24 eingereichten Arbeiten fünf Preisträger und drei Ankäufe aus.

Verwirklicht werden soll der einstimmig mit dem ersten Preis bedachte Entwurf des Architekturbüros Uwe Kleineberg aus Braunschweig und des Hamburger Landschaftsarchitekten Hinnerk Wehberg. Dieser Entwurf sieht vor, für das Lern- und Dokumentationszentrum einen einfachen, zweigeschossigen Neubau zu errichten, der zum einen an die provisorische Bauweise der Lagerbaracken erinnern soll und zum anderen eine künstliche Distanz zum historischen Untergrund schafft, indem er auf Stützen aufgestelzt ist.

Südlich des ehemaligen SS-Lagers auf dem historisch nicht konnotierten Gelände gelegen, soll das Gebäude eine Klammerfunktion zwischen dem Häftlingslager und dem Industriebereich vor den Stolleneingängen bilden und damit auf die zentrale Bedeutung der Zwangsarbeit in der Geschichte des KZ Mittelbau-Dora verweisen. Zudem soll es wechselseitige Blickbeziehungen zur nahen Stadt Nordhausen herstellen und auf diese Weise auf die nicht nur räumlich enge Verbindung zwischen dem Lager und seinem gesellschaftlichen Umfeld hinweisen. Kern des neuen Gebäudes wird eine neue Dauerausstellung sein, für die im Erdgeschoß eine Fläche von rund 500 qm zur Verfügung steht. Gegenüber der jetzigen Ausstellung verdoppelt sich die Ausstellungsfläche damit.

Das freiräumliche Konzept des Entwurfes zeigt eine klar ablesbare Zonierung der drei unterschiedlichen funktionalen Bereiche im ehemaligen Lagergelände (Industriegelände, SS-Lager, Häftlingslager). Der Waldbestand im ehemaligen Häftlingslager wird als überlagernde Zeitschicht angesehen, die lesbar werden soll, indem das Unterholz behutsam ausgeholzt und der Baumbestand aufgeastet wird. Durch die Ergänzung des Baumbestandes in Bereichen, in denen auch vor 1945 kein Baum gestanden hat (einzige Ausnahme: der Appellplatz), soll die gesamte Lagerausdehnung gekennzeichnet und zudem ganz bewußt der Vorstellung eine Absage erteilt werden, durch eine Wiederherstellung des »originalen« Baumbestandes die authentische Situation von 1945 rekonstruieren zu können. Das ehemalige SS-Lager soll von Baumbewuchs befreit werden, um es vom Häftlingslager visuell abzugrenzen. Gebäudereste sollen sich in den durchgehenden Rasenflächen abzeichnen, aber nicht besonders hervorgehoben werden.

Die bereits bestehenden Gruppen von Einzelbäumen im Übergang vom SS-Bereich in das ehemalige Industriegelände sollen zu einer aufgelockerten, aber deutlich

lesbaren Raumkante ergänzt werden. Entlang der das gesamte Industriegelände durchziehenden Gleistrassen und am ehemaligen Bahnhof wird eine dünne Anhydrit-Schotterung Magerrasenflächen entstehen lassen, die den Verlauf der Gleisanlagen kennzeichnen sollen. Zusätzlich sollen entlang des Zugangsgleises von der Zorgebrücke bis zum Bahnhof – gleichsam als Meilensteine – große, helle Steinquader aus Anhydrit aufgestellt werden, auf denen die Namen und Orte aller Einzellager des KZ Mittelbau angegeben werden sollen. Sie unterstreichen nicht nur die als Schwelle verstandene Eingangssituation an der Straßenauffahrt zur Gedenkstätte, sondern verweisen symbolisch auf die Transportwege und das Beziehungsgeflecht zwischen den Mittelbau-Lagern.

Insgesamt verfolgt der freiräumliche Entwurf ein spurensicherndes und -erhaltendes Konzept. Die erwähnten »Meilensteine« zeigen aber, dass an einigen Stellen, z.B. an den Übergangspunkten zwischen den verschiedenen Lagerbereichen sowie an der ehemaligen Bahnbrücke über die Zorge, zudem abstraktere Formen der Kennzeichnung vorgesehen sind, etwa ein Lichtraumprofil der Waggons auf der Eisenbahnbrücke. Die zu Zeiten der DDR errichteten Denkmäler in der Gedenkstätte, also die 1964 aufgestellte Plastik vor dem Krematorium, der mit den »Steinen der Nationen« und einem Betonpostament samt Kupferreliefmauer, Fahnenmasten und Flammenschale umrandete ehemalige Appellplatz sowie eine Todesmarsch-Stele im Eingangsbereich der Gedenkstätte sollen als zeitgeschichtliche Dokumente des Umgangs mit der NS-Vergangenheit in der DDR erhalten bleiben. Der Entwurf der Architekten folgt damit dem Wunsch der Auslober. 

Umsetzung des Konzeptes

Der Wettbewerb erforderte umfangreiche Vor- und Begleitarbeiten. Da das Gedenkstättengelände bisher weder vermessen worden war noch die historischen Überreste des Lagers systematisch erfaßt worden waren, mußte in Kooperation mit Landschaftsarchitekten und den zuständigen Behörden (Katasteramt, Liegenschaftsamt des Landkreises, Denkmalschutzämter) in zeit- und kostenintensiver Kleinarbeit zunächst einmal das erforderliche Kartenmaterial erstellt werden. Mit hauseigenen Kräften wurde – unter Auswertung neu ermittelter historischer Luftaufnahmen – ein Index historischer Bausubstanz erstellt, der mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt wird. Die Neuinterpretation bestimmter Orte im Gedenkstättengelände, die nun entsprechend kenntlich gemacht werden sollen (etwa eine Hinrichtungsstelle im Hof des Lagergefängnisses), erforderte zudem umfangreiche historische Recherchen. Noch nicht abgeschlossen ist eine archäologische Untersuchung des ehemaligen Häftlingslagers, bei der insbesondere Grab- und Verbrennungsstellen ermittelt werden sollen.

Zur Beschleunigung des planungsrechtlichen Genehmigungsverfahrens wurde Anfang des Jahres 2001 in der Stadtverwaltung von Nordhausen eine innerbehördliche Arbeitsgruppe gebildet, der neben Vertretern der zuständigen städtischen Ämter auch Vertreter des Landkreises Nordhausen und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora angehören. Außerdem nehmen seit Abschluß des Wettbewerbes auch die Architekten und Fachplaner an den Sitzungen der Arbeitsgruppe teil. Neben der Einbindung der politischen Entscheidungsträger ist der Stiftung die Transparenz der Neukonzeption und die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Überlebenden wichtig. Die kontinuierliche Absprache mit dem Häftlingsbeirat ist selbstverständlich. Sämtliche Wettbewerbsunterlagen und der in fünf Sprachen vorliegende Auslobungstext sowie die Protokolle zweier Teilnehmerkolloquien und der Preisgerichtssitzungen sind im Internet veröffentlicht worden (www.buchenwald.de/wettbewerb-dora).

Alle Entwürfe der ersten und der zweiten Phase wurden in einem Reader zusammengestellt, der käuflich erworben werden kann. Nach Abschluß des Wettbewerbes wurden die 24 Entwürfe der zweiten Phase in einer Ausstellung in der Gedenkstätte Buchenwald der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Preisträgerarbeiten wurden anschließend im Landratsamt Nordhausen ausgestellt und sind seit August 2001 bis zum Abschluß der Neugestaltung als Sonderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu sehen. Schließlich ist für den Winter 2001/2002 ein Bürgergespräch in der Stadt Nordhausen geplant, bei dem die Neukonzeption der Gedenkstätte vorgestellt werden soll.

Zeitplanung

Im Genehmigungsverfahren für die Umsetzung aller Baumaßnahmen wird zweigleisig verfahren. Priorität hat der Neubau des Verwaltungs- und Ausstellungsgebäudes. Nach Erteilung einer vorgezogenen Baugenehmigung wird voraussichtlich im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden können. Im Winter 2003/2004 sollen die im Obergeschoß des Gebäudes gelegenen Mitarbeiterbüros, das Archiv, die Bibliothek und die Seminarräume bezugsfertig sein. Läuft alles nach Plan, dann könnte zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora am 11. April 2005 die neue Dauerausstellung im Erdgeschoß des Gebäudes eröffnet werden. Die jetzige Ausstellung, die immer nur als Provisorium verstanden wurde, wäre dann genau 10 Jahre alt. Die Baracke, in der die Ausstellung seit 1995 untergebracht ist, wird anschließend voraussichtlich für Sonderausstellungen genutzt werden. Das jetzige Verwaltungsgebäude, das Mitte der siebziger Jahre errichtet worden ist, soll dagegen abgerissen werden, sobald das Depot, das im Keller des Neubaus untergebracht wird, fertiggestellt ist.

Die Umgestaltung des Geländes wird einen wesentlich längeren Zeitraum als der Bau des neuen Gebäudes in Anspruch nehmen. Sie kann erst nach Aufstellung eines Bebauungsplanes in Angriff genommen werden und soll sukzessive in einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren realisiert werden. Neue historische und topographische Erkenntnisse werden dabei – in Absprache mit den Architekten – sicherlich unmittelbar in die Neugestaltung einfließen.