Koordinationsstelle des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg gegründet

Vernetzung von Gedenkstätten und zeithistorischer Forschung
08/2005Gedenkstättenrundbrief 126, S. 34-35
Thomas Schaarschmidt

Die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen in Oranienburg, das ehemalige Stasi-Gefängnis im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen oder das Dokumentationszentrum Berliner Mauer in der Bernauer Straße: Wie wohl in keiner anderen Region Deutschlands dokumentieren in Berlin und Brandenburg eine Vielzahl von Gedenkstätten und zeithistorischen Museen die Hinterlassenschaften der NS-Diktatur, des Kalten Krieges und der deutschen Teilung, der sowjetischen Besatzungsherrschaft und der SED-Diktatur. Die hohe Konzentration dieser Erinnerungsorte, die dichte Berliner Hochschullandschaft und die drei brandenburgischen Universitäten in Potsdam, Frankfurt/Oder und Cottbus bieten sehr gute Voraussetzungen für eine vernetzte zeithistorische Forschung. Nach dem Willen der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und des Brandenburgischen Wissenschaftsministeriums sollen die Impulse und Forschungsideen aus den Gedenkstätten, Museen und Universitätsinstituten zukünftig in weitaus stärkerem Maße miteinander verzahnt werden, um innovative Projekte zu entwickeln.

Aufgaben und Ziele der Koordinationsstelle

Auf Antrag der im Zeithistorischen Forschungs- und Gedenkstättenverbund Berlin-Brandenburg i.G. zusammengeschlossenen Fachvertreter wichtiger Berliner und Brandenburger Einrichtungen bewilligten die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur im November 2004 Mittel, um zunächst für elf Monate eine Koordinationsstelle einzurichten. Diese ist organisatorisch an das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam angeschlossen und hat die Aufgabe, die Forschung an Gedenkstätten, Museen, Hochschulinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen so miteinander zu vernetzen, dass alle Beteiligten davon profitieren: Die angestrebten Strukturen bieten der akademischen Forschung die Aussicht, neue interdisziplinäre Projekte zu entwickeln, Studenten über attraktive Themen für Qualifizierungsarbeiten in die Forschung einzubeziehen und zusätzliche Drittmittel einzuwerben. Den Gedenkstätten und Museen eröffnet sich die Möglichkeit, grundlegende Forschungsvorhaben zu verwirklichen, die der Dokumentation und der museumspädagogischen Arbeit unmittelbar zugute kommen.

Die Koordinationsstelle trägt zur Kooperation der zeithistorischen Forschung in Berlin und Brandenburg bei, indem sie geeignete Partner aus Gedenkstätten, Museen und akademischer Forschung fürVerbundprojekte vermittelt, bei der Entwicklung innovativer Forschungsprojekte hilft, an der Vorbereitung von Projektanträgen mitwirkt und bis zur Antragstellung betreut, Foren für die Diskussion der neuen Forschungsvorhaben und ihrer Relevanz für aktuelle Debatten über die Gedenkstättenlandschaft der Hauptstadtregion schafft und die Forschungszusammenarbeit öffentlich darstellt, um neue Interessenten für den Verbund zu gewinnen.

Gründung des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg

In Anwesenheit von rund 50 Vertretern Berliner und Brandenburger Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen konstituierte sich am 4. Juli 2005 auf einer Tagung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand der Projektverbund Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg.

Mitglieder können alle Fachkolleginnen und –kollegen werden, die an der wissenschaftlichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des von der Koordinationsstelle vorgelegten Entwurfs eines Forschungsrahmenprogramms interessiert sind. Das Rahmenprogramm fasst in seiner jetzigen Version die an die Koordinationsstelle herangetragenen Projektideen zusammen und bündelt sie zu fünf Themenbereichen:

• Repression und Rassenpolitik in der NS-Diktatur

• Erinnerungsorte des Zweiten Weltkriegs

• Repression und Opposition in der SBZ/DDR

• Teilung – Flucht – Mauer

• Berlin und Brandenburg als Arena der Erinnerungskulturen.

Um neue Projektideen zu entwickeln und Forschungsergebnisse aus laufenden Projekten zur Diskussion stellen zu können, organisiert die Koordinationsstelle seit Juni 2005 Workshops zu bestimmten Themenfeldern, an denen interessierte Kolleginnen und Kollegen aus Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen teilnehmen.

Daneben trägt die Koordinationsstelle mit der Einrichtung neuer Foren dazu bei, den interdisziplinären Gedankenaustausch über die engeren Fachinteressen hinweg zu fördern. Zu diesen Foren zählen die Homepage des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg, die von Ende August 2005 an im Rahmen von »zeitgeschichte-online« genutzt werden kann, sowie eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Führungen und Streitgesprächen zur Zeitgeschichte, die die Koordinationsstelle ab Herbst 2005 für die Mitglieder organisiert.

Zur Unterstützung der Arbeit der Koordinationsstelle wurde am 8. Juli 2005 ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Diesem gehören nach jetzigem Stand Prof. Dr.  Günter Morsch, Martin Gutzeit, Prof. Dr. Wolfgang Benz, Prof. Dr. Manfred Wilke, Prof. Dr. Martin Sabrow, Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Thomas Lutz, Dr. Ulrich Mählert und Dr. Gabriele Camphausen an.

Kontakt

Koordinationsstelle des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg

Am Neuen Markt 9 d

14467 Potsdam

Postanschrift

Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V.

Am Neuen Markt 1

14467 Potsdam

Tel. 0331 62071-93/-94) oder 0170 4111754

Fax 0331 2899140

schaarschmidt@zzf-pdm.de